Kurzbeschreibung
Der Band enthält u.a. "Der stille Aufstieg des Romolus Leiser", eine Satire auf den gegenwärtigen Literaturbetrieb in Deutschland.
"Thomas Böhme spürt den Morbiditäten falsch verstandener Männlichkeit nach, die er im gleichen Atemzug zu rehabilitieren versucht. Seine Geschichten - aus der Perspektive des Träumenden erzählt, des Reisenden, der sieht, ohne sich vom Fleck zu bewegen - bergen eine soziale Radikalität, die sich als philosophischer Science fiction verstehen läßt. Der Leser scheitert an dem Versuch, sich in der Idylle einer untergegangenen Welt gemütlich einzurichten. Nicht zuletzt nimmt er die Spielregeln des routinierten Literaturbetriebes satirisch aufs Korn. (Viktor Kalinke) Böhmes Erzählungen handeln von nachgerade märchenhaften Figuren und Vorgängen. Es liegt nahe, sie als Parabeln jener Erfahrungen zu sehen, die ein 1955 in Leipzig geborener Autor zu machen hatte. Bemerkenswert daran ist aber nicht so sehr die surrealistische Einkleidung als vielmehr der humoristische, gelegentlich melancholisch gebrochene Ton, in dem sie gehalten sind, und die in ihm sich dokumentierende Bereitschaft, die Welt ohne Bitterkeit zu sehen. Gleich, wovon Böhmes Erzählungen handeln - eine große Heiterkeit geht von ihnen aus, getragen wohl von einem neugierigen und bewundernden Blick auf die überraschende Vielfältigkeit und Abenteuerlichkeit des Lebens. (Helmuth Kiesel, Frankfurter Allgemeine Zeitung) Die Schauplätze der magischen Minaturen wechseln von Nordafrika nach Italien und dann plötzlich wieder ins Nirgendwo. Fiktion und Realität verfließen in dieser Prosa zu faszinierenden Mustern. Böhmes geheimes Hauptthema ist die Pubertät, jener Lebensabschnitt also, in dem die Geschlechtlichkeit erwacht, in dem Knaben zwischen Gefühlsextremen schwanken. Es ist zugleich auch ein Stadium der Balance zwischen Homo- und Heterosexualität, zwischen Coming out und dem weg zu einer bürgerlichen Familienexistenz. Böhme spinnt diese Gedanken nie aus, er tarnt sie mit surrealen Fantasien, verfremdet sie durch komische Verzerrungen. Immer aber sind seine knappen Noveletten sehr poetisch, immer bestricken sie durch Sprachmelodie und heiteres Pathos. (Ulf Heise)