Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, da ich ein richtiger Fan von Anne-Marie Villefranche bin und quasi alle ihre bisherigen Bücher gelesen habe. Sie sind prall gefüllt mit erotischen Szenen, in vielen Variationen und Paarungen und (vor allem die "neueren" Titel) haben durchaus auch humoristische bzw. selbstironische Anflüge.
Um so größer war die Enttäuschung, die mich beim Lesen dieses Buches überkam. Ich bin eigentlich kein Freund rein lesbischer Liebesszenen, aber auch da habe ich schon sehr erotisch Geschriebenes gelesen. Was Anne-Marie Villefranche hier aber geschrieben hat, das ist alles andere als prickelnd.
Die "Geschichte":
Joanna, eine junge Lehrerin, kommt neu in ein nobles Mädcheninternat in England. Als sie herausfindet, dass sich auch hier (wie schon an ihrem früheren Arbeitsplatz in Genf) Schülerinnen und Lehrerinnen fleißig miteinander vergnügen, fühlt sie sich ganz in ihrem Element und wird auch gleich voll integriert. Es folgen Liebeszenen zwischen Joanna und der Kunstlehrerin, Joanna und der Englischlehrerin, Joanna und der stellvertretenden Rektorin, Joanna und einer Schülerin, ... - man ahnt das Schema. Die einzelnen Szenen variieren dann auch höchstens mal leicht in Punkto auf den Schauplatz, ansonsten aber beschleicht einen spätestens ab der dritten ziemliche Langeweile. Alle Darstellerinnen beteuern zudem fortwährend, wie schrecklich doch die Männer sind, dass sie nur daran interessiert wären, mit ihrem "Ding" (das ist tatsächlich stets auch in kursiv gedruckt...) schlimme Sachen anzustellen und dass alle (na ja mehr oder weniger alle) Frauen hier ja Gott sei Dank noch nie einen Mann heran gelassen hätten.
Zwischendurch wird der ganze männerfeindliche Schwulst mit Geschichtchen "aufgepeppt", die irgend eine bedauernswerte Geschlechtsgenossin mal mit einem Mann erleben musste, diese Teile sind aber auch so von Abscheu durchtränkt, dass beim Lesen auch kaum Freude aufkommt, obwohl sie von der Idee manchmal ganz interessant gewesen wären.
Fazit:
Man wartet beim Lesen die ganze Zeit darauf, dass die Geschichte "losgeht", dass Joanna vielleicht mal tatsächlich Bekanntschaft mit einem Mann macht (denn sie ist ja doch irgendwie interessiert an Männern), aber es tut sich NICHTS.
Diese "Spätendeckung" von A.-M. Villefranche wäre meiner Ansicht nach auch besser in der Versenkung geblieben, in der sie die letzten 30, 40 oder was weiß ich wie viel Jahre gewesen ist. Wer ihre anderen Bücher mag, wird hier mit größter Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden.