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am 21. Februar 2016
Ich finde, dass Herr Juul mit Vielem in seinem Buch recht hat. Trotzdem ärgere ich mich als Lehrerin über die doch recht undifferenzierten Lösungsvorschläge, die weitgehend darauf hinauslaufen, dass Lehrer und Eltern doch einfach mal mehr miteinander reden sollen.

Unser Schulsystem ist in einer strukturellen Krise, die sich nicht einfach durch 'mehr miteinander reden' abfedern lässt. Lehrer haben es vielerorts heute zu tun mit:
- einem Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen in einem historisch nie dagewesen Ausmaß, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind
- einem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund, in deren Familien oftmals die Erfahrung von kultureller Entwurzelung zu Traumata geführt hat, von denen die Kinder stark belastet sind
- einem immer stärkeres Auseinanderklaffen der elterlichen Erziehungsstile zwischen autoritativ (oftmals in muslimischen Familien), Helikopter-Erziehung und Gleichgültigkeit, oder oftmals auch einem Slalomkurs zwischen diesen Extremen
- einem gesellschaftlichen Diskurs, der dem Einzelnen einredet, ohne Leistung keinen Platz in der Gesellschaft zu haben und von dem viele Eltern und ihre Kinder geradezu imprägniert sind, sodass einzelne Noten einem Urteil über ganze Biographien gleichzukommen scheinen und Lehrer als Richter über Lebensschicksale angesehen werden.

Ich war als Lehrerin an einer Schule, an der all diese Probleme aufeinandertrafen und habe nach ein paar Jahren feststellen müssen, dass ich mich mit meinen Bemühungen um Kooperation zwischen Eltern, Schülern und Schule, so wie Juul sie vorschlägt, aufgerieben habe, ohne viel bewirken zu können. Was ich mir von einem solchen Buch gewünscht hätte, wären tatsächlich strukturelle oder politische Ansätze.
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Dieses Buch gibt einige Tipps, was man tun kann, "damit es Kindern, Eltern und Lehrern besser geht", wie es so passend im Untertitel heißt. Dazu gibt es eine breites Spektrum an Thesen, Ideen und Formulierungsveränderungen (Bildungsrecht statt Schulpflicht). Was in diesem Werk wiedermal schwierig ist, dass hier so viele Behauptungen und Zahlen genannt werden, ohne dass es die Nennung einer Quelle gibt. Hier würde man sich wesentlich mehr Differenzierung wünschen: "Es gibt immer mehr Sonderschulen und Sonderunterricht" (S.43), "...gehen deutsche Schulpsychologen davon aus, dass gut die Hälfte aller deutschen Grundschüler eine Psychotherapie brauchen" (S. 31), "...die Wertvorstellungen innerhalb unseres Schulsystems sind zu neunzig Prozent bürokratisch und nur zu zehn Prozent professionell geprägt." (S. 80)
Die Zahlenvergleiche wirken einfach oftmals hergeholt.
Außerdem empfinde ich es als ziemlich populistisch, wenn Juul schreibt:"Damit die Leute vom Jugendamt ruhig schlafen können, brauchen sie immer irgendeinen Handlungsplan." (S. 105)
Diese Schwächen des Buches werden aber durch eine Vielzahl an Ideen, Vorschlägen und Handlungsalternativen wieder gelindert. So macht Juul deutlich, dass neben der Unterrichtsqualität in der Lehrerausbildung vielmehr auf die Beziehungskompetenzerweiterung gebaut werden sollte. Diese fehlen bislang in der Lehrerausbildung in ausreichendem Maße. So sollte mehr auf einen guten Dialog mit Kindern, mit Gruppen, mit Eltern gebaut werden und für Führungsaufgaben besser vorbereitet werden. (vgl. S. 157)
Das Buch selbst ist in die groben Bereiche "Schule unter Druck", "Das lernende Dreieck", "Mit Eltern im Gespräch", "Was macht einen guten Pädagogen aus?" und Zukunftsvisionen eingeteilt und enthält neben den ausführlichen Textbeiträgen von Jesper Juul mit vielen Praxisbeispielen Interviews mit dem Schweizer Schulpsychologen Paul Kim, mit dem Schulgründer Christoph Schuhmann (Schule des Lebens, Hamburg) und Gesprächsausschnitte aus Verantstaltungen mit Eltern.
Leider enthält das Literaturverzeichnis wiedermal nur Buch- und DVD-Tipps über Jesper Juul. Hier würde man sich eine breitere Palette wünschen.
Alles in allem ein hilfreiches Buch für eine intensive Auseinandersetzung nicht nur mit den Schulen von heute, sondern vielmehr auch mit den Chancen einer anderen schulischen Bildung in der Zukunft, die nicht nur alleine die Schule im Blick hat, sondern auch die gesellschaftlichen, familiären und politischen Aspekte mit im Blick hat, die unweigerlich auf die Schulen einwirken.
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am 15. Oktober 2013
Der dänische Familientherapeut und Bestsellerautor Juul ist bekannt für Bücher, die auf der Seite der Kinder stehen und Kinderinteressen vehement verteidigen. Diesem Ruf wird der Autor auch mit Schulinfarkt gerecht: Dem Untertitel Was wir tun können, damit es Kindern, Eltern und Lehrern besser geht folgend benennt Juul schonungslos die Missstände des aktuellen Schulsystems und ruft zum Widerstand und kreativen Umgang damit auf.
Juuls Buch ist in neun Kapitel unterteilt, denen ein Vorwort des Gründers und Leiters von familylab.de Mathias Voelchert vorangestellt ist. In den Kapiteln beschäftigt sich Juul mit verschiedenen Aspekten des Themas Schule, beginnend mit dem enormem Druck, der von Seiten der Lehrer und Eltern oft auf die Kinder ausgeübt wird. Dieser Druck belaste die Eltern-Kind-Beziehungen. Da für Juul die Wichtigkeit guter Beziehungen zentral ist, ist für ihn eine Reduzierung des Drucks wichtig. Er fordert die Eltern auf, ihre Kinder jetzt zu genießen, statt deren ohnehin ungewisse Zukunft zu planen. Juul kritisiert die in den Medien oft vermittelten Rufe nach Regeln, Grenzen und Konsequenzen – die Wirtschaft von heute brauche keine Befehlsempfänger, sondern kreative Köpfe, daher sei die Forderung von Gehorsam nicht mehr zeitgemäß (und auch unethisch).

