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Schwüle Tage: Erzählungen
 
 
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Schwüle Tage: Erzählungen [Gebundene Ausgabe]

Eduard von Keyserling , Martin Mosebach
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Manesse Verlag (8. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3717520628
  • ISBN-13: 978-3717520627
  • Größe und/oder Gewicht: 15 x 9,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 414.719 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Eduard von Keyserling
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Ferienlesebücher

Neuerscheinungen für den Reisekoffer

Nur in der Weihnachtszeit erscheinen ähnlich viele Taschenbücher wie in der Sommerzeit. Da die Sommerzeit auch Ferien- und Reisezeit ist und die Verlage offensichtlich davon überzeugt sind, dass die Sommer-, Ferien- und Reisezeit auch Lesezeit ist oder doch – nach Wunsch und Willen der Verleger – sein sollte.

Potpourris

Immer wieder werden neue oder doch wenigstens anders komponierte Sommer-Ferien-Reise-Lesebücher als mehr oder weniger erfrischende Sommercocktails angeboten. Sie wollen den Leser zu literarischen Ausflügen animieren, auf Entdeckungsreisen mitnehmen oder zu Begegnungen mit Menschen führen, denen er im sogenannten richtigen Leben nicht unbedingt begegnen wird; z. B. jenem skurrilen, ver-rückten Signor Veneranda, der mit aberwitzigen Fragen und absurden Einfällen seine Mitmenschen und sich selber in die Verzweiflung zu treiben vermag. Einige der Signor-Veneranda-Erzählungen Carlo Manzonis, die von abstrusen Ferienerlebnissen des ausgerasteten «Helden» handeln, hat Manfred Kluge in ein Sommerlesebuch mit Geschichten für die langen Sonnentage aufgenommen.

Geschichten für den Reisekoffer hat Franz-Heinrich Hackel gepackt und ihnen den Titel «Ein Sommer wie im Märchen» gegeben. Ein Märchen aus Schweden steht denn auch am Anfang der Anthologie; es entführt den Leser in «das schöne Schloss östlich der Sonne und nördlich der Erde». – Ganz andere Welten sind die Welten des Woody Allen. Einen Aspekt seiner parodistischen Fähigkeiten demonstriert die Geschichte von dem Privatschnüffler mit dem mehr als denkwürdigen Namen Kaiser Lupowitz. Sie heisst «Der Falke im Malteser»; und sie endet so: «Später am selben Abend nahm ich mir eine meiner alten Rechnungen namens Gloria vor. Sie war blond. Sie hatte cum laude promoviert. Der Unterschied war, sie hatte im Hauptfach Leibeserziehung. War'n tolles Gefühl.»

Der Sinn solcher Sommerferienlesebücher, die ihre didaktische Herkunft schon im Namen tragen – Lesebücher kennen wir alle aus der Schule –, liegt sicherlich nicht nur darin, ohnehin schon ferial gestimmte Menschen während der langen Sonnentage sich auch noch des Lesens erfreuen zu lassen, sondern sie überhaupt auf den Geschmack der Lesefreuden zu bringen. Die bunte Fülle dieser Anthologien wäre durch kaum einen noch so üppigen Sommerblumenstrauss zu übertreffen. Wer es nicht ganz so potpourristisch liebt, aber auf sommerliche Motive nun auch wieder nicht verzichten möchte, dem bieten sich in diesem Sommer unter anderem die gesammelten Erzählungen «Das Gartenfest» von Katherine Mansfield ebenso an wie ein Band mit zwei Novellen Eduard von Keyserlings, «Schwüle Tage»; oder auch eine Reihe von Erzählungen Iwan Bunins, «Der Sonnenstich».

Mit Fontane in London

«Es war im August; der Londonstaub ward immer dichter und die Sehnsucht nach einem Zuge frischer Luft immer grösser, so kamen wir überein, zu Nutz und Frommen unserer Lungen eine Themsefahrt zu machen und auf den Wiesen von Hampton Court eine Picknick-Mahlzeit einzunehmen . . .» Es war der August des Jahres 1852, in dem Theodor Fontane sechs Monate in London verbrachte. Berichte von seinem London-Aufenthalt hatte der Schriftsteller in diversen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Unter ihnen auch die Schilderung von jener herrlichen Themsefahrt «unter blauem Himmel» und dem beglückenden Picknick in Hampton Court, das in Fontanes Worten so zu Ende ging:

«So war das Mahl; drum herum aber, auf den umgestürzten Kisten und Körben, sassen sieben lachende Menschen und dankten in kindlicher Fröhlichkeit dem Geber aller Dinge. Der Portwein war längst hin und die Hühnerpastete nur noch eine Ruine, da ergriff ich ein volles Champagnerglas und, mich hoch aufrichtend, schloss ich die Mahlzeit mit jenem Toaste, der, von Herzen kommend, in britischen Herzen noch immer sein Echo fand: Old-England for ever!»

