Aus der Amazon.at-Redaktion
In einer amerikanischen Kleinstadt wird ein Mädchen ermordet. Die örtliche Busfahrerin Mary Culpepper findet die Leiche des Kindes, das sie noch am Tag zuvor in die Schule chauffierte. Der Schock steckt ihr in den Gliedern, sie bricht zusammen. "Und ich saß da, die Knie auseinander, und ließ ein Stück nach dem anderen auf den Beton zwischen meinen Füßen krachen. Ich war barfuß, die Glassplitter hatten mir die Knöchel zerfetzt. Warm und weich stand Blut zwischen meinen Zehen." In der Zeit zwischen ihrem grausamen Fund und der Gerichtsverhandlung, in der sie als Zeugin aussagen soll, geht für Mary eine gewohnte, sichere Welt unter. Eine fremde unbekannte tut sich ihr auf.
Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in der Nervenklinik kämpft sie, geplagt von Selbstvorwürfen, mit nächtlichen Besuchern -- dunkle Schatten, die ihr den Schlaf rauben und die die Nacht zum Albtraum werden lassen. Hat sie etwas gesehen, das ihr vielleicht hätte auffallen sollen? Hätte sie den Tod des Mädchens verhindern können?
Als wäre es nicht anstrengend genug, die vergangenen Ereignisse zu verarbeiten, bricht auch noch privat das Chaos über Mary herein. Aus heiterem Himmel packt sie eine furchtbare Wut auf ihre beste Freundin, die ihr vor Jahren den Mann ausgespannt hat. Die vielen langen einsamen Nächte, die sie seitdem verbringen musste. Ohne Ansprache, ohne Zärtlichkeit. Für Mary ist der Punkt gekommen, um mit ihrer Freundin abzurechnen. Und just in dieser turbulenten Zeit -- zwischen Gerichtsverhandlung und Freundschaftszwist -- lernt sie den gut aussehenden verheirateten John kennen. Er zieht Mary noch tiefer in den Strudel von Selbstvorwürfen. Und dann überschlagen sich die Ereignisse.
Schuldlos von Lisa Reardon ist ein typischer Fall von Geschmackssache. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich gut streiten. Ein suggestiver Thriller sei das Werk der preisgekrönten amerikanischen Dramatikerin, meint so mancher Kritiker. Suggestiv? Ja, in der einen oder anderen Sequenz. Ein Thriller? Wenn Schuldlos ein Thriller ist, ist Psycho eine Liebesgeschichte: Die Spannungseffekte lassen sich an einer Hand abzählen, auf eine Gänsehaut wartet der Leser vergeblich (zugegeben, es kommt darauf an, was man gewohnt ist). Wer es schafft, sich anfangs durch langatmige Szenen durchzukämpfen, wird belohnt mit einer gut lesbaren Geschichte und dem einen oder anderen Höhepunkt. --Ute Langthaler-Nusser
Kurzbeschreibung
Mary Culpepper ist eine starke, unabhängige junge Frau. Doch als sie die Leiche eines Kindes findet, eines der Mädchen, die täglich mit ihr im Schulbus fahren, bricht sie zusammen. Während sie auf das Gerichtsverfahren wartet, in dem sie als Zeugin aussagen muss, was sie gesehen oder nicht gesehen hat, was ihr vielleicht hätte auffallen können, was ihr aufgefallen ist, und wo sie aus Angst vor Unannehmlichkeiten geschwiegen hat, gerät sie immer tiefer in einen Strudel von Selbstvorwürfen. Ihre Familie und ihre Freunde behandeln sie zunehmend wie jemanden, der nicht ganz bei sich ist, und auch eine Affäre mit einem verheirateten Mann kann sie nicht wirklich ablenken. Sie quält sich mit Fragen, auf die zu antworten gefährlich ist, für sie selbst und die Menschen um sie herum, die sie liebt...