Schwarzbuch Hund von Chris Jung ist eines der wichtigsten und wertvollsten Bücher, die ich zum Thema Hund je gelesen habe. Es ist wohl das erste Hundebuch, das nicht von einem Kynologen, sondern von einem Psychologen geschrieben wurde. Wie passt das zusammen? Ganz hervorragend, denn der Autor zeigt in diesem Buch auf, wie eng verflochten Mensch und Hund seit Jahrtausenden sind. Chris Jung ist der Ansicht, dass der Vergleich mit dem Wolf und wölfischen Verhaltensweisen zwar wichtig ist, aber dies allein nicht ausreicht, um den Hund zu verstehen. "Der Hund kann nur verstanden werden, wenn man auch den Menschen versteht", so der Autor Chris Jung.
Diesen Satz mögen manche Hundefreunde auf den ersten Blick vielleicht für eine gewagte These halten, doch der Autor belegt diese nicht zu leugnende These und erklärt die Zusammenhänge absolut einleuchtend und verständlich. Dabei versucht er keineswegs den Hund im negativen Sinne zu vermenschlichen - ich glaube, nichts liegt dem Autor ferner als das. Die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien, wie und warum Mensch und Hund überhaupt zusammenfanden, werden auf interessante Weise dargelegt, das Für und Wider der einzelnen Theorien analysiert. So gelingt es dem Autor bereits den geschichtlichen Teil so spannend und interessant zu gestalten, dass dieses Buch den Leser fesselt wie ein Krimi. Ebenso spannend und lebhaft beschrieben ist der Wandel der unterschiedlichen "Verwendungen", die der Mensch für den Hund von der Frühzeit bis heute hatte und hat.
Zum spannenden Wirtschaftskrimi gerät das Buch an der Stelle, wo über die wirtschaftlichen und politischen Interessen im Zusammenhang mit dem Hund berichtet wird. Keines, der Hundebücher, die ich bisher gelesen habe, hat sich je so intensiv damit auseinander gesetzt und die unfassbaren Missstände derart schonungslos und nachvollziehbar aufdeckt. Schwarzbuch Hund widmet sich der Hundezucht, den Zuchtverbänden, sowie auch der Hundefutterindustrie und deckt Interessantes, aber auch viel Erschreckendes auf. Er analysiert und verdeutlicht, wie der Hund auch für politische Zwecke instrumentalisiert wird, befasst sich mit "Beißvorfällen" und vor allem mit deren Hintergründen. Man kann ohne Übertreibung sagen, Chris Jung widmet sich dem Thema Hund ganzheitlich. Kaum ein Hundebuch liefert so viel umfassende Informationen in so komprimierter Form, die gleichzeitig so spannend zu lesen sind und zum Nachdenken anregen.
Nicht nur Hundebesitzer, sondern auch solche Menschen, die den Hund als überflüssiges Laster der Gesellschaft ansehen, sollten dieses Buch lesen. Für Hundebesitzer ist es ohnehin ein absolutes MUSS, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Kaum ein Hundebuch hat mich je so nachhaltig beeindruckt wie dieses, kaum ein Hundebuch hat mir je so viele wichtige Informationen Denkanstöße auf nur 280 Seiten geliefert. Fazit: uneingeschränkte Leseempfehlung!