Noch keine Rezension? Dann möchte ich ganz rasch die Empfehlungstrommel rühren: wenn Sie Internationale Politik, Politische Philosophie oder Geschichtsphilosophie tiefer bearbeiten wollen (oder auch: müssen), ist Kants geschichtsphilosophische Schriften ein Muss wie ein Genuss. Bei mir ist das Bändchen gut gefleddert.
Inhalt: Enthalten sind nach 17 Seiten Einführung sieben kürzere Schriften Immanuel Kants, nämlich:
1) Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht
2) Rezensionen von J.G. Herders 'Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit'
3) Mutmaßlicher Anfang der Menschengeschichte
4) Über den Gebrauch teleologischer Prinzipien in der Philosophie
5) Über den Gemeinspruchh ' Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis' [Diesen Spruch wird man sich nach dem Lesen nie mehr über die Lippen kommen lassen]
6) Das Ende aller Dinge
7) Der Streit der Fakultäten [...] Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei
8) Ausgewählte Reflexionen aus dem Nachlass zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie und Historiographie.
Gerade bei Philosophie soll nicht dem eigenen Lesen vorgegriffen werden. Über jedes der genannten Werke kann man ins Grübeln kommen, zumal Kant klar formuliert und schwer auszukontern wäre.
Stil: Im Vergleich zu Kants Kritiken ist der Königsberger in dieser eher kurzen Form geradezu verständlich. Gewiss, er drechselt zuweilen lateinisch-lange Sätze, und er setzt noch historisches und philosophisches Basiswissen voraus. Doch auch kurze prägnante Punkte sind sein Ding hier. Diese eingestreuten Aphorismen allein wären die Lektüre wert. Sein berühmtes antiperfektionistisches Diktum sei hier als Beispiel wiedergegeben (S. 29): "[...] aus so krummem Holze als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden."
Aufmachung: ca. 270 gewohnt karge enge Reclamseiten, dadurch gut transportier- und finanzierbar. Die Literaturliste ist bis zu einer Neuauflage nur bedingt heranzuziehen, da von 1985.
Was an den fünf Sternen nichts ändern soll.