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40 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dostojewskis Meisterwerk, 26. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Schuld und Sühne (Taschenbuch)
"Schuld und Sühne" ist meines Erachtens Dostojewskis Meisterwerk. Die Geschichte des Studenten Rodion Raschkolnikow, der eine alte Wucherin und ihre Schwester tötet, weil er sich zu den "Auserwählten" zählt, denen solche Taten erlaubt seien und der mit dieser Tat nicht fertig wird und durch den Einfluss der Prostituierten Sonja Marmeladowa dazu gebracht wird, seine Tat durch Strafe zu sühnen, ist zu recht Weltliteratur. Rodion Raschkolnikows Einfluss ist in vielen Werken der Gegenwart, etwa Camus: "Der Fremde" zu spüren. Literaten wie Stefan Zweig ("Drei Meister") oder Thmas Mann ("Russische Anthologie") haben sich mit Dostojewski, seinem Leben und Werk auseinandergesetzt. Der Aufbau-Verlag zitiert Thomas Mann: "Ist Tolstoi der Michelangelo des Ostns, so darf man Dostojewski den Dante dieser Sphäre nennen. Er war in der Hölle - zweifelt man daran, nachdem mn den herzzermalmenen Traum gelesen, en Rodion Rasklnikow träumt, bevor er die alte Pfandleihrin erschlägt?" Dieses äußerst spannende Werk dient aber auch als hervorragende Einführung in das Gesamtwerk Dostojewskis. Die vorliegende Ausgabe enthält 707 Seiten, es ist also das mit Abstand "kürzeste" der fünf Romane des Autors. Es dokumentiert auch deutlich seine Wandlung vom Sozialisten (vgl. seinen Erstlingroman: "Arme Leute") zum gläubigen Christen. In späteren Werken, etwa den "Brüdern Karamasow", nähert er sich schließlich den russischen Slawisten Aleksej Stanovic Chomjakow (1804-60) an. Seine Polemik insbesondere gegenüber dem "Westler" Turgenjew wurde insbesondere in den "Dämonen" rigoros ausgetragen. Diese - für mich bedauernswerten - Züge der späteren Intoleranz sind in diesem Werk glücklicherweise nicht vorhanden. Deutlich wird jedoch schon hier, dass Dostojewski sein Leben lang ein "Suchender" gewesen ist, immer nach Erlösung ringend (er litt an schwerer Epilepsie und Angstzuständen). Auf diesen Sachverhalt hat Stefan Zweig als einer der Ersten dankenswerterweise hingewiesen. Und ein Suchender ist auch Raschkolnikow - der am Ende durch den Glauben zu Erlösung findet - wie Dostojewski am Ende (man vergleiche seine fulminante Rede zur Enthüllung des Puschkin-Denkmals am 8. Juni 1880, ein halbes Jahr vor seinem Tode)auch. Mich hat Dostojewskis Werk und "Schuld und Sühne" schon immer (ich las es als Zwanzigjähriger) fasziniert und ich konnte diesm Buch immer wieder neue Aspekte gewinnen. Insbesondere der psychologische Falkenblick, mit dem er in seinem Werk immer aufs Neue Grundfragen der menschlichen Existenz erörtert und - insbesndere in "Schuld und Sühne" die menschlichen Abgründe fast diabolisch "erspürt" (man vergleiche etwa die meisterhaften drei Dialoge zwischen Raschkolnikow und dem Unterscuhungsrichter Porfiri, die zu den besten psychologischen Gesprächen der Weltliteratur gehören), ist meines Erachtens unvergleichlich. Wenn man mich fragte, welche Werke ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, so gehörte Dostojewskis "Schuld und Sühne" sicherlich dazu. Allerdings vermisse ich an der vorliegenden Ausgabe des Aufbau-Verlages ein Namensregister. Auch das Nachwort ist - im Vergleich zu anderen deutschen Ausgaben, etwa des Piper- oder des Insel-Verlages, sehr dünn geraten. Insofern kann ich Literaturinteressierten nur zu den genannten Ausgaben oder der DTV-Dünndruckausgabe raten, jedoch nicht zu der - meines Erachtens lieblos editierten - vorliegenden Ausgabe
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20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
spannende Mischung aus Kriminalroman und Psychographie, 12. Juni 2006
° Schuld und Sühne - oder 'Verbrechen und Strafe', wie er im Original heißt - ist ein wirklich großartiger Roman. Dostojewsik zeichnet darin einerseits eine durchweg spannende Kriminalgeschichte und gleichzeitig eine fesselnde psychologische Darstellung der Hauptfigur Rodion Raskolnikow. Raskolnikow ist Student in St. Petersburg und lebt in sehr armen Verhältnissen. Dabei hegt er eine Theorie, nach der die 'Großen der Geschichte' schon immer geltendes Recht brachen, um ihre höheren Ideale und Ideen umzusetzen, was seiner Meinung nach ihr Handeln legitimiert. So kommt es, dass Raskolnikow eine alte Pfandleiherin und ihre Schwester tötet, um mit dem Geld sein Studium zu finanzieren - hier also die Schuld bzw. das Verbrechen. Sein Gewissen lässt ihm jedoch keine Ruhe und bringt ihn an den Rand des Wahnsinns. Alle um ihn herum denken, er wäre psychisch krank geworden - eine Folge übermäßigen Studierens. Nur einer verdächtigt ihn der Tat, kann ihm jedoch nichts beweisen. Um sein Gewissen zu erleichtern und mit sich ins Reine zu kommen folgt er dem Rat seiner Freundin, sich zu stellen. Seine Strafe verbüßt er daraufhin lange Jahre im Arbeitslager, hält jedoch weiterhin an seiner Theorie des legitimen Rechtsbruchs für höhere Ziele fest. Obwohl ich eigentlich kein Romanleser bin, fand ich das Buch von Anfang an faszinierend. Dostojewski beschreibt nicht nur die Hauptfigur und deren Gedankengänge sehr ausführlich. Als Leser bekommt man ebenso detaillierte Einblicke in das Leben zur damaligen Zeit und die anderen Figuren. Gleichzeitig ringt man im Lauf der Geschichte mit sich selbst, sieht man doch das offensichtliche Unrecht der Tat und fühlt dabei andererseits Raskolnikows rationale Begründungen, Zerrissenheit und Gewissensbisse. Nicht umsonst zählt 'Schuld und Sühne' zu den wichtigsten Werken der Weltliteratur. ~
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Exzellentes Buch., 22. September 2002
Dostojewski liefert hier eine spannende und psychologisch perfekt konstruierte Geschichte über einen vermeintlich perfekten Mörder, der vor der Polizei und, viel wichtiger, vor seinem eigenen Gewissen auf der Flucht ist. Der Held, Rodion Raskolnikow, ein verarmter Student, hat eine alte Frau ermordet, um an ihr Geld - sie ist Wucherin - heranzukommen. Er hat die Tat perfekt geplant und sich eine wohldurchdachte Rechtfertigung ausgedacht, um sein Gewissen zu beruhigen. Aber es funktioniert nicht alles wie geplant... Die Geschichte ist packend, der Held gehört zu den lebendigsten Figuren, die die Literatur zu bieten hat und sein Innenleben ist beklemmend gut geschildert. Darüber hinaus ist das Setting - St. Petersburg - großartig und sehr atmosphärisch beschrieben. Dieses Buch gehört zur Weltliteratur, es läßt einen nicht mehr los.
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