Dem „lernenden Dreieck“ zwischen Eltern, Kind und Lehrern widmet Juul das zweite Kapitel. Wichtig sei, dass Eltern den Kindern beistünden und dabei keine Anti-Haltung zur Schule entwickelten. Nötig sei ein konstruktiver Dialog, in dem die Erwachsenen dem Kind zuhören und es ernst nehmen, trotzdem aber die Verantwortung für die Qualität der Beziehung zu den Kindern übernehmen. Demokratische Schulen hätten in der Vergangenheit den Fehler begangen, auch diese Verantwortung den Kindern zu übertragen, was zur Überforderung der Kinder geführt habe.

Juul geht davon aus, dass jeder Erwachsene durch seine reine Präsenz erziehe und daher Verantwortung habe. Die Schule von heute mache viele Kinder kaputt, ohne dafür Verantwortung zu übernehmen. Dies sei nicht länger tragbar.

Das Kapitel „Wie kann sich Schule entspannen“ enthält ein Interview mit einem Schweizer Schulpsychologen, in dem unter anderem geäußert wird, dass die Schule eine Institution für die Gesellschaft, nicht für die Kinder sei. Sie hinke der Gesellschaft immer um eine Generation hinterher und sei daher in der jetzigen Form nicht hilfreich. Die zunehmende Gewalt an den Schulen versteht Juul als systemische Aussage über ein gewaltvolles System, das auch den Lehrern nicht gerecht werde. Er plädiert dafür, den Lehrern mit Fortbildungen und Verbesserung ihrer Situation zu helfen: Wenn es den Lehrern gut gehe, gehe es auch den Schülern gut. Schließlich plädiert der Autor für ein Bildungsrecht anstatt einer Schulpflicht.

