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Dies zeigt sich schon in Beethovens Ferner Geliebter, ein im Vergleich zu Schuberts Liedmeisterwerken doch oft etwas trocken wirkender Zyklus: Brendel entlockt dem Klaviersatz so manche Nuance, bringt in ihm immer wieder kleine Motive zum Vorschein, die in vielen anderen Interpretationen untergehen, obwohl sie den Vortrag maßgeblich beleben und das kompakte Geschehen auflockern. Goerne weiß die ihm zugespielten Bälle stets geschickt zu retournieren und befindet sich mit Brendel permanent in einem fruchtbaren Zwiegespräch.
Das erste Lied des Schwanengesangs allerdings lässt die Frage aufkommen, ob man diese Art der hochsensibel durchgestalteten Darbietung vielleicht auch überziehen kann: Ist es sinnvoll, das rauschende Bächlein in der Klavierbegleitung auf agogischer und dynamischer Ebene so massiv auf die Ausdrucksebene zu zwingen, wie dies hier geschieht? Sollte nicht das Plätschern im Klaviersatz der tendenziell eher gleichmäßig dahinfließende Untergrund sein, über dem der Sänger seine Kantilenen ausspannt? Goerne und Brendel verlegen den Bach stattdessen ins Innenleben des Sängers und bringen seinen Fluss immer wieder zum Stocken. Unter Vorbehalt also genießt der kritische, Lied-erfahrene Hörer das auf dieser CD gebotene, obwohl es ohne Zweifel viele große Momente zu erleben gibt. Michael Wersin
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