Für viele Klavierliebhaber war Cyprien Katsaris in den 80er Jahren einer der vielversprechendsten Pianisten der jüngeren Generation, der mit einer stupenden Technik und hochdifferenzierter Anschlagskultur beeindruckte. Neben seiner Vorliebe für Transkriptionen hat er in dieser Zeit eine ganze Reihe erstklassiger CDs für Teldec eingespielt, darunter auch die vorliegende Aufnahme mit Werken von Robert Schumann.
Die Sammlungen an pianistischen Miniaturen auf dieser CD wird an Bekanntheit und auch musikalischem Gehalt angeführt von den Kinderszenen op. 15, die trotz ihres Namens und des nicht überwältigenden technischen Schwierigkeitsgrades für Erwachsene gedacht sind - eine Retrospektive auf ihre eigene Kindheit. Bekanntestes Stück dieses Zyklus ist wohl die "Träumerei" (Nr. 7), die oft im Konzert als Zugabe gespielt wird und in unzähligen Bearbeitungen existiert. Aber auch jedes der anderen Stücke trägt den Schumann'schen Mikrokosmos auf faszinierend gedrängte Weise in sich und blendet einfach-genial Musik und Geschichte ineinander. Um programmatische Klaviermusik handelt es sich auch bei den "Waldszenen", jedoch schleichen sich hier düstere Untertöne ein, etwa bei der "Verrufenen Stelle" oder dem "Vogel als Prophet", die jedoch beide trotz ihrer Kürze eine beeindruckende, unheimliche Dramatik entfalten. Die abschließenden zwanzig, äußerst kurzen "Albumblätter" sind nicht immer überzeugend und sind im Gegensatz zu den Kinder- und Waldszenen keine zusammenhängende Sammlung. Auch hier finden sich jedoch einige charmante und brilliante Kleinodien, wie etwa der "Fantasietanz" oder das einleitende "Impromptu".
Katsaris adelt aber auch die schwächeren Werke zu hörenswerten Charakterstücken. Seine uneitle, hochmusikalische und überaus klangschöne Deutung kann nur als exemplarisch angesehen werden. Die subtilen Rubati, der nie harsche Anschlag und dem jeweiligen Stück angepaßte Spielweise kann sich auch mit so namhaften Interpreten der Kinderszenen wie etwa Horowitz, Argerich oder Kempff messen. Den erstgenannten Pianisten hat er die Abwesenheit jeglicher Eigenwilligkeiten voraus, Kempff oder auch Ashkenazy die vorzüglich ausbalancierte Mischung aus romantischem Elan und französischer Eleganz.
Der exzellente Klang des hervorragend intonierten Flügels sowie der überaus günstige Preis sind weitere Pluspunkte, die eine unbedingte Empfehlung rechtfertigen.