Die Autoren gehen scharf zur Sache. Dass Rauchen, egal ob aktiv oder passiv, schädlich für Mensch und Tier ist, wird vorausgesetzt und kaum einer näheren Betrachtung gewürdigt. Im Zentrum der Ausführungen steht vielmehr nicht er selbst, der blaue Dunst, sondern jene, bzw. deren üble Machenschaften, die das Ausgangsprodukt dazu, die Zigarette, industriell produzieren und sich damit eine goldene Nase verdienen. Burger und Davani lassen kein gutes Haar an diesen gegenüber der öffentlichen Wahrnehmung mehr oder weniger anonymisierten Herrschaften. In einer fulminanten und als zornig zu nennenden Streitschrift wird die Tabaklobby an den Pranger öffentlicher Empörung gestellt, wobei nicht irgendwelche gemeine Anschüttungen, sondern bis vor kurzem geheime interne Dokumente der Tabakindustrie die Grundlage zur Klageschrift bilden. Es ist ganz die Art einer unfreiwilligen Selbstbezichtigung: Ihr habt es selbst gesagt!
Was dabei ans Tageslicht tritt, ist in der Tat Haare sträubend und mag geeignet sein, noch den eifrigsten Verfechter des Qualmstängels nachdenklich zu stimmen: Gesundheitsbehörden werden korrumpiert, Starjournalisten gekauft, nachteilige Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung unterdrückt oder mit allen möglichen Tricks in ihrer Aussagekraft künstlich relativiert. Wenig überraschend, aber in dieser Geradlinigkeit doch erstaunlich ist der Zynismus, welcher in den, selbst nämlich Tabak cleanen, Chefetagen der Tabakkonzerne anzutreffen ist: Wir rauchen den Scheiß (selbst) nicht, heißt es da, wir verkaufen ihn nur. Dieses Recht (den Scheiß zu rauchen) behalten wir den Jungen, den Armen, den Schwarzen und den Dummen vor. Des Weiteren geht aus internen Dokumenten hervor, wie raffiniert man sich bemüht, einen möglichst großen Teil der jeweiligen Bevölkerung nikotinsüchtig zu machen. Und zwar das in möglichst frühen Jahren. Wenn dann auch noch auf vielen Zigarettenschachteln die scheinheilige Belehrung prangt, die Rauchware sei nur für Erwachsene bestimmt, so sollte dies vom kritischen Konsumenten weniger als Warnung, denn als besonders raffiniertes Lockmittel erkannt werden. Die unterschwellige Botschaft an Jugendliche ist klar: Das ist nichts für kleine Kinder. Rauche! Und fühle dich erwachsen, groß und stark.
Eine Schwäche könnte dem Buch angelastet werden: Es frönt einem sachspezifischen Fanatismus der Aufklärung, wie er nur Zigarettenhassern zu Eigen sein kann. Als eher immer um Verständigung bemühter und solcherart bis zur Selbstschädigung toleranter Zeitgenosse, kann man da nicht immer mental so richtig mithalten. Nach einigen dutzenden Textseiten forschen Aufdeckens beginnt der allzu friedfertige, um nicht zu sagen: konfliktscheue Leser zu ermüden. Es ist die pure Recherchelust, die sich da bis zum Exzess zelebriert. Dokumente von nicht geringer Brisanz werden aufgetischt und bis zur Ermattung breitgetreten. Die unaufhörliche Militanz nervt ein wenig, zumal wenn sie sich zum hämmernden Stakkato steigert. Der den Schöngeist aufweckende, literarische Esprit kommt dabei zu kurz. Sollte dies alles der Schrift abträglich sein? Keineswegs, denn dieses Buch will vorführen und nicht unterhalten oder mit dem ästhetischen Sinnempfinden des Lesers flirten. Es geht um die Fakten und nur um die Fakten um den faktenreichen Skandal.
Wer sich nun durch dieses Stück streitwillige Lektüre durchgekämpft hat, hat zwar vielleicht noch nicht die letztgültige Wahrheit in Händen, ein Schwarzbuch ist nun mal Schwarzmalerei und jedem kritischen Geist seine Skepsis sowieso eine hohe Tugend, doch wird eine mürrische Ahnung in ihm keimen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und möglicherweise wird ihm sein solcherart geschärftes Kritikvermögen, sofern er selbst Raucher ist, mehr bei der Überwindung seiner Abhängigkeit dienlich sein, als die, ob ewiger Wiederholungen, schon viel zu abgedroschene Mahnung gut meinender Gesundheitspolitiker, dass Rauchen ungesund ist. Jeder muss halt einmal sterben und wer lebt denn schon gesund? Die Autoabgase! Dieses mit einem breiten Grinsen verabreichte Dummheitsprivileg jedoch, das ist schon sehr erniedrigend. Dem mündigen Bürger ist es im Guten wie im Schlechten um seine Souveränität zu tun. Selbstbestimmt pafft er sich unter die Erde. Dabei belächelt zu werden, mag ihm allerdings mehr als ärgerlich sein.