Es ist ein Jammer, dass Ursula Caberta dieses wichtige Thema so lieb- und substanzlos abgehandelt hat. Um eines gleich vorweg zu schicken: Ich teile die Meinung der Autorin, dass die Esoterik und die so genannte Alternative Medizin in verschiedenen Spielarten eine dramatische Gefahr für viele Menschen darstellen. Was den harmlosen Rest angeht: Da bin ich einfach nur verzweifelt, dass sich so viele Menschen einen so offensichtlichen Unsinn andrehen lassen.
Kurz gesagt: Ein Schwarzbuch Esoterik ist dringend nötig. Aber: Ursula Caberta ist es nicht gelungen, ein Buch mit Substanz zu schreiben.
Das fängt bei der hölzernen Sprache an, die vor Floskeln strotzt und teils so fehlerhaft und voller falscher Bezüge ist, dass ich viele der Hohlspiegel-tauglichen Sätze mehrmals lesen musste. Das Buch hat darüber hinaus keinen logischen Aufbau. Zu Beginn diskutiert Ursula Caberta den Begiff "Sekte", erklärt aber nicht wirklich, warum das für ihr Buch relevant ist. Dann hüpft und springt sie munter durch die verschiedenen Spielarten der Esoterik, ohne zu analysieren und in der Tiefe auf Gemeinsamkeiten der Angebote, Strategien der Anbieter und Denkmuster der Kunden einzugehen.
Viele Kapitel funktionieren nach dem Schema: Und dann ist der noch der Guru XY, der seine Anhänger verführt hat, der ist auch böse. Dabei bleiben sogar oft die Methoden der beschriebenen Gurus unklar. Wer zum Beispiel nicht mit den unsäglichen Familienaufstellungen nach Bert Hellinger vertraut ist, der weiß nach Cabertas Kapitel über Hellinger noch immer nicht, was der Kerl da macht und mit welchem irren Denksystem er die Methode rechtfertigt.
Problematisch sind die einzelnen Kapitel auch, weil Caberta kaum einen Gedanken ausarbeitet. Die Texte sind voller inhaltlicher und logischer Brüche. Und wenn ein Gedanke interessant wird, dann huscht sie einfach weiter zum nächsten blutleeren Kapitel und lässt einen ratlos zurück. Caberta wirft zum Beispiel die These auf, dass die Kirchen einen offenen Umgang mit Esoterik und Sekten teils verhindern. Warum das so sein könnte, das arbeitet sie nicht aus.
Dieses Buch gleicht mehr einer losen Materialsammlung als einem fertigen Manuskript. Schade, schade, da wäre mehr drin gewesen. Zwei Sterne gibt es nur, weil die ganzen Eso-Freaks (die das Buch offensichtlich gar nicht gelesen haben) die Ein-Stern-Rezensionen schreiben.