Als roter Faden zieht sich durch das Buch die Beschäftigung mit sogenannten Schulverweigerern, also Kindern, die nicht oder nur unregelmäßig zur Schule gehen. Juul geht davon aus, dass diese mutigen Kinder nicht das Problem, sondern die Lösung sind: Mit diesen Kindern müssten wir sprechen, wenn es darum gehe, die Schule der Zukunft zu entwickeln. Neben diesem roten Faden gilt ein Kapitel „schwierigen Jugendlichen“, die, so Juul, Hilfe und keine Strafen bräuchten. Juul plädiert für eine systemische Perspektive, die die Familien mit in den Blick nimmt. Neben der Qualität der Beziehungen sei eine Stärkung des Selbstgefühls wichtig. Darunter versteht er die Fähigkeit, sich selbst zu kennen und zu spüren, im Gegensatz zum Selbstvertrauen, das auf dem beruhe, was jemand kann.

Juul ist ein leicht zu lesendes Buch gelungen, das sicher für viele Eltern Anregungen bietet. Der Schreibstil ist einfach und doch nicht vereinfachend, knackig und stellenweise humorvoll. Juul ermuntert Eltern dazu, unbequem aber nicht querulantisch zu sein, und zeigt an zahlreichen Beispielen auf, wie das sinnvoll gehen kann. Außerdem plädiert er immer und immer wieder dafür, in den Dialog zu treten: mit den Jugendlichen und Kindern, aber auch mit Lehrern.

Ein netter Bonus wäre ein umfangreiches Literaturverzeichnis mit Anregungen zum Weiterlesen am Buchende gewesen. Aktuell enthält dieses nur Verweise auf Juuls zahlreiche bereits erschienene Bücher und DVDs. Ein größeres Manko ist das Layout mit den eingeschobenen groß gedruckten Textteilen. Es erinnert zu sehr an ein Lehrbuch und schafft Redundanzen, statt die Lesbarkeit zu erhöhen. Darauf hätte der Verlag besser verzichtet. Da das Layout aber ansonsten sehr klar ist, kann das Buch trotzdem rundum empfohlen werden.

(Dr. Katja Rose)
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am 10. Mai 2013
Danke Jesper Juul für alles Mutmachen! Ich als Mutter freue mich, wenn Sie - wenn die Zeit gekommen ist - mit uns auf die Straße gehen! Genau wie der Philosoph Richard David Precht beschreibt Jesper Juul sehr anschaulich, was sich an unseren Schulen ändern muss. Das geht schon im Kleinen und Jetzt, auch erst einmal ohne große Revolution. Er meint, besonders die Beziehungskompetenz der Lehrer (und aller Erwachsenen) ggü. den Kindern muss sich ändern. Lehrer und Schulen müssen weg von ihrem Rollenverständnis nur für die Köpfe der Kinder zuständig zu sein. Liebe Lehrer: Bitte sprecht mit den Kindern, die mit Angst in die Schulen gehen, die unter Stress stehen, da deren Leistungen permanent über Noten geprüft werden, die keine Lust an Eurem Unterricht finden, da der Stoff nur in sie hinein gepumpt wird. Bitte fragt diese Kinder zwischendurch: "Wie kann ich Dir helfen, damit Du Freude an der Schule findest. Was kann ich als Lehrer tun, damit Du Dich wohl fühlst und gern mitarbeitest." Damit endlich auch ein großer Stress von den Elternhäusern genommen wird.
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"Der Bildungsdruck, wie er hierzulande herrscht, ist ein Phänomen, das ich in Dänemark und den anderen skandinavischen Ländern nie in ähnlicher Weise erlebt habe." schreibt Jesper Juul um dann ein paar Seiten weiter zu verkünden: "dass sich die Anzahl der vier bis vierzehnjährigen Patienten, die an schweren psychosomatischen Störungen leiden (und er spricht hier von einem schwedischen Krankenhaus), innerhalb der letzten Jahre um 83 Prozent erhöht hat." Den Druck der auf die Kinder ausgeübt wird, macht der Autor dafür verantwortlich. Was ist denn nun an dem eingangs beschriebenen skandinavischen Phänomen noch dran?

