Dieses Kalligrafiebuch überwältigt mit seiner Gegenüberstellung von Fotografie und Kalligrafie, die die fotografierten Naturstrukturen aufnimmt. Ich habe das ganze Buch erst mal durchgeblättert und die Beispiele verschlungen, bis ich gemerkt habe, dass auch Anleitungen zum Schreiben dabei sind. Die kurzen Texte auf vielen Seiten beschreiben Veränderung durch Schreibduktus, verwendete Federn (interessant ist die Cola-Feder!), unterschiedliche Farben, Einfluss der gewählten Papiersorte, farbige Ausgestaltung usw.
Das Buch bietet für das künstlerische Schreiben und Schriftkunst eine unendliche Menge an Anregungen. Ein bißchen Neid kann aufkommen, denn die Autorin schreibt auch klassische Beispiele perfekt, nicht nur die experimentellen (oft nicht leserlichen) Schriftkunstbespiele.
Was das Buch nicht enthält, sind grundlegende Dinge,z.B. wie welche Schrift geschrieben wird, wie man ein selbstgeschriebenes Layout setzt usw. Das ist für mich keine Nachteil, denn solche Bücher habe ich schon. Die Autorin möchte Kalligrafen, die schon die Grundlagen beherrschen, oder Künstlern, die sich frei mit Schrift beschäftigen möchten, den Weg zum eigenständigen Kunstwerk öffnen. Anfänger werden von den Bildern begeistert sein, könnten aber eventuell überfordert sein, danach zu arbeiten. Für mich ist dieses Buch eine absolute Bereicherung, wer ein grundlegendes Einsteigerbuch für Kalligrafie zum Üben verschiedener Schriften sucht, sollte ein anderes Buch kaufen. Die nicht vorhandenen Grundlagen sind für mich kein Mangel, das das Buch seine Schwerpunkte an anderer Stelle hat. Deswegen 5 Punkte!