Es darf wohl als schwierige, wenn nicht unlösbare Aufgabe gelten, auf dem knappen Raum der Bände aus der Reihe "C.H. Beck Wissen" einen "musikalischen Werkführer" zu Franz Schuberts drei Liederzyklen zu bieten. Im Grunde überzeugt Elmar Buddes Ansatz, die Zyklen als Ganze zu betrachten und sich nicht in Einzelanalysen der Lieder zu verheddern, so interessant das auch wäre. Das Buch setzt allerdings gute musikalisch-theoretische Vorkenntnisse voraus (Harmonielehre) - es ist eher für den Kenner mit Gewinn zu lesen, der die Noten zur Hand hat und die Beobachtungen anhand einer Aufnahme hörend nachvollziehen kann, und nicht für einen Liederabend-Besucher als allgemeinverständliche Einführung. Budde legt großes Gewicht auf die Tonartenrelationen zwischen den einzelnen Liedern eines Zyklus. Dem Text ist dabei, wie häufig bei musikalisch-analytischen Werken, nicht immer ganz leicht zu folgen, wenn man nicht wirklich die Musik im Ohr oder die Noten vor der Nase hat. Spannend sind zahlreiche kleine bis kleinste Details, die - zweifelsohne nur als Stichproben zu sehen - herausgestellt werden. So weist er Verfasser beispielsweise darauf hin, dass im bekannten Lied "Der Lindenbaum" die später volkstümlich gewordene Chorfassung von Friedrich Silcher sich an einer Stelle durch lediglich einen Ton von Schuberts Melodie unterscheidet. Silcher hatte hier eine vermeintliche Ungeschicklichkeit Schuberts ausgleichen wollen; tatsächlich jedoch kann man davon ausgehen, dass Schubert seines Handwerks so sicher war, dass hier klare Absicht vorliegt - eine Absicht, die sich als Element der Textausdeutung lesen lässt. Der Text wird durch einige Notenbeispiele aufgewertet, und am Ende findet sich immerhin ein kleines Glossar, das die wichtigsten musikalischen Fachtermini erklärt. Leider ist der Spagat nicht ganz geglückt: Für die Reihe, deren Titel im Grunde jedem Interessierten zugänglich sein wollten, ist Buddes Ansatz zu abstrakt und wenig anschaulich. Für einen an ein Fachpublikum gerichteten Analyseband sind die Ausführungen zu knapp geraten.