Kindergärten und Schulen bezeichnet der Autor als "Zwangseinrichtungen". Der Autor ist selbst Lehrer, ich glaube mehr Realismus hätte seinem neuen Buch gut getan. Worte wie "Zwangseinrichtungen" tun einer ehrlichen und fairen Debatte nicht gut, zielführend sind sie schon gar nicht.

Was der Autor und ich bin eigentlich ein Fan seiner bisherigen Bücher, in "Schulinfarkt" zusammenträgt ist zum einen Teil den Eltern ein schlechtes Gewissen einreden und den Lehrern andererseits sagen: Bemüht euch endlich um ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe zu euern Schülern.

Wie weit ist Jesper Juul inzwischen eigentlich weg vom ganz normalen Wahnsinn eines Schulalltags in einem deutschen Gymnasium? Schüler sitzen in Klassen und Kursen von fast 30 Jugendlichen vor Lehrern, alle 90 Minuten steht da ein anderer Lehrer. Wie kann denn da überhaupt ein partnerschaftliches Verhältnis entstehen, ganz egal wie gut oder schlecht Lehrer und Schüler grad drauf sind. Manchmal sehen sich Schüler und Lehrer in diesem Kurssystem nur einmal in der Woche.

Vieles von dem was der Autor bemängelt, sehe ich zwar ähnlich, aber letztlich können so viele Bücher zu diesem Thema geschrieben werden, wie es Käufer dafür gibt. Probleme werden damit nicht einmal ansatzweise gelöst. Immer wieder, bei jedem Problem, geht es zum Schluss doch wieder ums Geld und dies ist wie immer knapp.

Ich habe Bücher von Jesper Juul gelesen, da hab ich hinterher gesagt: "Jawohl, der Mann hat Recht!" Bei "Schulinfarkt" ist dies anders. Zum einen habe ich nichts wirklich Neues entdecken können. Andererseits sollte sich der Autor wieder dem realen Schulalltag zuwenden. Bei diesem Buch hatte ich den Eindruck, viel zu lange schon war der Autor nicht mehr in einem ganz normalen Gymnasium. Ich habe weit aus Besseres von Jesper Juul gelesen!
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am 6. September 2013
Ich bin kein Leser aber dieses Buch und auch die anderen haben mich fasziniert! Ich hatte ein paar Probleme mit meinem Sohn in der Schule aber nun ist es besser, da ich ihn und er mich besser versteht! Das sollten viel mehr Eltern lesen!
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am 29. März 2013
Eigentlich wollte ich keine Rezension mehr über ein Juul Buch schreiben, weil ich natürlich grundsätzlich immer viele Sterne gebe, da ich bei ihm meine Weiterbildung gemacht habe, und nach seinen Erfahrungen und Theorien Vorträge halte. Nun mache ich es aber doch nochmal. In jedem Juul Buch sind wertvolle, klare, mutige und wahre Aussagen. Ist man ein Juul Buch Fan, erkennt man auch die Wiederholungen. Das passiert allerdings bei Krimischreibern o.ä. auch. Ich habe 5 Sterne gegeben, weil ich mir vorstellen kann, wenn ein Pädagoge diese Ansichten und diese Perspektive zum ersten mal liest, ist er bestimmt überrascht, bestenfalls ist er sehr berührt und wird sicherlich das eine oder andere ohne weitere Fortbildung in seinem Unterricht einfließen lassen können. Eine Haltung annehmen (ist mit etwas Enthusiasmus zu erlernen) die nicht kritisiert oder moralisiert ist möglich für jeden Menschen und billig dazu. Dieses Buch würde in der Umsetzung helfen, als Eltern oder Pädagoge eine Sprache zu finden, die ausdrückt was ich will und gleichzeitig wird nicht geschimpft oder gedroht (das nächste mal rufe ich deine Mutter an) Und "Schulinfarkt" ermutigt genau dazu. Uns selber zu verändern, uns selber zu hinterfragen "wie ist das bei mir". Es kommt hierbei nicht darauf an, wie oft sich Lehrer/Schüler treffen, oder wie groß die Klasse ist. Eine Haltung ist eine Haltung, die mich auszeichnet unabhängig der Rahmenbedingungen. Uns bei unseren Jugendlichen hin und wieder zu bedanken für ihre Leistung tagtäglich in die (vielleicht ungeliebte) Schule zu gehen, ist für einen Juul Buch Leser nichts Neues. Das stimmt. Aber dieses Buch ist auch für Erstleser gedacht. Und für die ist es eine neue Perspektive. Ingesamt sehr gelungen auf den Punkt gebracht. Kein Wälzer, den man nicht versteht. Ein Buch das inspiriert und Mut macht zur Veränderung. Und viele Tipps, wie das gehen soll. Das Buch, die Inspiration, kann man kaufen. Mut nicht.
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am 23. November 2013
„Schulinfarkt“ ist ein Buch, das man getrost in die Kategorie „Bücher, die die Welt nicht braucht“ einreihen kann. Es scheint Mode zu sein, dass Fachfremde sich über Schule äußern und damit Geld verdienen: Precht (Philosoph) und Hüther („Hirnforscher“), um einige andere zu nennen. Was würde der Leser wohl sagen, wenn sich ein Sportlehrer über Philosophie ausließe oder ein Hauptschullehrer über Hirnforschung? Wie sieht es also mit Jesper Juul aus?

