Ernst Friedrich Schumacher galt viel in seiner Wahlheimat England, aber in seinem Herkunftsland Deutschland war er schon zu Lebzeiten so gut wie unbekannt. Das ist so geblieben, und entsprechend gab und gibt es fast nur englischsprachige Bücher von ihm. Auf deutsch kann man nur noch sein Hauptwerk „Small is Beautiful" kaufen.
Dabei sind die Ideen Schumachers immer noch frisch wie vor einer Generation. Immer noch sind Wachstum, Größe und Geschwindigkeit Ziele, die Schumacher als gewalttätig zurückwies. Er stellte dieser Ideologie eine buddhistische Wirtschaftslehre entgegen und mit der gleichen Selbstverständlichkeit zitierte er die Bibel. Er wollte nicht missionieren, er zeigte nur den Unterschied. Den Religionen geht es -wie Schumacher - nicht um Wirtschaftlichkeit um jeden Preis, sondern darum, dass die Menschen genug zum Leben haben.
Ihm kam es durchaus und zuerst auf den Menschen an! Unbefriedigende Arbeiten sollten nicht sein. Damit war nicht nur das Fließband gemeint. Auch anspruchsvolle geistige Arbeiten können höchst unbefriedigend sein, wenn der Bezug zum Ganzen fehlt. Je größer die Produktionseinheit wird, desto leichter verliert der einzelne den Überblick und fühlt sich nur noch als austauschbares Rädchen im Getriebe. Dieses natürliche Bedürfnis des Menschen nach Kreativität ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass die Produktionseinheiten klein und überschaubar bleiben sollen.
Schon damals hat Schumacher die weltweite Arbeitslosigkeit als Grundübel erkannt. Gerade in den ärmeren Ländern, in der sogenannten Dritten Welt, gibt es Hunderte von Millionen arbeits- und bildungsfähige Menschen, die nichts Sinnvolles tun dürfen. Dabei gäbe es Bedarf an allem. Es ist ein Teufelskreis. Die Menschen verdienen nichts, so dass sie auch nichts kaufen können und es wird nichts produziert, weil keine Kunden da sind. Um diesen Teufelskreis aufzubrechen müssen zuerst Arbeitplätze her. „Das geht nicht," schreien da die Wirtschaftler, „das ist viel zu teuer." Richtig, solange es die modernsten und teuersten Technologien sein müssen. Dann kostet ein Arbeitsplatz ein Vielfaches von dem, was ein geschickter Arbeiter in einem Jahr verdienen kann. Aber wenn einfachere Techniken verwendet werden, dann ist der einzelne Arbeitsplatz vielleicht nicht so produktiv wie in den Industrieländern, aber dafür viel billiger und es können viel mehr Menschen eingestellt werden. Dazu sagte Schumacher in einem Vortrag: „Wie Gandhi sagt, kann den Armen der Welt nicht durch Massenproduktion, sondern durch Produktion der Massen geholfen werden." Massenproduktion setzt voraus, dass man bereits reich ist und die großen Fabriken finanzieren kann.
„Die Lösung für dieses Problem kam ihm in Indien. Er schildert das so: Dieses Land braucht eine Technologie, die „sehr viel besser sein müsste als die primitive Technologie - die Werkzeuge - , die gegenwärtig von den ganz Armen verwendet wird, aber auch sehr viel einfacher, billiger und leichter zu unterhalten als die teure und komplizierte Technologie des Westens. Mit anderem Worten, sie müsste eine intermediäre Technologie sein, ein Mittelding zwischen den beiden Extremen." Diese Form der Technik hat er „Mittlere Technologie" oder auch „angepasste Technologie" genannt.
Das ist ein Schlüsselwort in Schumachers Werk. Damals bemängelte er, dass es gerade diese mittlere Technologie nicht gibt. Man könne nur einfachste Werkzeuge erhalten oder ganz ausgefeilte Maschinen, die dann gleich unerschwinglich teuer sind. Auch die einfache Bedienung ist ein wichtiger Bestandteil der mittleren Technologie. Heute, nach mehr als 30 Jahren hat sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter geöffnet. Nicht nur deshalb gehört das Buch auf den Schreibtisch eines jeden an Wirtschaft interessierten Menschen!