Prégardien hat die Reihenfolge der Lieder überhaupt nicht geändert.
Er hat nur als Einführung ein weiteres Lied nach Rellstab (Herbst D945) und als Anhang einige Seidl-Lieder hinzugefügt, angefangen mit "Die Taubenpost" D965A, das erst kürzlich aus dem Schwanengesang ausgeschlossen wurde.
Den Schwanengesang selbst sing er in der üblichen Reihenfolge, die von Schubert festgesetzt wurde.
Über die Interpretation läßt sich nur Lobendes sagen. Prégardien ist ein bewährter Lied-Interpret und wenn seine Tenorstimme in der Höhe etwas enger geworden ist, so ist es in dieser Sammlung (Schwanengesang ist kein Zyklus im echten Sinne), die für einen tiefen Tenor komponiert wurde und die er in den Originaltonarten singt, kaum bemerkbar. Und Staier ist ein feinfühliger (Hammer)klavierpartner.
Prégardien besitzt die Gabe, den Text zu verdeutlichen, ohne wie Fischer-Dieskau jedes Wort schulmeisterhaft zu überbetonen. Er besticht wie erwartet in den lyrischen Rellstab-Lieder, überrascht aber sehr positiv in den dramatischen Heine-Lieder mit einer Ausdruckskraft, die man von ihm nicht erwartet hatte. Faszinierend seine Annäherung am Sprechgesang im "Doppelgänger".
Abgesehen von der Taubenpost sind die Seidl-Lieder nicht sehr bekannt und doch handelt es sich um Meisterstücke der letzten Schaffensjahre Schuberts. Für jeden Dichter hat Schubert bekanntlich einen eigenen Stil; Seidl treibt ihn zu einer Raffinesse, die gerade dort aufhört, bevor sie zu Preziosität verkommen könnte. Prégardien und Staier fügen sich wiederum hervorragend in diesen anderen Stil.
Dazu kommen Verzierungen der Gesangslinie oder der Begleitung, die immer sinnvoll und diskret sind (zB in Ständchen, Abschied, Taubenpost, Zügenglöcklein) ... außer im Eingangslied Herbst, wo sie eher mißglückt sind. Daher meine Empfehlung, mit Track 2 zu starten und "Herbst" als halb improvisierte Zugabe nach dem luxuriösen "Im Freien" zu betrachten.
Kein Grund aber, den 5ten Stern zu verweigern.