Kurzbeschreibung
Der Band, am 7. März ergänzt um eine ganz neue Kurzgeschichte: "Schreiben - Leben"
Textauszug:
Einem Kritiker habe ich das Schreiben beigebracht. Seine Literatur ist plötzlich lesbar geworden. Nicht mehr so antiquiert-gedrechselt-verstaubt. Der Ton kommt mir unverschämt bekannt vor. Auf die Besprechung meines Romans, den ich ihm vor Monaten zugeschickt habe, warte ich vergebens. Er hat ihn gelesen, das sehe ich jetzt, schwarz auf weiß. Auf den Schreck koche ich mir erst mal einen Kaffee. Wie viele Bücher sind schon in Kritiker-Schubladen vor die Hunde gegangen? – Nein, vor die Hunde gehen geht gar nicht! Besser: Aus Büchern entstehen Bücher. Das klingt versöhnlicher und ist unfreiwillig komisch...
Fünf Stunden Prunksitzung. Grauenvolle Vorstellung! Sprühende Ideen ausschließlich unter der Gürtellinie. Neben mir sitzt der Vorsitzende des veranstaltenden Sportvereins, vom Alkohol schon schwer gezeichnet. Mit seinem dicken Zeigefinger trommelt er auf meinem Notizblock rum. „Schreiben Sie das für Ihre Zeitung nur schön alles auf!“, lallt er und klatscht mir bei jedem Tusch auf die Schenkel. Um halb eins ist Schluss. Zu Hause empfängt mich der säuerliche Kommentar meines Mannes: „Kommst du auch schon?“
Während alle anderen jetzt zu Bett gehen, fängt meine Arbeit an. Ich bekomme 111 Zeilen bei 35 Anschlägen. Weiß einer, wie wenig das für fünf Stunden Sitzung ist? Also ändere ich die Erzählzeit, den Ton: Rein ins Präsens, in die Kurztaktigkeit. So entsteht ein lebhafter Bericht, der Lust aufs Weiterlesen macht, aller Dümmlichkeit zum Trotz.
Der Vereinsvorsitzende, montags wieder nüchtern, ist hellauf begeistert und ruft mich an. Ob er den Text auf seiner Homepage verwenden dürfe?, fragt er. – Kein Problem, sage ich, nein, das macht mir nichts aus...
Ein Kleintierzüchter steht vor meiner Tür. Ob ich ihm ein Porträt schreiben könnte, für seine Verbandszeitschrift. Der Redakteur dort habe versprochen, seine Erfolge zu drucken, nur Text und Fotos müsse er selbst liefern. Ich hätte doch bestimmt Zeit, daraus so eine richtig gute Geschichte zu machen! Ich lasse mich breitschlagen: Na gut, warum nicht?
Nach vier Wochen bekomme ich ein Exemplar in die Hand: Der Redakteur hat meinen Bericht veröffentlicht: allerdings unter seinem eigenen Namen. – Nein, kein Problem, ich bin ja nicht nachtragend...
Fünf Kurzgeschichten rund ums Schreiben hat Barbara Krauß in diesem E-Book versammelt: Texte, mal heiter, mal nachdenklich.
"Schreiben Sie!"
"Wort: Los!"
"Ich gehe zu Fuß"
"Frohe Weihnachten!"
"Schreiben - Leben"
Barbara Krauß erhielt für ihre Arbeit an ihrem Roman "Vincent. Stationen eines Abschieds" den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz.
Mehr Bücher von Barbara Krauß finden Sie auf ihrer Autorenseite.
Textauszug:
Einem Kritiker habe ich das Schreiben beigebracht. Seine Literatur ist plötzlich lesbar geworden. Nicht mehr so antiquiert-gedrechselt-verstaubt. Der Ton kommt mir unverschämt bekannt vor. Auf die Besprechung meines Romans, den ich ihm vor Monaten zugeschickt habe, warte ich vergebens. Er hat ihn gelesen, das sehe ich jetzt, schwarz auf weiß. Auf den Schreck koche ich mir erst mal einen Kaffee. Wie viele Bücher sind schon in Kritiker-Schubladen vor die Hunde gegangen? – Nein, vor die Hunde gehen geht gar nicht! Besser: Aus Büchern entstehen Bücher. Das klingt versöhnlicher und ist unfreiwillig komisch...
Fünf Stunden Prunksitzung. Grauenvolle Vorstellung! Sprühende Ideen ausschließlich unter der Gürtellinie. Neben mir sitzt der Vorsitzende des veranstaltenden Sportvereins, vom Alkohol schon schwer gezeichnet. Mit seinem dicken Zeigefinger trommelt er auf meinem Notizblock rum. „Schreiben Sie das für Ihre Zeitung nur schön alles auf!“, lallt er und klatscht mir bei jedem Tusch auf die Schenkel. Um halb eins ist Schluss. Zu Hause empfängt mich der säuerliche Kommentar meines Mannes: „Kommst du auch schon?“
Während alle anderen jetzt zu Bett gehen, fängt meine Arbeit an. Ich bekomme 111 Zeilen bei 35 Anschlägen. Weiß einer, wie wenig das für fünf Stunden Sitzung ist? Also ändere ich die Erzählzeit, den Ton: Rein ins Präsens, in die Kurztaktigkeit. So entsteht ein lebhafter Bericht, der Lust aufs Weiterlesen macht, aller Dümmlichkeit zum Trotz.
Der Vereinsvorsitzende, montags wieder nüchtern, ist hellauf begeistert und ruft mich an. Ob er den Text auf seiner Homepage verwenden dürfe?, fragt er. – Kein Problem, sage ich, nein, das macht mir nichts aus...
Ein Kleintierzüchter steht vor meiner Tür. Ob ich ihm ein Porträt schreiben könnte, für seine Verbandszeitschrift. Der Redakteur dort habe versprochen, seine Erfolge zu drucken, nur Text und Fotos müsse er selbst liefern. Ich hätte doch bestimmt Zeit, daraus so eine richtig gute Geschichte zu machen! Ich lasse mich breitschlagen: Na gut, warum nicht?
Nach vier Wochen bekomme ich ein Exemplar in die Hand: Der Redakteur hat meinen Bericht veröffentlicht: allerdings unter seinem eigenen Namen. – Nein, kein Problem, ich bin ja nicht nachtragend...
Fünf Kurzgeschichten rund ums Schreiben hat Barbara Krauß in diesem E-Book versammelt: Texte, mal heiter, mal nachdenklich.
"Schreiben Sie!"
"Wort: Los!"
"Ich gehe zu Fuß"
"Frohe Weihnachten!"
"Schreiben - Leben"
Barbara Krauß erhielt für ihre Arbeit an ihrem Roman "Vincent. Stationen eines Abschieds" den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz.
Mehr Bücher von Barbara Krauß finden Sie auf ihrer Autorenseite.
