Puh, das ist aber nochmal gutgegangen. Nach dem letzten SUBWAY TO SALLY-Album "Kreuzfeuer" musste ich beinahe schon etwas Angst haben um meine Lieblings-Potsdamer. Denn trotz einiger herausragender Highlights (u.a. "Versteckt" , "Niemals" und die Hit-Single "Besser zu rennst") war die Band doch ziemlich weit von der eigens abgesteckten musikalischen Klasse entfernt, sondern neigte eher zu pomadigem, recht ideenarmen Liedgut. Die Qualität alter Klassiker wie "Herzblut" , "Bannkreis" und "Nord Nord Ost" war hier leider nur im Ansatz zu spüren, weswegen der 2009er Longplayer (meiner persönlichen Meinung nach) wohl eine der entbehrlichsten Scheiben des Folk/Metal-Septetts ist.
Auf dem brandneuen 11-Tracker "Schwarz in schwarz" hat sich das Blatt jedoch wieder komplett gewendet. SUBWAY TO SALLY haben sich etwas mehr Zeit gelassen, um den neuen Kompositionen genug Raum zu geben, und dabei eine Vielzahl toller Ideen in die Songs einfließen lassen. Schwache Momente findet man daher hier vergebens...stattdessen plaziert sich die Combo um Eric Fish, Bodenski & Co. hautdicht auf Augenhöhe mit den Hit-Alben neueren Datums. Soll heißen: "Schwarz in schwarz" ist eigentlich das perfekte Bindeglied aus "Engelskrieger" (heftig modern!) und "Nord Nord Ost" (traditionell sehnsüchtig!) , bei dem endlich wieder sämtliche Trademarks des klassischen SUBWAY TO SALLY-Sounds voll ausgespielt werden können.
Allein der Album-Titel gibt hier das Konzept schon vor. Denn der 54-Minüter ist in Punkto Atmosphäre sehr düster , nachdenklich und teilweise bedrohlich (!) ausgefallen. Bereits der mächtig-riffende Opener "Das schwarze Meer" (tolle Melange aus Romantik und Heaviness!) weiß sofort zu gefallen, und versetzt den Hörer in seelige "Nord Nord Ost"-Zeiten zurück. Als wichtiges Erkennungsmerkmal sticht hier natürlich der Gesang Eric Fish hervor, der erneut alle Facetten seiner Stimme - als betörender, anklagender, wütender Geschichtenerzähler - in die Waagschale wirft. Die Produktion ist ungemein detailverliebt ausgefallen, so dass die zuletzt etwas stiefmütterlich behandelten Mittelalter-Elemente wieder besser zur Geltung kommen. Es gibt wieder mehr folkige und orientalische Einflüsse...mehr Streicher, mehr Fanfaren, mehr pompöses Tamtam. Auffallend ist zudem, dass ein typischer SUBWAY-Hit á la "Tanz auf dem Vulkan" oder "Veitstanz" nicht auf Anhieb auszumachen ist. Bedeutet: Wo auf früheren Alben immer einzelne Nummern über dem restlichem Songsmaterial zu "schweben" schienen, da überzeugt "Schwarz in schwarz" komplett über die gesamte Spiellänge. Einzige Ausnahme ist das ansonsten recht ordentliche "Schlag die Glocken", dessen gekünstelter Refrain aber doch eher biedere Durchschnittskost bietet.
Die fein ausgearbeiteten Uptempo-Nummern "Kämpfen wir!" , "Wo Rosen blüh'n" oder "Nichts ist für immer" gehen dagegen schnell und ohne Umwege ins Tanzbein, weswegen die Stammplätze im zukünftigen Live-Set bereits jetzt schon fest eingeplant werden können. Anstatt übertriebener Gutlaunigkeit brillieren die genannten Songs - wie auch der Rest des Albums - durch das gute Zusammenspiel von Musik und Lyrics. Spätestens nach dem zweiten Hördurchlauf wird hier der Unterschied zum "Kreuzfeuer"-Schnellschuss mehr als deutlich - denn die Ohrwurmqualitäten dieses Albums entwickeln sich sukzessive in süchtigmachender "Kleid aus Rosen"-Manier.
Speziell in den ruhigen Momenten machen SUBWAY TO SALLY alles richtig: Hoch emotionale Songs wie "Bis in alle Ewigkeit" , "Am Ende des Wegs" und das unfassbar zerbrechliche "Ins Dunkel" (schlichtweg genial gesungene Wahnsinnsballade!) stolzieren haarscharf auf dem Grat zwischen kitschiger Herzwärme und packend-durchdachter Poesie. Wer hier keine Ganzkörper-Gänsehaut bekommt, der sollte dieser Band wohl zukünftig doch besser den Rücken zukehren...denn besser kann es eigentlich nicht mehr kommen. Komplettiert wird "Schwarz in schwarz" noch durch "Tausend Meilen" (großartig!) , das stampfende "Mir allein" (erinnert etwas an RAMMSTEIN in ihrer "Rosenrot"-Phase!) sowie das abschließende "MMXII", die dieser Scheibe nach knapp 55 Minuten dann formvollendet den Deckel aufsetzen.
Fazit: Das siebenköpfige Folk/Metal-Orchester SUBWAY TO SALLY hat die zuletzt eingeleitete Schwächephase bravourös überwunden. Mit "Schwarz in schwarz" ist der Band aus Potsdam eines der komplettesten Alben 2011 gelungen, das im Langzeittest immer noch mehr Charme hinzugewinnt. Gut gemacht, so kann's weiter gehen !!!