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Darf eine Schule diesen Namen tragen? Zur Vorbildwirkung des Wehrmachtsgenerals Erich Hoepner
 
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Darf eine Schule diesen Namen tragen? Zur Vorbildwirkung des Wehrmachtsgenerals Erich Hoepner [Taschenbuch]

Geralf Gemser
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Tectum; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3828889271
  • ISBN-13: 978-3828889279
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 3.624.180 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Philip Grassmann, Süddeutsche Zeitung, 3/2006

„Das Berliner Erich-Hoepner-Gymnasium ist besonders stolz auf seine musische Ausrichtung, und das wohl auch zu Recht. Im krassen Gegensatz dazu steht allerdings der Name der Schule. […] Denn es ist umstritten, ob man dem General gerecht wird, wenn man sich lediglich auf den 20. Juli konzentriert. Und selbst sein Wirken beim geplanten Umsturz wird heute eher als zögerlich und passiv bewertet. Seit Jahren engagiert sich der Chemnitzer Historiker Geralf Gemser für eine Umbenennung des Gymnasiums und hat inzwischen ein Buch […] vorgelegt. Darin wird unter anderem aus Flugblättern zitiert, die Hoepner über dem belagerten Warschau abwerfen ließ und in denen er warnte: ,Für jeden deutschen, in Warschau gefallenen Soldaten werden zwanzig von euch erschossen!’ […] Nach seiner Entlassung aus der Armee, so schildert es Gemser, kehrte Hoepner verbittert nach Berlin zurück und schloss sich schließlich dem Widerstand an. Die Chancen für eine Umbenennung des Gymnasiums stehen nicht schlecht.“

Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung, 28/2006

„Eine dem Stand der wissenschaftlichen Forschung entsprechende Biographie fehlte bisher. Gemser legt, gestützt auf den Nachlass und andere Quellen, erstmals eine kritische Gesamtdarstellung vor, die im Hinblick auf die Namensgebung zwei Fragen erörtert: Wie sah Hoepners Aufstieg unter dem Hakenkreuz aus, wir hat dieser Nazigeneral die Hitlerschen Maximen für die Kriegsführung umgesetzt? Gemser lässt sich von der Floskel ‚wegen Beteiligung an dem Umsturzversuch hingerichtet’ nicht abhalten und untersucht sehr genau, was dieser Mann am 20. Juli 1944 wann getan hat. Der Legendenbildung ‚im Widerstand bis Moskau’ wird jede Grundlage entzogen.“

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Militaristisch begrenzter Horizont eines Generalobersten, 16. Februar 2006
Von 
Jakob Knab (Kaufbeuren) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Darf eine Schule diesen Namen tragen? Zur Vorbildwirkung des Wehrmachtsgenerals Erich Hoepner (Taschenbuch)
In seinem berüchtigten Befehl vom 2. Mai 1941 bezeichnete Hoepner den kommenden Krieg als den "alten Kampf der Germanen gegen das Slawentum, die Verteidigung europäischer Kultur gegen moskowitisch-asiatische Überschwemmung, die Abwehr des jüdischen Bolschewismus." Dieser Kampf, so Hoepner weiter, müsse vom "eisernen Willen zur erbarmungslosen, völligen Vernichtung des Feindes geleitet sein." Es dürfe "keine Schonung für die Träger des heutigen russisch-bolschewistischen Systems" geben. Am Vorabend des Angriffs auf die Sowjetunion schärfte er seiner Truppe ein, sie trete zum Kampf an, "den wir Germanen gegen das bolschewistische Slaventum führen müssen, um unser deutsches Volk und unsere Nachkommen zu erhalten."

Hoepner war zeitlebens nur Soldat. Zeitlose soldatische Tugenden waren für ihn die kriegerische Tüchtigkeit, die bis zur Vernichtung des Feindes kämpft – auch Sieg genannt – sowie ein Ehrbegriff, der treffender als persönliche Eitelkeit bezeichnet wird. Als Hoepner im Juli 1941 bei der Verleihung des Eichenlaubes zum Ritterkreuz übergangen wurde, schreibt er verbittert: „Meine Divisionen haben das Doppelte an Toten und Verwundeten.“ In seinem militaristisch begrenzten Horizont ist er ein Gefangener dieser Gleichung: Tote Soldaten = Belobigung, Kriegsorden, Beförderung.

