In Anlehnung an einen Klappentextausdruck ist der vorliegende "Überblick über Geschichte und Gegenwart der....Flüchtlingspolitik" nicht nur zu empfehlen sondern notwendig. Ich schreibe diese Rezension angesichts gegenwärtiger Nachrichten über mehrere tausend "Bootsflüchtlinge", mit denen italienische Behörden ohne geamteuropäischen Beistand nicht fertig zu werden glauben.
Tillmann Löhr leitet seine Schrift "für ein Europa des Asyls" mit erschreckend belastenden Beispielen für das Flüchtlingselend in unserem Jahrhundert ein.
Vor Jahrzehnten jammerte ich als regionaler ai-Flüchtlingsreferent darüber, dass unser bundesdeutsches , beispielhaft grundgesetzlich verbrieftes Asylrecht binnen zehn Jahren erst durch die Verwaltung der Ausländerämter, dann durch die der Verwaltungsgerichte und schließlich durch die Gesetzgebung völlig wirkungslos wurde. So wie ich damals in Briefen und Vorträgen jammert Günter Grass noch heute über die praktische Abschaffung des im Vergleich mit anderen Verfassungen "besten Artikels" des Grundgesetzes.
Tillmann Löhr tut das nicht, sondern vielmehr die Geschichte der Grundrechtsaushöhlung in einem nüchternen und sachlichen Bericht ab, um sich auf die heute in Deutschland und Europa gängige Flüchtlingspolitik zu konzentrieren. Zwar sind Satzungen und Empfehlungen der Europäischen Gemeinschaft im Wortlaut nicht der abendländisch christlichen Kultur so ideal entsprechend wie unser wirkungslos gewordener Grundgesetzartikel, aber sie würden Millionen Menschen vor Not und Verzweiflung bewahren, wenn man sie bloß beachtete. Doch statt das Flüchtlingselend zu mildern, d.h. die Flüchtlinge zu schützen, bemühen sich die Politiker, die Bevölkerung der Schutzmächte vor den Flüchtlingen zu schützen; zum Teil wie eh und je durch "Abschreckung", wirksamer aber dadurch, dass man sie durch besondere Gesetze und Verfahrensregelungen gar nicht erst ins Land kommen lässt.Wem es dennoch gelingt, in ein Land zu kommen, in dem keine Verfolgung zu befürchten ist, wird anderen Nöten, Ausreisenötigung, Abschiebungsdrohung, Arbeitsverbot, Bewegungsbeschränkung oder karge Zuwendungsbemessung ausgesetzt. Geldmittel für notwendigste Lebensmittel seien z.B in Deutschland für "geduldete" Asylsuchende noch bedeutend geringer als die für Hartz-IV- Empfänger, die keine Zuwendungen von Verwandten oder Nachbarn erhalten oder solche gewissenhaft dem Leistungsträger angeben. [Betroffene wissen, was das heißt]. Auch die gesetzlich verbürgte medizinische Versorgung ist in manchen Sammellagern nicht gewährleistet. Damit komme ich gewiss schon zu sehr auf Einzelheiten, die ohne große Aufwendung aus Löhrs Buch zu erfahren ich jedem erwachsenen Deutschen empfehlen möchte.