Keine Frage: Das Schultergelenk ist eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers. Diese Tatsache sowie die große Anzahl neuer Erkenntnisse auf dem Gebiet der Schultermedizin erfordern vom Therapeuten heutzutage eingehendere Fachkenntnisse zu diesem Thema.
Wer könnte dies besser vermitteln, als eine Therapeutin, die selbst jahrelang Erfahrungen in der Rehabilitation von Schulterpatienten gesammelt hat. Cornelia Hauser-Bischof ist eine solche Therapeutin und bietet dem Leser mit diesem Buch eine Möglichkeit funktionelle Zusammenhänge besser zu verstehen und dadurch individuelle Behandlungsstrategien entwickeln zu können.
Einführend beschreibt sie ausführlich und trotzdem leicht verständlich und übersichtlich die funktionelle Anatomie sowie Biomechanik und Pathomechanik der einzelnen Komponenten des Schultergelenkes.
Dem folgt eine Einführung über die Untersuchung des Schultergelenkes mit subjektiver und objektiver Untersuchung sowie spezifischen Schultertests in Wort und Bild.
Ein eigenes Kapitel ist der Rolle der Scapula in der Rehabilitation gewidmet, in dem unter anderem Biomechanik, Bewegungsanalyse und Muskelaktivität beschrieben werden.
Im Folgenden geht die Autorin näher auf die beeinflussenden Faktoren in der Rehabilitation ein, wobei sie neben den allgemeinen Kriterien eine Übersicht der offenen und geschlossenen Kette gibt und kurz aber prägnant ein Klassifikationssystem der möglichen therapeutischen Übungen vorstellt, die in ein Rehabilitationsprogramm eingebaut werden können. Schwerpunkte sind hierbei die Exzentrik, Plyometrisches Training, Schulterrehabilitation im Wasser sowie Training in der Rehabilitation.
Besonders interessant ist das Kapitel über die neuromuskulären Aspekte und deren Konsequenzen in der Rehabilitation, in dem die Autorin nicht nur die neuromuskuläre Kontrolle der Schulter - unter anderem anhand von Studien - erklärt, sondern zudem die Gesetzmäßigkeiten des motorischen Lernens sowie Überlegungen zum Schmerzmechanismus mit einbezieht, was den Fortschritt der Therapie mit Sicherheit unterstützt.
Außerdem zeigt die Autorin die Möglichkeiten der Evaluation und Outcome-Messungen beim Schulterpatienten auf und wirft einen kritischen Blick auf verschiedene Schulterscores, bevor sie näher auf die Darstellung der Ziele der Schulterrehabilitation eingeht. Schwerpunkte liegen hier auf der Patienteninformation und -education, Schmerzreduktion und Entzündungshemmung, Kraft, Range of motion, Scapulasetting sowie einer Beschreibung der Einteilung der Schulterrehabilitation in verschiedene Phasen.
Abgerundet wird das Buch durch die Vorstellung von zehn Fallbeispielen zu den gängigen Krankheitsbildern Subacromiales Impingement, ventrocaudale Instabilität, posteriore Instabilität, Rehabilitation nach operativer Stabilisierung, Frozen shoulder, Rehabilitation nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion, Thoracic-outlet Syndrom, Rhabilitation nach Schulterarthroplastik, Werferschulter und SLAP-Läsion - wobei es sich dabei nicht um die Vorstellung von Trainingsplänen oder Behandlungsschemata handelt, sondern um eine Darstellung diagnosespezifischer Richtlinien, welche individuell angepasst werden können.