Vorneweg: in dem Buch sind verhaltenstherapeutische Tipps, die helfen können.
Jedoch hat die Autorin das Thema Depression komplett falsch verstanden.
Zitat: "Eine Depression ist keine Krankheit, aber sie ist auch keine Sünde [...]. Was sie wirklich ist: ein Denkfehler." (S. 33)
Dabei verkennt die Autorin, dass Depressionen international als Krankheit gelten; die WHO z.B. stuft eine Depression ab mittlerem Grad als schwere Erkrankung ein. Eine Krankheit die, nebenbei bemerkt, die bei den Betroffenen sehr großes Leiden verursacht und die Lebensqualität stärker einschränkt als Gesunde sich gemeinhin vorstellen können.
Die depressiven Denkschemata, die bei Depressiven auftreten, sind kein "Denkfehler" wie es die Autorin nennt, sondern eine Folge bzw. ein Symptom der Erkrankung.
Depressionen haben haben eien körperlichen Auslöser, nämlich zu niedrigen Spiegel der Neurotransmitter Serotonin- und/oder Noradrenalin, und das löst u.a. Symptome wie depressive Denkweisen aus. Eine unipolare Störung, also eine Depression ist kein Denkfehler, sondern eine Stoffwechselerkrankung des Neurotransmitter-Stoffwechsels.
Denkfehler sind nicht medikamentös behandelbar, Depressionen sind es. Moderne Antidepressiva sind keine Happy-Pills, sondern helfen
die Neurotransmitterspiegel an den von Gesunden anzugleichen.
Mir wird etwas mulmig bei dem Gedanken, dass eine Fachärztin, die die wohl häufigste psyschosomatische Erkrankung, nämlich die Depression, scheinbar völlig falsch versteht, auf Patienten losgelassen wird.
Was die Autorin ebefalls nicht deutlich genug hervorhebt: eine Depression ist, ab einem gewissem Schweregrad, nicht mehr allein durch Verhaltenstherapie zu heilen. Ab einem gewissen Schweregrad sind manche Depressive gar nicht fähig, ohne Medikamente eine Psychotherapie erfolgreich zu durchlaufen. Die Mehrheit der Experten emphielt ab mittlerem Schweregrad dringendst eine Kombination aus medikamneöser und therapeutischer Behandlung. Da Depressionen bei ausbleibender oder falscher Behandlung zu einer Selbsttötung des Betroffenen führen können, halte ich es für unzumutbar und verantwortungslos, nicht deutlich genug darauf hinzuweisen, dass Betroffene sich schnellstmöglich in kompetente fachärztliche Behandlung begeben müssen, um dann je nach Fall die passende Behandlung (psychotherapeutisch, medikamentös oder kombiniert) verordnet zu bekommen.
Wer Depressionen ernsthaft verstehen will und dann auf Basis des Verstehens Auswege (für sich oder betroffene Angehörige/Freunde) sucht, sollte dieses Buch meiden und statt dessen das sehr gute Buch "Depressionen überwinden" von der Stiftung Warentest lesen.
Aufgrund der Selbsttötungsgefahr (siehe Robert Enke u.v.a.) und des Leides, das eine Depression verursachen kann, kann ich nur nachdrücklich davor warnen zu denken, eine Depression wäre auf die leichte Schulter zu nehmen und zu denken, "so was" sei mit einem Buch lösbar.
Dies mag bei weniger schweren Fällen zwar hin und wieder zutreffen, aber man sollte sich keinesfalls darauf verlassen. Sondern betroffene Freunde oder Angehörige (bzw. sich selbst, falls man selbst betroffen ist) so rasch wie möglich zum Aufsuchen eines Facharztes motivieren.
Wie gesagt, eine Depression ist kein Denkfehler, sondern eine schwerwiegende Erkrankung, derer man sich nicht schämen muss. Man schämt sich ja meistens auch nicht, bei einer Diabeteserkrankung einen Facharzt aufzusuchen. Und eine Depression ist, wie Diabetes, eine Krankheit, die durch Stoffwechselstörungen verursacht wird.