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Schwarz, Rot, Grau. Altern in Deutschland
 
 
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Schwarz, Rot, Grau. Altern in Deutschland [Gebundene Ausgabe]

Heribert Prantl , Nina von Hardenberg
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung; Auflage: 1. (5. Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866156162
  • ISBN-13: 978-3866156166
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 747.481 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Menschen werden immer älter, aber Regeln für ein Altern in Würde kennt unsere Gesellschaft nicht. Alte Menschen gelten durch ihre bloße Existenz als Infragestellung dessen, was heute für normal gehalten wird: Leistung, Fitness, Produktion und Produktivität. Das Alter ist eine verleugnete Lebensphase geworden. Sie wird schon vorbeugend mit Anti-Aging- Programmen zugedeckt. Doch eine Kultur, die die Lebensphase so sehr verlängert hat, wird auch Antworten finden müssen auf die Fragen, die damit einhergehen. Was tun mit der Freiheit? Wie umgehen mit den Schwächen? Wie kann Pfl ege besser organisiert werden? Und wie kann man lernen, Abschied zu nehmen? Mit solchen Fragen setzt sich dieses Buch auseinander. Außerdem liefert es viele praktische Tipps, wie Angehörige bei der Pflege unterstützt werden können, und worauf man bei der Wahl eines Heims achten sollte.

Über den Autor

Heribert Prantl, geboren 1953 in Nittenau/Oberpfalz, studierte Rechtwissenschaftund Geschichte. Nach seiner journalistischen Ausbildung war er als Richter und Staatsanwalt an verschiedenen bayerischen Amts- und Landgerichten tätig. Seit 1987 arbeitet er als politischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, ab 1995 leitete er dort das Ressort Innenpolitik. Er wurde unter anderem mit dem Geschwister-Schol-Preis (1994) und dem Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik (1996) ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Band "Helmut Kohl - Geld und Macht" (2000).

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Doch, es ist möglich. Wir können heute in Deutschland in Würde altern. Aber dieses Glück ist nicht allen beschieden. Zu groß sind immer noch die Defizite in der Altenpflege. Sind uns die "Mindestanforderungen für eine menschenwürdige Grundversorgung", die der Münchner Pflegekritiker Claus Fussek formuliert hat, zu teuer, um sie allen alten Menschen zukommen zu lassen? Was müssen wir politisch fordern? Was kann der Einzelne tun um sich auf das eigene Altern vorzubereiten? Was können Angehörige tun? Das Buch ist eine Bestandsaufnahme und gibt Tipps und Anregungen.

Nicht zufällig gibt das erste Kapitel einen Blick frei in den Alltag dementer Menschen. Es geht um die Würde des "sehr alten und des kranken Menschen". Es geht um Pflegekosten, wie sie bezahlt werden können, welche Pflegeversicherungen empfehlenswert sind und welche nicht. Und natürlich um Alten- und Pflegeheime. Prominente, wie die früheren Politiker Henning Scherf und Hans-Jochen Vogel verwirklichen verschiedene Vorstellungen; ersterer lebt in einer Alten-WG, letzterer in einem Altenwohnstift (und beide bestehen natürlich darauf, dass *ihre* Wahl die bessere sei). Wie findet man ein gutes, ein den eigenen Finanzen angemessenes Heim? Was kostet es? Fragen an die Heimleitung und Tipps dazu, worauf man achten sollte. Irgendwann geht es mit unserem Leben dem Ende zu - aber nicht einmal das ist einfach: "Das Sterbendürfen ist zur juristischen Kunst geworden". Wir beginnen Angst zu haben, dass der medizinische Fortschritt am Ende nicht zum Segen, sondern zum Fluch wird. Angehörige sollten entscheiden können, ob eine Magensonde gelegt werden *darf*, nicht *muss*! Informationen gibt das Buch auch zur Patientenverfügung, also zum ausdrücklichen Willen des Patienten, wenn er ihn nicht mehr ausdrücken kann. Norbert Blüm, der Finanzexperte Bernd Raffelhüschen und der Pflegeheim-Kritiker Claus Fussek diskutieren über eine sinnvolle Pflegeversicherung.

Grundlage des Buches ist eine Artikelserie in der Süddeutschen Zeitung. So ist es naheliegend, dass es in journalistischem Stil mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben ist. Außerdem sind Erfahrungen von Lesern der Artikel in das Buch eingeflossen. Es ist eine nachdenkenswerte und hilfreiche Lektüre für alle, die sich mit diesem Thema befassen wollen oder müssen, also Betroffene und Familienangehörige. Und für diejenigen, welche die Artikel in der SZ nicht gelesen oder schon wieder vergessen haben (ja, ja, die ersten Anzeichen!). Schade, dass der Epilog ein düsterer Text ist. Er soll wohl aufrütteln. Dass wir uns richtig verstehen: Die Pflegemissstände sind skandalös. Noch skandalöser ist, dass sich immer noch viel zu wenig bewegt, um diese Missstände abzustellen. Hier ist in erster Linie die Politik durch Gesetzgebung und Finanzierungsgestaltung gefragt. Dieses Thema gehört zweifellos in dieses Buch. Aber so wie der Text da am Ende des Buches steht, verbreitet er schiere Angst. Und Angst, das wissen wir aus der Neuropsychologie, behindert das Finden kreativer Lösungen. Sie lähmt.

Dabei war doch auch die Rede davon, dass immerhin siebzig Prozent der Altenwohnheime angemessene Pflege leisten, manche sind sehr gut. Und, die Mehrzahl der Menschen werden weder an Demenz, noch an Parkinson leiden. Wäre es nicht besser, die Leser mit dieser Hoffnung zu entlassen, auf dass sie überlegt und kreativ für ein würdevolles Altern vorsorgen und engagiert für die notwendigen Reformen eintreten? Das Buch lohnt sich trotzdem, da es nachdenklich macht und - hoffentlich - zum Vorausdenken animiert.
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