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Schuld: Stories [Gebundene Ausgabe]

Ferdinand von Schirach
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (73 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492054226
  • ISBN-13: 978-3492054225
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (73 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 7.322 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ferdinand von Schirach
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ferdinand von Schirach ist seit 16 Jahren als Anwalt und Strafverteidiger tätig. Laut Klappentext seines Erzählbands Schuld gehören „Industrielle, Prominente, Angehörige der Unterwelt und ganz normale Menschen“ zu seiner Klientel. Solche Sätze sollen den Autor interessanter machen. Ferdinand von Schirach hat das aber gar nicht nötig. Alle Geschichten aus Schuld sind gut bis blendend geschrieben. Und spannend sind sie allesamt sowieso.

Das liegt nicht daran, dass Ferdinand von Schirach den Mainstream mit literarischen Kniffen in Büchern bedient, die schon zur Genüge in den Regalen der Buchhandlungen auf Kundschaft warten. Das liegt im Gegenteil vor allem daran, dass es dem Autor gelingt, vor dem Hintergrund seines Wissens über die Niederungen der menschlichen Seele ganz anders zu schreiben als die andern. Ferdinand von Schirach schreibt schnörkellos und unaufgeregt, ganz auf die Wucht des Faktischen vertrauend: über geschundene Frauen, die eher durch Unfall zu Mörderinnen werden (oder es, wie sich erst am Ende der Geschichte herausstellt, gar nicht gewesen sind). Über einsame Menschen, die aus Einsamkeit Verbrecher werden. Oder über die teils kuriosen Wege, die kriminelle Handlungen beizeiten nehmen. Erst spät gibt sich der Autor dabei im Alter Ego des Ich-Erzählers – eines Anwalts – zu erkennen. Auch dieser Kunstgriff ist brillant gemacht.

Apropos brillant: Eine Geschichte gibt es, die aus der Vielzahl guter Stories noch herausragt: Der Schlüssel über einen Drogendeal, der einen absurden – und dabei absolut glaubwürdigen – Drive bekommt, der an die Filme Quentin Tarantinos erinnert. Überaus lesenswert. -- Thomas Köster

Pressestimmen

"Er ist ein großartiger Erzähler, weil er sich auf die Menschen verlässt, auf deren Schicksale." (Der Spiegel)

"Wer von Schirach über Tat und Täter debattieren hört, der bemerkt, wie umfassend der Mann über die menschlichen Abgründe nachgedacht hat." (Die Welt)

"Ein erfolgreicher Berliner Strafverteidiger erweist sich als bestürzend scharfsichtiger Erzähler." (Literarische Welt)

"Beim Lesen dieser Geschichten hatte man Glückserlebnisse wie sonst nur bei der Lektüre von Fitzgerald oder Capote, da sitzt jedes Wort, da ist alles an seinem Platz, Poesie durch Klarheit, im Leserkopf entsteht ein soghafter - man kann es nicht anders sagen - Film; die Figuren und ihre Geschichten in einer zwar warmherzigen Menschenkenntnis entwickelt, zugleich jedoch weht durch die Zeilen ein kühlklares Lüftchen der Vergeblichkeit, der Unausweichlichkeit menschengemachter Katastrophen."
Benjamin von Stuckrad-Barre in der Welt am Sonntag v. 06.06.2010

"Der Berliner Strafverteidiger Ferdinand von Schirach setzt seine im vergangenen Herbst mit „Verbrechen“ fulminant begonnene literarische Karriere mit „Schuld“ nahtlos fort. Seine knappen, auf den Punkt erzählten Stories beziehen ihre Wucht aus der Berufserfahrung des Autors, ihre Intensität hingegen aus seinem schnörkellosen Stil - und der Erkenntnis, dass das Gesetz niemandem die moralische Verantwortung abnimmt, bisweilen am wenigsten dem, der es vertritt."
Felicitas von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 24.07.2010

"Die Tatsache, dass er es versteht, einen schon nach wenigen Sätzen für oder gegen Figuren einzunehmen, nur um diesen Eindruck in einem weiteren Schritt wieder zu untergraben, beweist nicht seine „Nähe zur Realität“, sondern seine Erzählkunst … Die Gründe für große literarische Erfolge sind so schwer zu benennen wie die für große Verbrechen. Die Dinge sind, wie sie sind. „Schuld“ ist ein großes Buch."
Georg Oswald in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v. 25.07.2010

"In Verbrechen glaubte man noch diverse Handlungsoptionen der Protagonisten zu erblicken. In Schuld nicht mehr. Schuld ist radikaler, die Geschichten sind schlanker, sie sind überwältigend kalte Versuchsanordnungen. … Man muss kein Verbrechen begangen haben, um schuldig zu sein. Man kann ein Verbrechen begehen und dabei schuldlos handeln. Der Rechtsbegriff von Schuld deckt sich nicht mit unserem moralischen Empfinden. Diese Paradoxie grundiert beinahe jede dieser Geschichten, die übrigens, womöglich auch deshalb, ziemlich komisch sind, nah am Sarkasmus, bisweilen am Slapstickhumor entfalten sie ihre Wucht."
Adam Soboczynski in der ZEIT v. 29.07.2010

