Die netten Pinguine auf dem Umschlag als Illustration des Buchtitels sind natürlich erste Sahne. Wer weiß, vielleicht bewegt die geflügelten Herrschaften im Frack tatsächlich die Frage, ob schwarz schlank macht... (Der französische Originaltitel übrigens klingt viel prosaischer: La science des illusions)
Was so nett verpackt ist, animiert natürlich zum Reingucken. Auf das Einleitungskapitel, in dem er einige bekannte und weniger bekannte Beispiele auflistet (z.B., warum man sich bei stockendem Verkehr immer in der langsamsten Spur wähnt...), widmet sich Jaques Ninio zunächst in zwei Kapiteln einigen Ursachen und theoretischen Aspekten vor allem optischer Täuschungen - kein Wunder, lassen die sich doch am leichtesten illustrieren. Aber auch andere Streiche, die uns die Wahrnehmung spielt, werden vorgestellt, vor allem solche haptischer Art.
In den folgenden 16 Kapiteln geht es um alle möglichen Arten getäuschter Wahrnehmung ("Zaubertricks", optische Täuschungen etc.) unter allen möglichen Gesichtspunkten, und alles ist großzügig illustriert, dazu kommen noch einmal acht Farbtafeln - eine eindrucksvolle Sammlung wurde da zusammengetragen. Ninio präsentiert aber nicht nur seine Sammlung, er erklärt auch, warum diese Täuschungen funktionieren.
Einige dieser Erläuterungen sind sehr aufschlussreich, z.B. wenn es darum geht, welche optischen Täuschungen der Blinde Fleck im Augapfel hervorrufen kann. Leider sind Ninios Erklärungen nicht alle so gelungen; es fällt auf, dass er sich i.d.R. auf eine einzige mögliche Erklärung bestimmter Phänomene beschränkt, andere Aspekte jedoch einfach weglässt, auf diese auch nicht hinweist.
Insgesamt ist das Buch eine amüsante Einführung in die Theorie der alles andere als unfehlbaren Wahrnehmung, die einen aufgrund der vielen Beispiele und Abbildungen ganz von selbst zum Ausprobieren anregt, die einen der eigenen Wahrnehmung gegenüber misstrauisch macht und - last but not least - auch Entdeckerfreuden weckt.