Wer an das BRD-Kino der Siebziger Jahre denkt, dem fallen Namen wie Fassbinder, Schlöndorf und Kluge ein. Gerne spricht man in Cineastenkreisen von der Glanzzeit des Autorenkinos und neigt dazu die Vergangenheit zu verklären. Denn während die Intellektuellen sich mit ihren 16mm-Projektoren in den Hörsälen verkrochen haben, zogen die großen Lichtspielhäuser mit billigen Sexfilmen aus deutschen Landen die Massen an und verdienten dabei eine Menge Geld. „Schulmädchen-Report", „Liebesgrüße aus der Lederhose" und „Lass jucken Kumpel" waren die Publikumsrenner. Zeit genug also, die Kino - Vergangenheit der BRD unter die Lupe zu nehmen.
Mit wissenschaftlicher Akribie untersucht Annette Miersch in ihrem Buch „Schulmädchen-Report" die erfolgreichste BRD-Kino-Reihe aller Zeiten und deren diverse Fortsetzungen und Derivate. Der Leser wird mit erstaunlichen Erkenntnissen über die damalige Kino-Situation konfrontiert.
Zu Grunde lag sicher eine Diplom- oder Magisterarbeit zu dem Thema. Davon künden der akademische Stil, in dem die verschiedenen Aspekte untersucht wurden und der spröde Charme einer reinen Materialsammlung. Der Spaß, den die Filme heute machen, und die Wiederentdeckung vieler Soundtracks während des Easy-Listenings-Booms in den späten Neunzigern ist leider auf der Strecke geblieben. Ebenfalls fehlt der Bezug zu aktuellen Fernseh-Formaten wie z.B. „Wa(h)re Liebe".
Trotz dieser Schwächen ist „Schulmädchen-Report" ein wichtiges Buch. Reich bebildert und durch aktuelle Interviews ergänzt, erhält der Leser über die filmhistorische Ebene hinaus Einblicke in Gesellschaft und Sexualverhalten der BRD in den Siebzigern.
Autorin Annette Miersch ist als Ostdeutsche erst nach der Wende durch die Fernsehausstrahlungen der BRD-Sexfilme mit dem Thema in Kontakt gekommen. Wie eine Pathologin seziert sie den Leichnam der jüngsten deutschen Filmgeschichte und überlässt die Wertung dem geneigten Leser.