Vielleicht ist Juul ein guter Familientherapeut. Einige seiner Grundgedanken sind nicht von der Hand zu weisen: eine gute Beziehung zu Kinder aufbauen, mit ihnen richtig zu kommunizieren, ihnen Selbstvertrauen zu geben, als Lehrer eine natürliche Autorität zu entwickeln. Aber das kann man bei Watzlawick und Schulz von Thun besser nachlesen.

1. Bekommt der Leser das, was er erwartet? SCHULINFARKT – da würde man erwarten, dass die Missstände des Schulsystems im Detail aufgedeckt werden, Gründe genannt und Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Aber die Antwort auf die Frage, was der Schulinfarkt ist, bleibt der Autor schuldig. An einer Stelle schreibt er sogar: „Es ist eine Tatsache, dass die sogenannten Schulprobleme der meisten Kinder eigentlich nichts mit der Schule zu tun haben.“ Durch „sogenannte“, „meiste“ und „eigentlich“ wird die Aussage des Satzes zudem vollkommen verwässert.
Über welches Schulsystem schreibt er eigentlich? Das Buch ist durchsetzt mit Hinweisen auf Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Kroatien etc., aber immer nur anekdotisch. Welches Bildungs- oder Schulsystem kritisiert wird, bleibt offen. Das Buch hätte eher den Titel verdient „Der Umgang mit schwierigen Jugendlichen/Erziehungsschwierigkeiten“.

2. Kennt der Autor sein Metier? Ähnlich wie Precht und Hüther ist auch Juul nicht vom Fach. Nach eigener Aussage hat er in allen möglichen Hilfs- und akademischen Jobs gearbeitet, ist nun Familientherapeut und selber Lehrer. Nur: die Lehrtätigkeit beschränkte sich auf 3 Jahre - in einem staatlichen Erziehungsheim – in den 70er Jahren. In einer staatlichen Schule – um deren Kritik es laut Buchtitel offensichtlich geht – hat Juul nie gearbeitet. Und das hat er leider mit anderen Kritikern aus dem Elfenbeinturm gemein: nicht die leiseste Ahnung vom realen Schulalltag.

