| ||||||||||||
![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 3,40 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Gestützt auf Materialien des Bundesarchivs, des statistischen Bundesamtes und des früheren Vertriebenenministeriums versucht der Autor, den historischen Tatbestand jener apokalyptischen Ereignisse heraus zu arbeiten und von entstellenden Legenden zu befreien. Er untersucht darüber hinaus die Motive der seinerzeitigen Täter und die Gründe der Tabuisierung bis in unsere Tage.
„Nawratils Buch hilft mit, ein Informationsdefizit abzubauen.”, kommentierte der Sender Freies Berlin die erste Auflage. Ungesühnte oder gar akzeptierte Verbrechen werden schnell zum Nachahmungsmodell für andere, wie es selbst die jüngste Vergangenheit beweist. Schon am 28. Mai 1995 konstatierte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, José Ayala Lasso: „Wenn die Staaten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr über die Vertreibung der Deutschen nachgedacht hätten, wären die heutigen Katastrophen und Vertreibungen, die vor allem als ethische Säuberungen bezeichnet werden, vielleicht nicht in diesem Ausmaß vorgekommen”.
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Es zeigt Greueltaten, die während und nach Ende des zweiten Weltkrieges, beginnend mit dem Einmarsch der Roten Armee in die von Deutschen besiedelten Gebiete, an der ostdeutschen Zivilbevölkerung verübt wurden.
Jedenfalls wer sich bisher mit dem Thema Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa nicht näher befassen konnte wird aus dem Staunen und Entsetzen, welches bereits beim Lesen des ersten Teils des Buches beginnt und in welchem die Tatbestände der Vertreibungsverbrechen getrennt nach Regionen bzw. Verwaltungsgebieten (Opfer der Roten Armee, Unter polnischer Verwaltung, Böhmen und Mähren, Jugoslawien, Andere Gebiete), sparsam bebildert und mit einer Vielzahl von Quellen belegt, dargestellt werden, nicht sobald herauskommen. Es stockt der Atem wenn Heinz Nawratil die Vielzahl des Unrechts ermittelt und schlüssig darlegt, daß die Zahl der von Flucht, Vertreibung und Verschleppung Betroffenen 20 Millionen betragen haben dürfte, von denen 2,8 bis 3 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. Der Autor selbst verweist auf ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis, welches eine Überprüfung seiner Angaben und das Studium anderer Meinungen und Berechnungen ermöglicht. Unwiderlegt dürfte jedenfalls der vom Autor gezogenen Schluß bleiben, bei der Vertreibung der Ostdeutschen in den Jahren 1945 bis 1948 handele es sich um die größte Menschenaustreibung der Weltgeschichte.
Heinz Nawratil bleibt aber nicht bei der bloßen Geschichtserzählung. Im zweiten Teil des Buches versucht er die Motive der unmittelbaren Täter aber auch die der Befehlshaber und Politiker, welche die Vertreibung durch ihre Forderungen und Duldungen, durch Beschlüsse und Abkommen erst ermöglichten, zu ergründen. Bei der Vielzahl der maßgeblichen Interessen ist diese Darstellung, welcher etwa 80 Seiten gewidmet werden, eher zu kurz. Das Ergebnis erscheint aber überzeugend. Nur äußerst selten seien die Geschehnisse spontane Racheakte für erlittenes nationalsozialistisches Unrecht gewesen. Maßgebend seien vielmehr nationalistische Expansionspläne osteuropäischer Politiker, die mit maßloser Kaltblütigkeit ihre Liquidationspolitik zuungunsten Wehrloser verwirklichten und sich dabei mit Erfolg vor der Welt als Berechtigte darstellen wollten. An diesem Punkt zeichnet sich bereits ein weiterer, für viele der Opfer folgenschwerer Aspekt ab. Zu ihrem Ausgeliefertsein und den Qualen, welche das konkreten Verbrechen auslöste, kam ihre zunächst bestehende Ohnmacht gegenüber ihrer kollektiven Verurteilung als Täter und der damit verbundenen Verkündung der Ausführenden, die begangene Menschenrechtsverletzung seien als eine gerechte Strafe zu empfangen gewesen.
Wie dieses Vorgehen und diese durchgesetzte Erwartung der „Vertreiber" auf die Gruppe der Vertriebenen und die auch für sie verantwortlichen deutschen Nichtvertriebenen sich später im Verhalten der Deutschen als Gruppe bis heute auswirkt, zeigt der dritte Teil des Buches.
