„Den Kindern das Wort geben." „Ein Baum im Schülertreff." „Wer viel Theater spielt, wird gut in Mathematik." „Leistung zählt." „Streiten und Versöhnen." „Rechenschaft geben." „Hier gehöre ich hin ... „
15 Kapitel auf 235 Seiten: Wo soll man anfangen?
Vielleicht beim Kapitel 16, in dem Reinhard Kahl Enja Riegel vorstellt und nachspürt. Was für eine Frau. Und was für ein Buch. Und was für eine Schule. Da haben sich viele gefunden: 600 ganz normale Schüler, ein trotziges, mutiges und engagiertes Kollegium und eben die Schulleiterin der Helene Lange Schule in Wiesbaden, die gar nicht alles anders macht, aber sehr vieles richtig und immer mit ihrer ganzen Persönlichkeit.
Ihre Schule ist bekannt. Die Schüler putzen ihre Klassenzimmer und mit dem dadurch erarbeiteten Geld stellen sie Schauspieler und Regisseure, Handwerker und Talente ein. Sie üben und spielen wochenlang Theater, sind Beleuchter und Ausstatter, Akquisiteure und Verkäufer, Maske und Musik - und Schauspieler.
Die Schule betreibt ein Krankenhaus in Nepal. Schafft die Noten ab. Lässt jeweils ein Lehrerteam mit seiner Klasse durch die Schule wandern, von Klasse 5 bis Klasse 10.
Am Schuljahresende richtet jede Klasse ihre Räume für die Neuen vor, zieht um und bereitet sich auf das nächste Schuljahr vor:
In dieser Schule (ich habe sie mir vor Jahren auch einmal angesehen) spürt man das ungeschriebene Motto der Schule (aus den „Stufen" von Hermann Hesse): „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."
Wer Enja Riegels Buch heiter Raum um Raum durchschreitet, der fragt sich unwillkürlich: Wann lernen die eigentlich? Auch darüber gibt das Buch Auskunft: In Projekten, mit einem Helfersystem, in vorbereiteter Lernumgebung und im nicht immer ganz normalen Schulalltag. Bei PISA hat diese Schule weit besser abgeschnitten als der Durchschnitt.
Das Buch macht sehnsüchtig. Nach dem Lehrerberuf, nach dem Schulleben und natürlich nach der Autorin, die es fertig gebracht hat, neben der Veränderung einer Schullandschaft auch noch drei Kinder großzuziehen.
Ein Buch für Lehrer, Eltern, Schüler, Kultusminister, McKinsey, Pessimisten (zum Aufwachen) und Optimisten (zum Dazulernen).