Dieses Buch habe ich auf einen Rutsch ausgelesen und bin angenehm überrascht über die intensive Recherche, die in diesem Buch steckt. Wie die 19 Jährige Autorin in ihrem Vorwort selbst einräumt, hat sie dieses Buch daneben als subjektiven Erfahrungsbericht geschrieben. Dieser Erfahrungsbericht hat mich ehrlich gesagt erschüttert.
Persönlich habe ich festgestellt, dass ich mein Abitur vor geraumer Zeit auf einem als streng verschrienen Gymnasium in einer Norddeutschen Kleinstadt gemacht habe und das diese Schule verglichen mit den Beschreibungen von Viviane Cismak eine Insel der Seligen war. Natürlich hat es auch dort Auseinandersetzungen über Noten gegeben. Aber meine Lehrer, die Disziplin einforderten und erhielten, begegneten ihren Schüler in der überwiegenden Mehrzahlt mit Respekt, der von den Schülern erwidert wurde.
Die grundlegenden Probleme der Schulpolitik und ihrer föderativen Umsetzung hat die Autorin sicher und fundiert benannt: Die Schulpolitik ist ein Spielball von politischen Parteien geworden, die vielleicht die besten Absichten verfolgten, den Schülern aber durch das ständige Hin- und Her der gerade aktuellen Konzepte, besonders in den letzten Jahren das Lernen sehr erschwert haben. Der Personalmangel an qualifizierten Lehrkräften und häufiger Wechsel der Lehrer innerhalb eines Schuljahres machen es beiden Seiten schwer, sich aufeinander einzustellen. Das ein Lehrer eine Klasse unterrichtet und die Namen der Schüler verwechselt, ist ein No-Go. Sympathie und Antipathie zwischen Lehrern und Schülern kommen immer wieder vor. Ein verantwortungsbewusster und selbstkritischer Lehrer hinterfragt allerdings, ob mit den Schülern etwas nicht stimmt... oder mit seiner Lektion.
Lehrern und Lehrerinnen wird nachgesagt, sie wüssten alles und vor allem alles besser. Das es bei einer Schülerin wie der jugendlichen Autorin, die eine ähnliche Einstellung hat, zu Animositäten kommt, ist menschlich nachvollziehbar. Die Verantwortung des Lehrers ist es aber, seine Schüler, auch die ungeliebten, mit einem Rüstzeug fürs Leben zu versehen. Dazu gehört ein auch ein dickes Fell und ein wirkliches Interesse an den Schutzbefohlenen. Daran scheint es vor allem in Berlin-Kreuzberg erheblich zu mangeln. Rache ist kein geeignetes Erziehungskonzept. Witze zu Lasten von Schülern, Schüler auflaufen zu lassen und bewusst oder aufgrund von Inkompetenz bei einer lebensentscheidenen Prüfung so im Regen stehen zu lassen, bzw. sie selbst für die organisatorische Vorbereitung sorgen zu lassen ist, diskreditieren eben den, der zu diesem Mittel greifen muss. Vielleicht sollten die Politik darangehen, Lehramtsanwärter daraufhin zu testen, ob sie wirklich gute Lehrer sind oder größeres Interesse an einer gesicherten Position mit reichlich Ferien haben. Lehrer ohne eine natürliche Autorität müssen trotz bester Absichten scheitern.
Besonders erschüttert haben die mich die Problem von Kindern aus Familien, die kein Hartz IV beziehen und deren Kinder durch die fehlenden finanziellen Mittel schlechter dran sind als Kinder, die aus transferleistungsbeziehenden Familien stammen. Was sollen die Kinder daraus lernen? Das sich die Schule nicht lohnt, weil man mit Transferleistungen auch ganz gut lebt? Wo bleibt denn hier die vielbeschworene soziale Gerechtigkeit.
Ich danke der Autorin für den Mut dieses Buch zu schreiben und wünsche Ihr für Ihren weiteren Lebensweg alles Gute.