Dieser dritte Teil „Bewältigung" handelt im Grunde von der Aussicht auf Heilung. Doch hierzu wird zunächst noch von der Wirkung des die Opfer betreffenden Unrechts bis in unsere Tage fort erzählt. Auch nach Abschluß der Vertreibungsverbrechen ist die Welt für die Opfer und die sie umgebende Gesellschaft nicht einfach wieder „gut". Heilung braucht Zeit, aber Zeit allein heilt die Wunden nicht. Es bedarf einer Integration der eigenen erlebten Geschichte nicht aber einer Verdrängung. Heinz Nawratil geht es hierbei aber nicht um die jeweils höchstpersönliche Geschichte der einzelnen Opfer, sondern um die Leidensgeschichte der Opfer als Gruppe und der Deutschen als Volk. Der Autor setzt sich dazu für die Darstellung der ungekürzten Wahrheit ein, erst diese ermögliche es der deutschen Gesellschaft, unbefangen ihre jüngere Geschichte erzählen zu können. Er muß bei seiner Bestandsaufnahme aber feststellen, daß es weltweit ein Informationsdefizit und in Deutschland sogar ein „Halbtabu" bezüglich der größten Menschenaustreibung der Weltgeschichte gebe.
Heinz Nawratil ist am Ende seiner Schilderung nicht im Gestern angelangt, er beschreibt das Fortwachsen der Folgen von massiven, eine ganze Kultur betreffenden Menschenrechtsverletzungen im Heute und schildert Schritte für eine heilsamen Umgang mit dem vergangenen Unrecht für die Zukunft. Hierbei verdient besondere Aufmerksamkeit seine Auseinandersetzung mit der sogenannten Kollektivschuldtheorie. Seine Ansatzpunkte stammen dabei, wie er es selbst hervorhebt, aus Erkenntnissen der Psychotherapie. Der deutschen Gesellschaft sei es nicht möglich, sich der ungekürzten geschichtlichen Wahrheit zu öffnen, was sie gleichzeitig hindere, in weiten Bereichen die dadurch sinnlos gebundene Energien für die Lösung der Aufgaben des Tages nach rationalen und moralischen Kriterien zu nutzen.
Man wird sich darüber streiten können, ob die deutsche Gesellschaft ihre Tagesaufgaben weniger gut löst als andere, überzeugend dargelegt ist mit dem Buch aber, daß Vertreter der deutschen Gesellschaft die jüngere Geschichte von Millionen ihrer Angehörigen als Opfer von Menschenrechtsverletzungen nicht nur verdrängt sondern wiederholt erfolgreich leugnet. Die Deutschen stehen daher in dem Verdacht, nicht ein von ihrem inneren „Selbst" bestimmtes Dasein zu führen.
Daß ein solches Dasein aber wertvolle Energien bindet, liegt mit Rückgriff auf psychologischen Erkenntnisse mehr als deutlich auf der Hand. In einem wohlverstandenen Sinne bedeutet selbstbestimmtes Dasein, auch gerade nicht, schlichtweg egoistisch und für andere bedrohlich zu sein, da es ja gerade auf dem Prinzip der Selbstbestimmung, welches für alle gilt, beruht. So kann nur eine selbstbestimmt lebende, angstfreie und ihrer gesamten Geschichte bewußte Gesellschaft auch anderen Halt und Schutz geben. Hiervon scheint Heinz Nawratil inspiriert zu sein, wenn er mit seinem Buch deutlich macht, daß es zunächst gerade den Deutschen obliege, das Gedenken an die Opfer zu pflegen und zugleich den UN-Hochkommissar José Ayala Lasso mit den Worten zitiert: „Wenn die Staaten seit dem Ende des zweiten Weltkrieges mehr über die Vertreibung der Deutschen nachgedacht hätten, wären die heutigen Katastrophen und Vertreibungen, die vor allem als „ethnische Säuberungen" bezeichnet werden, vielleicht nicht in diesem Ausmaß vorgekommen."
Zutreffend ist die Ankündigung aus dem Vorwort des Autors: „Die Lektüre ist nicht immer angenehm. Die Schrecken der Vergangenheit werden wieder Gegenwart - um der Zukunft willen....Kurzum dieses Buch ist keine bequeme Lektüre, wohl aber eine notwendige; es wendet sich auch nicht an den bequemen Bürger, sondern an den mündigen."
Faszit: Besonders wertvoll, lesenswert!
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|