Dr. Johanna "Jo" Kennerknecht landet durch Zufall, ihre Neugierde und ihren Freund Georg Weinzirl, mitten im Mordfall an einem Bauunternehmer, bei dem nicht nur ihre Freunde, sondern auch saemtliche Exliebhaber unter Verdacht stehen. Soweit so gut.
Die Geschichte und die Hauptdarstellerin haben durchaus ihren Charme (was sicherlich auch ein Grund war, das Buch zu Ende zu lesen), aber leider ist die Krimihandlung an allen Ecken und Enden mit seitenlangen hoelzernen Dialogen, pseudophilosophischen Betrachtungen und Aufzaehlungen gestreckt. Unter Lokalkolorit verstehe ich eigentlich nicht die detailgetreue Beschreibung einer Fahrstrecke von A nach B.
Jo ist, wenn auch sicherlich als Figur der unkonventionellen, attraktiven Frau, die noch kein Mann zaehmen konnte, nicht neu, aber immerhin liebevoll gezeichnet (auch wenn die Autorin nicht in jedem zweiten Satz erwaehnen muesste, wie unkonventionell ihre Hauptakteurin doch ist). Alle anderen Figuren sind dagegen eher blass und klischeehaft geraten. Angefangen vom sadistischen, feisten Grossbauunternehmer und seiner champagnerbeduselten hysterischen Gattin bis hin zum in Designerklamotten gehuellten Kriminalbeamten, der erst gegen Ende des Buches so etwas wie menschliche Zuege entdeckt.
Der Krimi an sich ist solide, wenn auch ohne groessere Ueberraschungen. Leider machen die staendigen Abschweifungen in die Betrachtung von Grundsatzfragen das Buch sehr, sehr zaeh zu lesen. Erst im letzten Drittel habe ich so etwas wie Spannung bei mir entdeckt. Die Aufloesung kam dann nicht wirklich als Ueberraschung daher und wurde zudem noch spannungsfrei ausgefuehrt. Insgesamt ein eher enttaeuschender Roman fuer mich.