Ein Vortrag der Regisseurin zum Film "Geliebte Clara", gedruckt auf 30 Seiten. Für Helma Sanders-Brahms endet das Film-Projekt wie es begonnen hat, als bedrucktes Papier. Bei fast allen ihren Filmen firmiert sie für - Buch und Regie. Mit dem Drehbuch beginnen die Geburtswehen und mit dem Rückblick entlässt sie das erwachsene Kind in die Selbständigkeit eines Filmes in den Lichtspielhäusern, auf dessen Wohlergehen die Regie jetzt keinen Einfluss mehr hat.
Diesen Rückblick sollte jede und jeder lesen, denen der Film gefallen hat. Helma Sanders Brahms zitiert Nietzsche und Walter Benjamin mit der Erkenntnis, der Schmerz sei der Urgrund der Kunst. Diese Wahrheit ist nicht nur bitter, denn das gelungene Werk führt dann ja über den Schmerz hinaus und diese romantische Verklärung des Leidens ist ganz offenbar die Essenz der Dreiecksgeschichte zwischen Clara und Robert Schumann und dem von beiden geliebten Johannes Brahms. In diesem kleinen Vortragstext wird nicht nur deutlich, welche schmerzlichen Rückschläge in der zwölfjährigen Vorbereitungsgeschichte für den Film hinzunehmen waren, ehe dann ein strahlendes Ergebnis vorgestellt werden konnte. Wer keine Ahnung vom Filmemachen hat, erfährt mit Staunen, dass man als Schauspieler(in) lernen muss, Klavierspielen oder Dirigieren zu spielen ohne dass deutlich wird, die kann das gar nicht, die spielt das nur. Oder wie ein low budget Film es sich nicht leisten kann, einzelne Szenen mehrfach zu drehen. Oder wie delikat es ist, große Schauspieler zu finden, die nicht nur den Sensibilitäten des Sujets gerecht werden, sondern auch miteinander auskommen müssen und das genau in dem Zeitpunkt, in dem die Fördergelder gerade zur Verfügung stehen.
Nach der Lektüre fragt sich der interessierte Laie verblüfft, wie überhaupt ein Film entstehen kann. Und teilt dann die Freude über das Gelingen.