1854 hat Theodor Fontane seine Feuilletons unter dem Titel «Ein Sommer in London» publiziert. Zur Sommerlektüre sind sie nun als Insel-Taschenbuch wieder erschienen. Harald Raykowski hat ein kurzes Nachwort geschrieben und für Leser, die «vielleicht den Wunsch haben, hier und da Fontanes Spuren zu folgen», einen Fontane-London-Führer verfasst: «Mit Fontane unterwegs im heutigen London».

Prag, New York, Dresden

Bevor man sich freilich auf solche Weise einem Schriftsteller als Reiseführer anvertraut, wird man erst einmal einen normalen und ordentlichen Reiseführer brauchen, wenn man sich nicht in einer Weltstadt wie London rettungslos verirren will. Rechtzeitig zur Sommerreisezeit sind im Deutschen Taschenbuch-Verlag zwei der bewährten Merian-Reiseführer durch die Weltmetropolen Prag und New York erschienen.

Für die hier gemeinte Praxis sind die «Dresdner Ansichten – Spaziergänge und Erkundungen» von Friedrich Dieckmann zweifellos nicht geeignet. Sie haben eher mit Theorie und Anschauung zu tun: mit jener konkreten – und in diesem Sinne dann doch auch sehr praktischen – Theorie oder Ästhetik, die sich aus Einsichten und Erfahrungen, aus Erkundungen und Wissen bildet.

Es geht um Erfahrungen mit einem «Ort, der dem Autor seit Kindertagen vertraut ist» und dessen Wahrnehmung ihn immer wieder auch schriftstellerisch beschäftigt hat. Der erste der gesammelten Texte wurde bereits 1967 veröffentlicht; der letzte Text – «Wege durch eine offene Stadt» – stammt aus dem Jahre 1993. Eine Sequenz von 22 farbigen Photographien zeigt die Stationen oder anschaulichen Ansichten auf den Wegen durch eine Stadt im Widerspruch und Aufbau. In den Bildern gibt sich die «anima urbis» zu erkennen: die Seele einer Stadt mit ihrer herrlichen und grauenvollen Geschichte, mit ihren monströsen Verletzungen und ihren manifesten Hoffnungen auf Heilung und schönere Zeiten. «Dresden heute», so hat Dieckmann die Stadt erfahren und erlebt, «das ist ein Abenteuer, wohin immer man seine Schritte lenkt.»

Rainer Hoffmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Pressestimmen

"Für jeden Leser Keyserlings bleibt die Faszination der ungeheuren Stimmungsdichte seiner Werke... Es gibt wohl niemanden, der in deutscher Sprache mit solcher Leidenschaft und Varianz einen nordischen Sommer zu beschreiben vermag." (Florian Illies, Die Zeit )

"Ein Fest der Farben und Sinnenreize... ein impressionistisch hingetupftes Pastellbild, in dem die Lebens- und Liebesformen der 'Welt von gestern', mit Stefan Zweig zu sprechen, noch einmal zum Leben erwachen." (Tilman Krause, Literarische Welt )

"Ein Meiser der subtilen Tönungen und Übergänge." (FAZ )

