Schuberts c-Moll-Sonate, die erste der drei letzten Sonaten scheinen die Gewinner des Internationalen Schubert-Wettbewerbs in Dortmund besonders zu mögen. Filippo Faes, Preisträger 1989, hat sie auf seiner Sieger-CD eingespielt, auch Amir Katz, Gewinner des Jahres 2003, und jetzt auch der Japaner Motoi Kawashima, Preisträger des jüngsten Wettbewerbs 2005. Und an der Aufnahme hört man auch, wie der 33-Jährige sein Schubert-Spiel inzwischen verfeinert hat. Im Wettbewerb hat er die Sonate D 958 gespielt - auf der CD, die im Juli im Bochumer Thürmer-Saal aufgenommen worden ist, klingt sie noch spannender, dynamisch viel weiträumiger und in den wechselnden Tempi des ersten Satzes lebendiger. Versunkene Klang-Landschaften gräbt der Berliner in den runden, weichen Klängen des zweiten Satzes aus, brillant und federnd klingt die Rhythmik des Finale.
In Motoi Kawashimas Spiel vereinen sich wunderbar poetisches Denken und Hineinfühlen in die Musik mit einem brillanten Anschlag. Lyrisch und innig spielt er die Liszt-Transkription des Schubert-Liedes "Frühlingsglaube", brillant und temperamentvoll breitet er die virtuose Liszt-Fassung vom Lied ,,Auf dem Wasser zu singen" aus. Beide Bearbeitungen hat Kawashima auch 2005 beim Wettbewerb in Dortmund gespielt.
Viel geistige Tiefe und Substanz hat das Spiel des Japaners. Wenn er mit weichem romantischen Anschlag die dunklen, grüblerischen Klänge der Liszt-Transkription in ,,Isoldes Liebestod" von Wagner erkundet. Oder wenn er die Klavierstimmen in Tschaikowskys "Nussknacker"-Suite glitzern und funkeln lässt.
Diese Fassung der Ballettmusik von Mikhail Pletnev, der Kawashima mit einem elanvollen Spiel zum Teil orchestrale Klangfülle entlockt, ist ein besonderes Juwel - eine Entdeckung, die man sonst kaum in der Klavierfassung hören kann.