Schon der Umschlag könnte den potentiellen Leser abschrecken: Die düstere Fotografie eines Lagerzauns. Wer sich aber auf eine Reise in die Finsternis gefasst macht, wird überrascht, denn Semprun beschreibt nicht nur die Begegnung mit dem absolut Bösen, sondern auch die Brüderlichkeit, die sich dem Bösen entgegenstellt. So ist sein Buch eine Hymne an das Leben und an die Menschlichkeit im Angesicht des Todes.
Sempruns Buch beginnt mit der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Die Erinnerung an die Befreiung wird ihm zum Anlass, sich auch an das zu erinnern, was vorangegangen ist: Die Zeit im Lager ebenso wie der Kampf in der französischen Resistance, die ihr vorangegangen ist. Das Todeserlebnis des Lagers bleibt, auch wenn Semprun nach der Befreiung zu neuem Leben erwacht und begeistert seine Liebe zur Literatur, zum Jazz und zu den Frauen besingt.
Zunächst muss sich Semprun zwischen Schreiben und Leben entscheiden; er erträgt es nicht, sich als Autor in die Todeszone zurückzubegeben. Aber das Buch erklärt auch, warum das fünfzehn Jahre später anders war, warum Semprun seine Tätigkeit als kommunistischer Aktivist aufgeben konnte und sich seiner Erinnerung stellte.
Ein bewegendes Werk in einer Sprache von lyrischer Genauigkeit.