Der siebte Band der Reihe "Biblische Gestalten" beschäftigt sich mit Saul, der der Überlieferung zufolge der erste König von Israel war.
Hentschel weist gleich zu Anfang auf das zwiespältige Bild hin, das im Ersten Buch Samuel von dieser Herrschergestalt gezeichnet wird: von Gott erwählt und wieder verworfen, ein heldenhafter Führer, der immer mehr von einem "bösen Geist" heimgesucht wird. Im einführenden ersten Kapitel seiner Darstellung gibt der Autor Hinweise, worauf dieses ambivalente Persönlichkeitsprofil zurückzuführen ist, skizziert die historischen Rahmenbedingungen und die Entstehung der Saultradition, die auf verschiedene Erzählstränge zurückgeht.
Der Hauptteil des Buches folgt in vier Abschnitten der biblischen Darstellung: Sauls Erwählung zum König, seine Taten als Herrscher bis zu seiner Verwerfung, sein Konflikt mit seinem Konkurrenten und Nachfolger David und schließlich sein tragisches Ende.
Als dritter, wiederum kürzerer, Teil folgt die Wirkungsgeschichte Sauls: von den späteren biblischen Büchern über Rabbinen und Kirchenväter bis zur Ausgestaltung des Saul-Motivs in Kunst und Literatur der letzten Jahrhunderte.
Insgesamt nahezu umfassende Informationen, zu denen auch Anmerkungen und Literaturhinweise nicht fehlen. Das lässt mich fast zweifeln, ob das Buch tatsächlich nur - wie es selbst sagt - für "interessierte Laien" konzipiert ist und nicht sogar eher für ein theologisch vorbelastetes Publikum geschrieben wurde, denn teilweise geht es ganz schön ins Detail (wenngleich nicht so akribisch und hart am Urtext wie in einer akademischen Fachveröffentlichung).
Was mich persönlich ein wenig stört, ist der Untertitel mit den Begriffen "Schuld und Reue" - hier schwenkt Hentschel zu sehr auf die Linie der saul-kritischen (pro-davidischen) Überlieferung ein - die tragische Größe Sauls kommt dabei für mein Empfinden zu kurz. Wirkliche Gerechtigkeit kann dem König aber nur schwer zuteil werden, denn es gibt keine außerbiblischen Zeugnisse, die über ihn objektiv Auskunft geben könnten.