"Schwarzbuch USA" (Ullstein 36998 - erweiterte und aktualisierte Taschenbuchauflage 2008, gebundene Erstauflage beim Eichborn-Verlag 2004)) von Eric Frey, einem leitenden Redakteur beim Wiener "Standard", ist eine umfassende Dokumentation (553 Seiten plus Literaturhinweisen und einem Register) der dunklen Seiten von "God's own country". Diese werden an Anbeginn - Landraub und Vernichtung der Indianer - bis heute - der Krieg gegen den Irak - verständlich und differenziert sowie ohne Anti-Amerikanismus behandelt. Teil I behandelt die "Jugendsünden" der USA (1776 bis 1945): Der Raub eines riesigen Gebietes (von der Ost- bis zur Westküste) von den Indianern und deren weitgehende Vernichtung; die Sklaverei und die Unterdrückung der Schwarzen; der ungezügelte Kapitalismus zur Zeit der Räuberbarone; die imperialistische Behandlung von Lateinamerika als Hinterhof; Unrecht im gerechten Krieg (Internierung von Japanern, Bomben gegen Zivilisten, unterlassene Hilfeleistung für Europas Juden); Einsatz von Atombomben über Hiroshima und Nagasaki. In Teil II (1945 bis 1991) wird auf die Sünden der USA im Kalten Krieg eingegangen: Sowjetunion als Todfeind; die McCarthy-Ära; nukleares Wettrüsten und die Kuba-Krise; Interventionen der CIA im Iran, in Guatemala, Kuba und Chile; die Tragik des Vietnam-Kriegs. In den Teilen III und IV wird die USA heute betrachtet: In Teil III die Sünden gegen die eigenen Bürger (ungezügelte Konsumgesellschaft und der Verfall des öffentlichen Raums, Ungleichheit und fehlende soziale Sicherheit, das alltägliche Morden, das Recht als Lotterie, das Land der staatlichen Henker, korrumpierte Demokratie, ...) und in Teil IV gegen den Rest der Welt (andauerndes Außenhandelsdefizit, kaum Entwicklungshilfe, Krieg statt Therapie - sinnloser Kampf gegen den Drogenhandel, die Macht der Lobbys in der Außenpolitik, scheinheilige Menschenrechtspolitik, der Unilateralismus und die Zerstörung der Weltordnung, die Präventivkriegsdoktrin, ...) angeführt. Alles in allem kann das Buch nicht des Antiamerikanismus geziehen werden, wenngleich es nahezu zur Gänze der Amerika-Kritik gewidmet ist. Versöhnlich sieht der Autor jedoch heute in vielen Bereichen "Licht am Ende des Tunnels". Im übrigen ist das Buch trotz seines "schweren" Inhalts "leicht" zu lesen.