Zu diesem Schwaben-Krimi gibt es gute und schlechte Nachrichten. Zuerst die guten: Wanninger versteht es sehr gut, Spannung zu erzeugen, und die ist bekanntlich für Krimis äußerst wichtig. Spannend ist Schwaben-Angst" nicht nur wegen der gekonnt gesetzten Cliffhanger am Ende der relativ kurzen Szenen, die den Leser dazu verleiten, ja an manchen Stellen fast sogar zwingen, noch ein paar Seiten weiter zu lesen. Auch die Struktur des Krimis erzeugt Spannung und Thrill, inszeniert Wanninger den Fall doch als mitreißende, rasante Hetzjagd durch viele Regionen des Schwabenlandes, was besonders Kenner der Gegend sehr erfreuen wird. Wie eingangs erwähnt, gibt es jedoch auch ärgerliche Gesichtspunkte. Da wäre zum Beispiel die Charakterisierung der Figuren, die manchmal doch sehr schablonenhafte Züge trägt. In Wanningers Welt sind alle Filmschaffenden entweder egozentrische Choleriker, frauenverachtende Schwerenöter oder Glamour-Häschen, die von den zuvor genannten wahlweise beschimpft oder vernascht werden. So oder so ähnlich sieht es auch im Werbemilieu aus - also bitte, das ist schon ein bisschen flach und zu wenig, selbst für einen Krimi. Ein weiteres, negativ auffallendes Charakteristikum des Buches ist die häufige pseudo-gesellschaftskritische Kommentierung des Geschehens, die einfach fehl am Platze wirkt, zumal die Figuren oft ohnehin schon so überzeichnet sind, dass die Moral der Geschichte auch ohne dieses zusätzlichen Anmerkungen klar wird. Obwohl diese Binsenweisheiten, etwa über den Jugendwahn, die sinkende Qualität des Fernsehprogramms oder die zunehmende Verrohung junger Menschen, Braigs Gedanken widerspiegeln sollen, wirken sie aufgesetzt und hineingepresst. Das gibt Schwaben-Angst" einen seltsamen, bitteren Beigeschmack, der dem nach einer pathetischen Kirchenpredigt eines übereifrigen Pfarrers gleicht. Dennoch, und das muss man trotz aller Kritik sagen, bleibt das Buch fesselnd und die Handlung fast bis zum Ende undurchschaubar, wie es sich für einen guten Krimi gehört. Umso ärgerlicher sind die unnötigen Bremsklötze, die Wanninger sich selbst vor den Karren wirft. Ohne diese wäre Schwaben-Angst" nämlich ein Regionalkrimi wie aus dem Bilderbuch.
Fazit: Spannend geschriebene Mörderhatz durch Baden-Württemberg - fehlerbehaftet, aber trotzdem über weite Strecken gut lesbar.