Schwarzbuch Soziale Arbeit: Der Staat verkauft seine Kinder (Taschenbuch)
Mit diesem Schwarzbuch liegt eine messerscharfe Kritik und Analyse der aktuellen Situation der Sozialen Arbeit vor. Die geschilderten Beispiele aus dem Alltag der Sozialen Arbeit und die theoretische Analyse stellen eine sehr gelungene Mischung aus Erfahrungswerten von PraktikerInnen und dem Kontext bestehender Strukturen dar. In klarer, einfacher Sprache wird hier Komplexes gut verständlich erklärt. Sowohl die neoliberalen sozialpolitischen Intentionen und Entwicklungen der letzten Jahre, die Ökonomisierung und die Sparpolitik werden hier beschrieben, als auch die Haltung, die hinter dem "aktivierenden Sozialstaat" steht. Die Profession Soziale Arbeit wird dabei auf den Prüfstand gestellt, denn sie muss Farbe bekennen um eine unabhängige und fachliche Position zu finden, zu beziehen und zu verteidigen. Bei der Lektüre ist deutlich zu spüren, dass dieses Buch fällig war!
Immer wieder bleibt andere kritische Literatur irgendwo in der Theorie stecken, gerät ins Stolpern, besonders wenn es konkret wird. Bei Mechthild Seithe ist das anders. Ihr kritischer Blick zielt auch auf konkrete Überlegungen und Handlungsoptionen ab. Erfreulicherweise geht es hier nicht darum einen neuen Flicken auf eine alte Decke zu heften, sondern um ein tiefgreifendes Verstehen, Nachdenken und um Möglichkeiten einer in Theorie und Praxis realisierbaren Widerständigkeit.
Auf eine Fortsetzung dieses Buches und auf die Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit dürfen wir gespannt sein, auch wenn wir nicht einfach nur warten können... Nein, das wird wohl ein interaktiver Prozess sein! Ich empfehle: unbedingt lesen, weiterempfehlen, diskutieren und selber einmischen. Das sind die Handlungsmaxime und die Konsequenzen aus diesem Buch. Wir dürfen gespannt sein, wie es weiter geht!