Wenn man als Badener einen Schwaben sympathisch finden konnte, obwohl er breitestes Zuffenhauser Schwäbisch sprach (und vor allem sang), dann Wolle Kriwanek (Er ruhe in Frieden): ein Rock'n'Roller mit viel Blues und einer Stimme, die so richtig rausjaulen konnte.
Auch wenn's nicht draufsteht: "Schwabenrock" ist ein Best of aus Wolle Kriwaneks ersten drei Alben -- will sagen, seinen zwei besten (1980 und 1981) und noch dem 1982er Album, mit viel Rhythm'n Blues und Rock'n'Roll der schwärzeren Art. Nicht umsonst hieß seine zweite LP damals "Let's fetz"; das Ganze fetzte tatsächlich, und völlig witzlos waren die Texte auch nicht. Auch wenn man den ein oder anderen Schwachpunkt ignorieren musste -- Nummern wie "Es schneielet", "Herbertstr." oder "der PS-Walzer" (in der Tonart einer Daimler-Hupe, die hier nachgerade orgiastisch als Instrument benutzt wird) bewiesen eindrücklich, dass da eine eingespielte Gruppe den Rhythmus im Blut hatte und sich mit Wonne verausgabte.
Nicht nur, wem der Name "Wolle Kriwanek" nichts sagt, ist mit "Schwabenrock" bestens bedient: Dieses Album versammelt tatsächlich weitgehend die Highlights und lässt die etwas schächeren (oder auch peinlicheren) Nummern außen vor. Schließlich war Kriwanek immer dann gut, wenn er einfach "nur" Musik machte, ohne penetrant eine Botschaft vermitteln zu wollen. Und besser als in "Es schneielet" war er nie mehr -- ein unschuldiges Kinderlied als Rhythm'n Blues, das einen 3 Minuten lang vermuten lässt, Stuttgart liege am Mississippi. Fast genauso gut: "Herbertstr." -- hier geht es haargenau um das, was der Titel vermuten lässt (incl. typisch schwäbischer Schlusspointe), und zugleich geht musikalisch die Post ab. Und noch einige andere haben nichts von ihrem Glanz verloren, "UFO" etwa oder "Draußa em Wald", "I fahr Daimler", "Reggae di uff" und "Stroßaboh".
Allerdings hat auch dieses "Best of" Schwachpunkte. "Hey Joe" zum Beispiel sollte man sich lieber von Jimi Hendrix anhören, und nicht von einem Wolle Kriwanek, der versucht, wie Hendrix zu klingen (und das auch mit einen leicht verunglückten deutschen Text...). Und auch "Gib mir bitte a Chance" war nicht das Gelbe vom Ei.
Befremdlich ist bei dieser CD allerdings, dass im Vergleich zur LP kein einziger Bonustrack spendiert wurde (naja, die Schwaben halt...). Leider fehlen daher Heuler wie z.B. "Jagger und Jones (oder: Irmgard ist inzwischen auch schon über 30)"... Platz genug wäre dagewesen.
Naja, egal. Insgesamt kann man diese CD auch Nichtschwaben empfehlen.