Das neue Album von Ohrenfeindt wurde meinerseits heiß ersehnt, die Erwartungen wurden - gerade nach dem Hammervorgängeralbum "Mit Vollgas und Blaulicht" - allerdings nicht erfüllt. Es handelt sich bei "Schwarz auf Weiss" (fast) ausschließlich um die typischen Ohrenfeindt-Texte um Frauen, Bikes, Rock 'n' Roll, was auch in Ordnung ist (wobei der St. Pauli Pathos mittlerweile `n bissl anfängt zu nerven, aber nun gut). D. h. man kann bis auf einige aus der Art geschlagenen Texte textlich nicht allzu neues bei Ohrenfeindt erwarten, auch wenn "Valerie" auf dem Album zu Pippi in den Augen anregt. Musikalisch wusste Ohrenfeindt bisher auf jedem Album mit mindestens einer eher Ohrenfeindt untypischen Nummer unter musikalischen Aspekten betrachtet neben den ansonsten AC/DC-desken Songs auf all ihren Alben zu überzeugen. Und das ist mein großer Kritikpunkt: Solch eine Nummer fehlt hier: War es auf Schmutzige Liebe" Songs wie Schläft wie `ne Katze" oder auch Sternenstaub", oder auf dem "Rock `n` Roll Sexgott"-Album der Song "Schmetterling", aber eben vor allem auf dem Album "Mit Vollgas und Blaulicht" die Songs Fernweh", "Kalter Kaffee", "Spiel mit dem Feuer" und "Kreis auf ihrer Haut", die musikalisch bis dato jeweils mit ihrer jeweils Ohrenfeindt eher untypisch musikalischen Umsetzung punkten konnten, so ist mir das neue Album zu sehr Ohrenfeindt-Einheitsbrei, der etwas uninspiriert daherkommt. Keine Frage - das Album ist solider Rock `n` Roll, der gut nach vorne geht. Aber teilweise wirkt jener etwas platt und ich bekomme das Gefühl, dass einige Nummer nur das Album füllen sollen (Was der Doktor mir verschrieben hat", Zu jung, zu schnell"). Heul den Mond an" erinnert zu Anfang stark an Kann ich dich nach Hause fahr`n", allerdings fällt Heul den Mond an" nach kurzem Harpeinsatz doch sehr ins Halbgare ab, da wäre mehr drinne gewesen. Wenn die Sonne untergeht" ist ein guter Song - allerdings empfehle ich da die Version, die nur auf der Single Sie hat ihr Herz an St. Pauli verloren" zu finden ist, und zwar deshalb, da dort Ohrenfeindtfrontmann Chris Laut zusammen mit In Extremo Frontmann Das letzte Einhorn" im Duett singen. Bei der Albumversion singt leider nur" Chris Laut.
Wie gesagt, ein solides Rock-Album, welches mir allerdings zu sehr in dem Ohrenfeindt-Schema-F von den Arrangements her hängen bleibt und somit zwar weiter gehört wird, aber leider nicht an die Vorgänger rankommt. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, gebe aber letztendlich 3, da dieses Album nach so langer Wartezeit einfach meine Erwartungen nicht erfüllt und im Gegensatz zu den Vorgängeralben stark abgefallen ist. Anspieltipps: Schwarz auf Weiss", Valerie", Willst Du rocken?". Nichtsdestotrotz freue ich mich, Ohrenfeindt als Vorband von In Extremo demnächst live genießen zu dürfen - denn live ist Ohrenfeindt `ne Macht! Ich hoffe, lieber Chris, falls Du das hier liest, du hast mich trotzdem noch gern, hehe!;-)
P.S.: Die Aufmachung der CD ist künstlerisch sehr wertvoll.