3. Hat der Autor sorgsam recherchiert? Das lässt sich an dieser Stelle nicht ohne weiteres sagen. Aber 11 Bücher alleine von 2011 – 2013 in Deutschland, fast 4 Publikationen pro Jahr, das scheint mir eine recht hohe Schlagzahl zu sein. Drei Monate für Recherche, Schreiben, Redigieren, Druckfahnen korrigieren. Wie macht der Mann das?

4. Basieren die Thesen des Autors auf nachprüfbaren Fakten? Immer wieder wartet das Buch mit Behauptungen auf, die eher der Klischeeschublade entnommen scheinen.
So behauptet der Autor von „Schülern, die sich lautstark zu Wort melden und ständig im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen wollen“, dass sie „in der Regel aus sehr gebildeten Elternhäusern“ kommen.
Er wirft den Schulen vor, dass sie nur noch normierte Schüler wollen. Offensichtlich ist die deutschlandweite Debatte um Binnendifferenzierung und Inklusion am Autor vollständig abgeprallt.
Dazu gehört auch, dass die „netten, wohlerzogenen Mädchen … oft zu selbstdestruktivem Verhalten neigen“ und sie ab dem 40. Lebensjahr „massive Probleme“ bekommen. Als Therapeut hat er vermutlich oft mit solchen Menschen zu tun, die eventuell wirklich überangepasst sind. Aber den Umkehrschluss auf eine ganze Schülerschaft zu wagen ist wissenschaftlicher Unsinn.

5. Wie differenziert argumentiert Juul? In Anlehnung an den Titel verrät auch die Diktion des Buches eine bedrohliche Nähe zur Übertreibung: das Schulsystem steht in einer „tiefgreifenden Krise“, es herrscht ein „enormer Bildungsdruck“, der ins „Unermessliche“ wächst. Wenn Eltern ihre Kinder fragen, wie es in der Schule war, wo sie abends hingehen und ob sie ihre Hausaufgaben schon gemacht haben, dann ist das für den Autor „ein unausgesetzter Strom von Fragen, dem [richtig: dessen] sich die Kinder erwehren müssen“. Lehrer haben „oft große Angst vor Eltern“, aber Eltern haben auch Angst vor den Lehrern usw. usw. Warum hat der Autor die Übertreibungen nötig? Er ist keine Gerlinde Unverzagt. Denn immerhin bezeichnet er die Lehrer an anderer Stelle als „intelligente und motivierte Menschen“.

6. Kann man in der Argumentation einen roten Faden erkennen? Ich habe ihn nicht erkannt. Die einzelnen Kurzkapitel scheinen bunt aneinander gereiht zu sein.

Fazit: Das Positive am Buch: der Autor schlägt nicht wie andere Autoren eine Reform oder gar Revolution des Bildungssystems vor, er setzt beim Einzelnen (und z. T. bei bürokratischen Vorgaben) an. Ein einfühlsameres und professionelleres Miteinander ist sicher hilfreich.

Dennoch wirkt das Buch konzeptarm und überzeugt nicht. Hier muss man sagen: Schuster bleib bei deinem Leisten!
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am 20. März 2014
Jesper Juul schreibt es im Schulinfarkt auf.
Schwer getan habe ich mir mit der Stimme des Lesers. Vieles kam dadurch für mich ein wenig zu harsch herüber, obwohl es wohl doch auch zu Juuls Stil passt, mit dem ich aus demselben Grund meine Probleme habe.
Alles in allem inhaltlich für mich ok, aber auf die Präsentation kommt's eben auch an.
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am 16. Januar 2015
... aber ich trau mich nicht. Mehr Beziehungsarbeit, weniger Streß und Druck usw.. so dringend müsste sich was ändern!! Dann bräuchten auch keine Strafarbeiten mehr geschrieben werden. Kinder und Lehrer sind doch alle gleichermaßen überfordert. Jesper Juul bringt das wieder einmal gut auf den Punkt.
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