"Es sind kleine Meisterwerke darunter von enormer sprachlicher Präzision und Darstellungskraft. [...] Das wichtigste stilistische Vorbild von Schirachs ist jedoch nicht Kleist, sondern Hemingway. Wie der amerikanische Großmeister der Short-Story liebt von Schirach die klaren, schnörkellosen und scheinbar nüchternen Hauptsätze. Er reiht sie hintereinander wie Blöcke, wuchtig und faktenschwer. Sie lesen sich, als würde man den Schritten eines Unheils lauschen, das unaufhaltsam vorwärts drängt. Daneben aber hat er einen fabelhaften Sinn für Details, die er wie im Vorbeigehen nur knapp benennt. Sie verleihen seinen Geschichten eine großartige atmosphärische Dichte. Alles in allem wirkt das oft so, als würden sich seine Stories wie von selbst erzählen, als seien sie nicht mehr als knappe Zusammenfassungen irgendwelcher Gerichtsakten. Doch steht dahinter eine bewundernswerte kompositorische Sicherheit und sprachliche Disziplin dieses Autors. [...] Neben Judith Hermann und Ingo Schulze hat er einige der eindrucksvollsten deutschen Kurzgeschichten der letzten Jahre geschrieben."
Uwe Wittstock in der WELT v. 31.07.2010

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

84 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein beachtlicher Erzähler, 3. August 2010
Von 
M. Kolbenschlag - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger mit renommierter Kanzlei in Berlin, schildert in seinem zweiten Erzählband "Schuld" erneut reale Fälle aus dem anwaltlichen Alltag, erzählt Geschichten aus der juristischen Praxis, die sich zumindest in ihren Grundzügen auch in der Realität so abgespielt haben.

Das ist spannend. Und unterhaltsam. Aber es ist viel mehr als das. Denn von Schirach erzählt nicht einfach nur kuriose und absurde, in irgendeiner Form spektakuläre Fälle, sondern all seine Geschichten führen uns etwas vor Augen: den oftmals unauflösbaren Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Recht und Rechtsempfinden. Von Schirachs Geschichten führen uns an die Grenzen und in die Grenzbereiche unseres Rechtssystems, dorthin, wo moralisch-sittliches Empfinden und im Gesetz verankerte Gebote, Verbote und Regeln sich konträr gegenüber stehen; dorthin, wo sich die Unzulänglichkeiten unseres Rechtssystems in aller Deutlichkeit offenbaren - und davon ausgehend stellt sich unwillkürlich die Frage nach der Schuld.
Nach der Schuld der Täter, die wegen Verfahrensfehlern oder anwaltlicher Cleverness freisgesprochen werden müssen; und auch nach jener der Anwälte, die dem Täter seinen Freispruch erst ermöglicht haben. Die Erzählungen machen also deutlich, was unser Rechtssystem leisten kann, insbesondere aber auch, was es nicht leisten kann, an welchen Stellen es versagt oder versagen muss.
Alle Geschichten schildern uns diese Problematik, aber jede einzelne tut dies aus einem anderen Blickwinkel. Und einige der Geschichten zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Denn von Schirach ist ein überaus beachtenswerter Erzähler. Das Geheimnis seines Erzählstils heißt Reduktion. Bei allem philosophischen Gehalt seiner Stories beschränkt er sich doch nur auf die wesentlichen Konflikte und Gedanken. Diese schildert er in meist kurzen Hauptsätzen, prägnant und präzise, ohne jede Weitschweifigkeit. Er erspart uns ästhetische Ergüsse, er lässt aus und spart ein, was ihm unnötig erscheint - ohne dass die Geschichten an erzählerischer Dichte verlieren würden. Sein Stil ist leicht und flüssig zu lesen, allerdings keineswegs simpel.
Im Gegenteil, sein raffinierter Lakonismus und seine Schnörkellosigkeit erinnern an keinen Geringeren als Ernest Hemingway, den Meister des sprachlichen Understatements.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Verbrechen und Strafe, Schuld und Sühne, 7. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Dass sich bei einem so rasch nachgeschobenen Buch der gleichen Manier das Niveau halten lassen würde, das der Autor in seinem Erstling "Verbrechen" adhoc erreichte, das haben wohl selbst Autor und Verlag nicht erwartet. "Schuld" wirkt wie eine Zusammenstellung derjenigen Geschichten, die man aus "Verbrechen" zunächst ausgeschlossen hat, weil sie qualitativ nicht ganz an die dort veröffentlichten Geschichten heranreichen. Die besten Geschichten in "Schuld" sind jedenfalls nicht besser als die schwächeren in "Verbrechen".

