Ein Prosatext auf Deutsch, der in der Gegenwart geschrieben und der kaiserlichen Kolonialvergangenheit in Afrika angesiedelt ist ("angesiedelt" im wahrsten Sinn des Worts), muss sich nolens volens messen lassen mit Romanen wie "Morenga" von Uwe Timm (1978) und anderen, wenn er gegenwärtige Ereignisse und auch die Erzählkunst von heute vor der historischen Folie der Zeit zwischen Kongo-Konferenz und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs abzubilden und darzustellen versucht.
Diesem Buch gelingt das nur bedingt. Oder, um die Rezensionsprosa sein zu lassen und ehrlich zu sein: nicht so wirklich.
Zwar beachtet "Schutzgebiete" das insgeheime (und von einer grassierenden "political correctness" leider viel zu oft diktierte) Gebot/Verbot, die zu erzählenden Ereignisse nicht aus der Warte der kolonialen Subjekte schildern zu wollen, sondern aus der der deutschen Übermenschen avant la lettre. Aber wozu die Schilderungen eines Aufforstungsprojektes in einer deutschen Siedlerkolonie auf dem afrikanischen Kontinent mitsamt ihrer figuralen Verstrickungen, die den gesamten Roman ausmachen, wenn am Ende kein Funke zündet und die neue Sichtweise auf die Vergangenheit der heutigen Machtverhältnisse im Afrika des anbrechenden 20. Jahrhunderts (die sich kaum von denen von heute unterscheiden) ausbleiben?
Sicher, der Erzähler setzt auf das Faszinosum seiner Charaktere (ein schiffbrüchiger Amerikaner mit deutschen Wurzeln, der sich in Afrika als renommierter Architekt ausgibt; ein rauschmittelabhängiger Arzt; ein notorisch erfolgloser Erbe eines notorisch erfolgreichen Holzindustriellen aus Zwiesel im Bayrischen Wald samt Schwester) und einige erzähltechnische Tricks. Aber es kommt nicht hin, oder zumindest nicht über gewisse längst gesetzte Standards hinaus. Und am Ende, wie am Anfang schon, kommen die Franzosen und mit ihnen der Krieg.
Immerhin, die Atmosphäre und das Milieu fangen so, wie sie geschildert werden, einiges davon ein, was mnan auch in historischen Quellen findet ... oder in den Romanen von Thomas Pynchon, die dem Roman hier und da offenkundig Modell gestanden habe.