Nachdem Schreker eine gewisse Renaissance durch verschiedene Aufführungen von unter anderem "Der Schätzgräber" und "Die Gezeichneten" erlebt hat gibt es nun mit der Salzburger Aufführung der Gezeichneten eine seiner Opern auch als DVD.
Wenn man Schrekers ständig vor lauter Extase explodieren wollende Musik mag, dann ist diese DVD ein wahres Fest. Kent Nagano dirigiert schwelgerisch und rauschend, wobei die dichte Textur Schrekers Musik immer durchhörbar bleibt. Er schafft damit die richtige Atmosphäre für die Entfaltung des Dramas über Liebe, Lust und Leidenschaft. Robert Brubaker singt den Alviano für meinen Geschmack nicht immer sehr klangschön, aber dafür mit der notwendigen Hingabe. Man glaubt ihm seinen Vortrag jederzeit. Anne Schwanewilmsens Carlotta ist in der Darstellung entfernter, sanglich aber mehr als angemessen. Das Duett gegen Ende des zweitens Aktes hat mich entsprechend vom Stuhl gerissen. Michael Volle nimmt man den wollüstigen Vitelozzo ebenfalls ab.
Bühnenbilder und Kostüme sind Geschmackssache. Ob man Alviano unbedingt zu einer Art Tunte machen muß lasse ich dahingestellt. Aber in der Personenregie heben sich die Darsteller durchaus von den üblichen statischen Gesten ab und zeigen die Lebendigkeit des Dramas, sodaß der optische Eindruck durchaus überzeugen kann.
Technisch ist die DVD äußerst gelungen. Die Bildregie ist abwechslungseich und der Handlung angemessen, es gibt auch zahlreiche Nahaufnahmen. Das Bild ist ruhig und scharf. Der Ton läßt in DTS Schrekers Klangpalette fein nuanciert leuchten und hat ausreichende Reserven für größere Klangmassierungen. Der Rest der Ausstattung ist Standard.
Eine Opern-DVD die wirklich Spaß macht und nachempfinden läßt, warum 2005 diese Aufführung so bejubelt wurde. Bravo!