Die lakonisch-schroffen Sätze des erfolgreichen Strafverteidigers wirken nun, bei der zweiten Begegnung mit ihnen, schon etwas gekünstelt und lassen die Texte, die keinen so starken Inhalt haben, ins Banale abdriften. Als wollte er sich vorauseilend vor diesem Vorwurf schützen, hat von Schirach auch einen banalen Aristoteles-Satz zum Motto dieses Buches erkoren: "Die Dinge sind, wie sie sind." Viele Geschichten, die sind, wie sie sind, sind so kurz und knapp skizziert, dass sie kaum nachwirken. Auch hat sich der Verlag von dem Werbebanner mit der Aufschrift: "Es ist alles wahr!" verabschiedet, was wohl das Eingeständnis sein soll, dass der Autor nun häufiger das Terrain der puren Fiktion betreten hat (etwas, das man mit Blick auf die Schweigepflicht schon bei "Verbrechen" gemutmaßt hat). Das Ausgedachte merkt man einzelnen Geschichten auch an - eine Polizistin, die sich bei Fotografien von Leichen ("Der Koffer") gleich übergibt, das ist wohl mehr Filmklischee als Realität -, allerdings - und das versehe ich mit einem Ausrufezeichen - gereichen diese Momente den Erzählungen eher zu ihrem Vor- als zu ihrem Nachteil. So ist die durch eine Reihe komischer Zufälle geprägte Geschichte "Der Schlüssel", die eher an "Pulp Fiction" trifft "Soul Kitchen" erinnert als an einen authentischen Vorfall, ein Höhepunkt der Sammlung. Man hat das Gefühl eines entfesselt und von der Last der Authentizität befreit auftrumpfenden Autors, der sich jede erzählerische Freiheit nimmt, um die aberwitzige, schwarzhumorige Geschichte zweier Drogenhändler zu erzählen, deren verfressene Dogge den Schlüssel zu einem Schließfach mit 250.000 Euro verschluckt und damit eine Reihe folgenschwerer Vorkommnisse auslöst. Eine Dogge, die nach Verabreichung eines Abführmittels einen Maserati mit flüssigem Kot besudelt - wenn das keine filmreife Szene ist!
Die zweite längere Geschichte, "Die Illuminaten", sticht ebenfalls heraus. Auch hier ertappt man von Schirach dabei, wie er sich beim freien Fabulieren auf dünnes Eis begibt: Die Kunstlehrerin, die beim Anblick einer Folterszene tödlich verunglückt und der an sich schon dramatischen Geschichte um Internatszöglinge, die als Exekutivorgane eines selbst gebildeten Geheimbundes einen pickelgesichtigen Mitschüler quälen, eine ganz neue Wendung gibt: arg konstruiert, aber eben auch arg unterhaltsam.

Schließlich - und dieser Vorwurf wirkt schwerer als alle bisher vorgebrachten Einwände - fällt an "Schuld" ein Übermaß an geschilderten Sexualdelikten oder Akten des Sadismus auf, was das etwas ungute Gefühl im Leser hervorruft, dass Autor und Verlag sich der "Sex sells"-Maxime ein bisschen über das sittlich Vertretbare verschrieben haben. Wenn nach hundert Seiten ironischerweise unter dem Titel "Verlangen" der erste Text erscheint, der frei von den dunklen animalischen Trieben ist, weil nur ein paar Socken geklaut werden, wirkt das fast wie ein Feigenblatt.

Der Verlagslogik folgend wird es dieser Kritik zum Trotz bestimmt auch noch einen dritten Band dieser Art geben, der dann wahrscheinlich "Strafe" oder "Sühne" heißt. Oder wie wär's mit "Gericht"? Anschließend dürfte der Pfad aber wirklich ausgetreten sein und von Schirach wird mit einem epischeren Werk unter Beweis stellen müssen, dass er auch andere Erzählformen beherrscht. Er wird das schaffen. Ein kleiner Philip Marlowe ist der schreibende Anwalt, der sich in dem pointierten Schlusspunkt "Geheimnisse" mit dem Ich-Erzähler gleichsetzt, ja schon jetzt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die Sache mit der Schuld, 10. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Schuld: Stories (Gebundene Ausgabe)
Sind die Geschichten, die der erfolgreiche Anwalt dem Leser präsentiert, wahr? Mag sein, mag nicht sein. Und ist im Ürbigen auch völlig egal - sie könnten wahr sein und das reicht: häusliche Gewaltexzesse gibt es nämlich ebenso wie Täter, die ohne Strafe davon kommen. Und schließlich ist die Sache mit Schuld, Sühne, Recht und Gerechtigkeit eben doch komplizierter als man gemeinhin anzunehmen und auch zu tolerieren bereit ist. Diese Botschaft vermittelt von Schirach großartig, schnell,eindringlich und mit erzählerischer Präzision, wobei er nach meinem Geschmack am besten ist, wenn er kleine Alltagsgeschichten erzählt. Verirrt er sich ins Groteske,zum Beispiel bei Doggen, die Schlüssel verspeisen, oder Lehrerinnen, die vor Schreck den Unfalltod erleiden, wirkt alles etwas zu bemüht, zu angestrengt. Aber das kann man natürlich so oder so sehen - wie die Sache mit der Schuld.
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