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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ein unendlich langweiliger Sommer scheint vor dem jungen Grafen Bill von Fernow zu liegen. Er hat seine Abiturprüfung nicht bestanden und muss nun den Sommer allein mit seinem Vater, einem sehr eleganten Mann, der ihm ziemlich fremd ist, auf dem Gut der Familie verbringen, um sich auf die Wiederholungsprüfung vorzubereiten. Eduard von Keyserling, der als einer der wenigen bedeutenden impressionistischen Erzähler gilt, führt uns mit dieser Novelle in die Welt des deutsch-baltischen Landadels vor dem ersten Weltkrieg, der es selbst entstammt. Er beschreibt lange heiße Sommertage wie es sie heute nicht mehr zu geben scheint und die es Bill unmöglich machen sich auf seine Studien zu konzentrieren. Um der Langeweile zu entkommen beginnt er sich für die Mädchen zu interessieren, allerdings nicht sehr erfolgreich. Im Laufe des Sommers erkennt Bill, dass zwischen seinem Vater und Ellita, einer jungen Frau von einem Nachbargut, die einen Soldaten heiraten soll, eine ganz besondere Beziehung besteht. Bill wird Zeuge wie der Vater Ellita zu dieser Ehe, die von ihr nicht gewünscht wird, drängt. Er erkennt einen ganz anderen Menschen hinter der Fassade des Vaters. Der Sommer endet plötzlich und anders als erwartet. Bei dieser Novelle handelt es sich auch um eine Initiationsgeschichte, denn Bill ist am Ende des Textes nicht mehr derselbe wie zu Beginn. Mir gefallen die Beschreibungen zu diesem Buch ganz besonders. Nur wenige Worte genügen die Farben des Sommers und die Vielfalt der Sommerblumen vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen. Man riecht förmlich die heißen trockenen Tage auf dem Land. Die Personen sind so geschildert, dass sie wie echte Menschen erscheinen. Man vergleicht von Keyserling oft mit Fontane, mir gefallen seine Sprache und seine Beschreibungen besser.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Endlich erbarmt sich Eduard von Keyserling einmal und bietet einen Helden auf, mit dem sich sein Leser auch identifizieren kann. Dem jungen Ich-Erzähler kann man in die ländlichen Sommernächte folgen, ohne irgendwann irritiert stehen zu bleiben oder selbst von der allgemeinen Auswegslosigkeit überfallen zu werden. Denn Bill von Fernow ist selber nur eine Randfigur. Die sarkastische Distanz, die in anderen Keyserling-Erzählungen aufblitzt, hält er bis zum Ende durch. Mit seinen Augen beobachtet, gewinnt die typische Katastrophe, um die sich auch diese Erzählung dreht, viel an Spannung. Sie kommt frisch und lebendig und gar nicht "schwül" daher.
Andererseits: Auch hier gibt es diese Mischung aus Erregung und Lethargie, die den jungen Mädchen und alten Männern das Leben zerstört. Natürlich nimmt sie auch Bill (und mit ihm den Leser)gefangen.
Schließlich ist der 17-jährige Schüler nicht ohne eigene Probleme: Prüfungen, Vater, Mädchen - das Übliche eben. Doch während andere Autoren da oft in wehleidige Übertreibung oder einen unangemessen spöttischen Altmänner-Ton verfallen, gelingt es gerade Keyserling, dem "Schilderer der baltischen Dekadenz", seinen Bill mit einer authentischen Mischung aus Empfindsamkeit und jugendlicher Robustheit zu schildern. Und die hilft dem jungen Helden auch, der Schwüle nie ganz zu verfallen und sich nach einigen Sommertagen wieder daraus zu befreien.
Eine wirklich gelungene, kleine Geschichte!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Kankin Gawain TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Die "Schwülen Tage" des Titels prägen atmosphärisch die äußeren Geschehnisse der Erzählung. Was im Inneren des jugendlichen Protagonisten geschieht, will dagegen so gar nicht zur lichtüberfluteten Landschaft passen, in der er sich bewegt. Der Jüngling ist zum Lernen in die Provinz verbannt, weil er die Abiturprüfung nicht bestanden hat. Zu seinem Kummer bedeutet dies, dass er Wochen mit seinem Vater zu verbringen hat, der ihn autoritär auf Distanz hält, und zu dem er darum kein echtes Verhältnis hat. Schließlich entdeckt er jedoch, dass der Vater durchaus auch eine interessante, eine private Seite, jenseits seiner väterlichen Rolle, hat - nämlich ein Geheimnis.
In der schwülen Hitze des Sommers scheint alles still zu stehen, die Fassade des Familienlebens mit ihren pseudo-idealistischen Phrasen genauso für die Ewigkeit geschaffen wie das damals prosperierende Kaiserreich. Aber Bill von Fernow scheint in einer unwirklichen Art Traumtrunkenheit seinen Weg ins Erwachsensein doch noch zu finden, fügt sich am Ende sogar in die Rolle, die ihm die Gesellschaft vorgibt, die aber seiner wahren Gefühlswelt kaum Raum gibt.
Keyserlings Erzählung von der Suche nach Selbstfindung eines Jugendlichen zur Jahrhundertwende reiht sich in seiner Stimmung ein in ähnliche Werke Musils und Wedekinds. Auch hier erscheint die ältere Generation wie hinter einer Maske, die keine Privatheit oder Vertraulichkeit zulässt, verborgen, und das eigentlich Menschliche drückt sich aus in den Daseins-Fragen der Jugend.
Wer Schnitzler, Musil, Wedekind, Mann gern gelesen hat, wird auch in dieser Erzählung auf seine Kosten kommen.
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