Am sechsten Tag der Blockade von Leningrad feierte Hoepner einen netten Geburtstag: „Außer vielen Glückwünschen erhielt ich auch Geschenke (allein vier Torten).“ Zu dieser Zeit begann das langsame Dahinsiechen und Sterben in Leningrad. Überlebende Zeitzeugen berichten, dass man sich sogar von Toten ernährte: „Wenn dein Kind stirbt und du weißt, dass nur Fleisch es retten kann, dann schneidest du auch welches von einer Leiche ab.“

Am 12. November 1941 gab Hoepner den Befehl: "Jede Weichheit in der Partisanenbekämpfung muss schwinden. Partisanenverdächtige Elemente sind zu erschießen und nicht an die Gefangenensammelstelle abzuführen." Kriegsgefangene Soldaten ließ man erhungern und erfrieren.

In seinem Befehl vom 17. November 1941 bekräftigte Hoepner den „harten Willen zur erbarmungslosen Vernichtung des Gegners“. Zu Beginn des Jahres 1942 galt Generaloberst Hoepner als Hitlers wichtigster Heerführer vor Moskau. Hoepner spürte die Genugtuung, dass Hitler selbst „unbegrenztes Vertrauen zu ihm und seinen Leistungen habe.“ Doch am 8. Januar 1942 traf Hoepner die Entscheidung zum Rückzug vor Moskau. In einem Wutanfall wurde Hoepner vom „Führer“ persönlich aus der Wehrmacht ausgestoßen.

Diese Kränkung und Ehrverletzung hat Hoepner nie überwunden. Indes: in seiner Denkschrift „Die ‚Festung Europa’ im Juni 1943“ unterstütze er den „totalen Krieg“, den Goebbels am 18. Februar 1943 in Berlin proklamiert hatte. An diesem Februartag waren in München Hans und Sophie Scholl verhaftet worden. Ihr Flugblatt begann mit den Worten: „Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir!“

Oft wurde über die Motive Hoepners gerätselt, die schließlich zu seiner Beteilung an der Verschwörung vom 20. Juli 1944 führte. Offenkundig, so denke ich, hat Hoepner die ehrverletztene Verstoßung aus der Wehrmacht nie verkraftet. Dies erklärt auch, dass er am 20. Juli 1944 darauf bestand, eine schriftliche Ernennungsurkunde als Befehlshaber des Ersatzheeres ausgehändigt zu bekommen.

In den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1944 wurde Hoepner im Bendlerblock verhaftet. Das Todesurteil, das der Volksgerichtshof am 8. August 1944 verhängte, wurde am gleichen Tag vollstreckt. Hoepner wurde in Berlin-Plötzensee aufgehängt. (Die namenlosen Opfer im truppendienstlichen Verantwortungsbereich von Generaloberst Hoepner sind längst vergessen!)

Lange Jahre war Hoepner für die Bundeswehr traditionswürdiges Vorbild. Doch die Liegenschaft „Generaloberst-Hoepner-Kaserne“ in Wuppertal wurde von der Bundeswehr aufgegeben; allein durch die Namensgebung „Erich-Hoepner-Oberschule“ in Berlin wird er immer noch öffentlich geehrt.

Zu Recht ist diese Schule stolz auf Ihre „außergewöhnlichen Leistungen im musischen Bereich“. Deshalb mein Vorschlag für einen neuen Namensgeber, über den sich die Lehrer- und Schülerschaft nicht schämen muss. Ich spreche von Hugo Distler (1908 – 1942): Am 1. November 1942 beging Distler in Berlin Selbstmord, als die Einberufung in Hitlers Wehrmacht drohte. Seit Mitte der dreißiger Jahre war der Komponist und Organist Hugo Distler zunehmend unter den Druck der NS-Kulturpolitik geraten, da seine Werke als „entarte Kunst“ diffamiert wurden.

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