Als Trixie Stone von ihrem Ex-Freund Jason vergewaltigt wird, ist für sie nichts mehr so wie es war. Niemand in der Stadt glaubt ihr, ihre Eltern sind verzweifelt und sie selbst weiß nicht mehr, wie ein normales Leben aussieht. Plötzlich wird Jason tot aufgefunden, und alle gehen zuerst von einem Selbstmord aus. Doch am Tatort finden sich Hinweise auf einen Mord. Als Trixie selbst verdächtigt wird, flieht sie nach Alaska, in die Heimat ihres Vaters, um vor den Konsequenzen zu flüchten. Erst da merkt sie, dass sie wieder zu sich selbst finden muss, um mit diesen schrecklichen Ereignissen abzuschließen.
Eine Vergewaltigung stellt immer ein besonders schlimmes Ereignis im Leben eines Menschen dar. Dass allerdings auch viele andere davon betroffen sind, wird meist vernachlässigt. Nicht so bei Jodi Picoult. In ihrem Buch beschreibt sie in beeindruckender Weise, wie alle Leben in Trixies Familie sowie auch das Leben des vermeintlichen Vergewaltigers verändert werden und wie sehr sie damit zu kämpfen haben. Nur Picoult schafft es, auch für die andere Seite ein Gefühl zu bekommen und damit auch durch ungewöhnliche Perspektiven Empathie zu wecken. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass die Täter immer unser Mitleid verdienen, aber gerade in dem Fall von Trixie ist nicht alles schwarz und weiß. Wir verstehen, wie Trixie mit den Geschehnissen kämpft und wirklich bis ins Mark erschüttert ist von der Vergewaltigung, können aber auch Jasons Gedanken und Gefühle nachvollziehen, und warum er eine Vergewaltigung nie beabsichtigt hatte. Es ist wirklich erstaunlich, dass Jodi Picoult diesen Perspektivenwechsel immer wieder so überzeugend hinbekommt.
Da Trixies Vater Comiczeichner ist, ist die Geschichte immer wieder unterbrochen von kurzen Comicstrips, die zusammen eine eigene Geschichte ergeben, welche jedoch leicht parallel zum eigentlichen Geschehen verläuft. Hierin geht es hauptsächlich um Daniel, Trixies Vater, der versucht, seine eigenen Dämonen der Vergangenheit zu besiegen, denn auch er hat einige Geheimnisse, die ihm vielleicht zum Verhängnis werden. Zudem geht es hier um Dantes Vorstellungen der Hölle mit den neun Höllenkreisen, was mich wirklich sehr fasziniert hat. Diese Idee, einen Comic in ein Buch einzubauen, fand ich sehr interessant und auch äußerst gelungen.
Kritisieren muss ich leider das Ende des Buches: Für mich war es erstens zu sehr vorhersehbar, zudem auch nicht gut genug aufgelöst. Wir werden ziemlich im Regen gestehen gelassen über das, was wirklich in der Nacht von Jasons Tod und von Trixies Vergewaltigung passiert ist, wovon ich ein wenig enttäuscht war. Es gibt Andeutungen und auch eindeutige Indizien, aber die ganze Wahrheit kommt leider nicht ans Licht. So kenne ich das nicht von Jodi Picoult, daher gibt es für das Ende Punktabzug.
Ansonsten kann man aber nur wieder sagen, dass die erfolgreiche Autorin hier wieder einen spannenden Roman mit ungewöhnlichen Perspektiven geschrieben hat, wie wir es von ihr gewohnt sind. Daher vergebe ich 4 von 5 Sternen.