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Im Schreiben zu Haus. Wie Schriftsteller zu Werke gehen. Fotografien und Gespräche
 
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Im Schreiben zu Haus. Wie Schriftsteller zu Werke gehen. Fotografien und Gespräche [Gebundene Ausgabe]

Herlinde Koelbl
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Herlinde Koelbl
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Fotografin Herlinde Koelbl ist seit ihren Jüdische[n] Portraits dafür bekannt, daß sie nicht nur eine Meisterin mit der Kamera ist, sondern auch eine sensible und gut informierte Interviewerin.

In ihrem neuen Bildband Im Schreiben zu Haus, knöpft sie sich die nicht ganz einfach zu handhabende Gruppe der Autoren vor. Sie besucht sie zu Hause, schaut ihnen beim Schreiben auf die Feder oder in den Laptop und in den aufgezeichneten Gesprächen erfährt der Leser eine ganze Menge über die Eigenheiten seiner Favoriten.

Wie gehen sie zu Werke, wann küßt sie die Muse und mit welchen Hilfsmitteln notieren sie ihre Texte?

So arbeitet, das heißt schreibt, Peter Bichsel am liebsten in Eisenbahnzügen und H. C. Artmann braucht zur Inspiration das Hämmern der Tasten seiner uralten Schreibmaschine. Viele junge Autoren, wie Ingo Schulze beispielsweise, können sich ein Schreiben ohne Notebook gar nicht mehr vorstellen.

Und die Einrichtung der Arbeitszimmer spricht Bände. Da herrscht das pure Chaos bei Friederike Mayröcker, oder es gibt das gemütliche Durcheinander bei Bichsel. Die Tür öffnet sich für die Kamera bei Reiner Kunze und gibt den Blick frei auf eine asketische Klause. Hier ist auf dem Schreibtisch nicht ein einziges Blatt Papier zu finden.

Herlinde Koelbl hat aber auch schwierige Kunden wie Sten Nadolny, der sich weigert, Besuch in seinem Arbeitszimmer zu empfangen, da er danach nicht mehr in der Lage ist, dort ungestört zu schreiben und Hans Magnus Enzensberger zieht die Trennung zwischen privater Wohnung und Arbeitswohnung vor.

So unterschiedlich wie ihre Bücher sind die aufgesuchten Autoren und eine Spezialität von Herlinde Koelbl ist das individuelle Eingehen auf jeden von ihnen. Auch wenn nicht alle gleich auskunftsfreudig sind, so bieten sie wunderbare Einblicke in ihr Schaffen. Wer vermutet, daß Peter Handke seine Romane mit langen, feingliedrigen Dichterhänden verfaßt, den belehrt der unbestechliche Blick der Kamera eines anderen. Seine Hände tragen unübersehbar die Spuren intensiver Gartenarbeit. Erschreckend und anrührend zugleich ist das schmale, von der Krankheit zerfurchte und gezeichnete Gesicht Jurek Beckers, der in großer Gelassenheit über seinen heranrückenden Tod spricht.

Im Schreiben zu Haus ist ein Bildband zum Schauen, Schmökern, Blättern, der das Herz jedes Literaturfreundes höher schlagen läßt und wer es nicht verschenken möchte, der sollte sich selbst damit etwas Gutes tun.

Und die Aussage Enzensbergers bewahrheitet sich beim Lesen dieses außergewöhnlichen Buches überhaupt nicht: "Das Interessante an Schriftstellern sind ihre Bücher. Persönlich sind viele Autoren ausgemachte Langeweiler." Im Gegenteil: Die Menschen hinter ihren Texten sind so spannend wie ihre Bücher. --Manuela Haselberger

Neue Zürcher Zeitung

«Hassen Sie sich?»

Bei Schriftstellern zu Haus – Photographien und Gespräche

köh. «Es ist etwas Scheussliches, das Leben!» sagt Peter Bichsel; andererseits stellt er sich auch den Himmel grässlich vor: ohne Ärger, Depressionen, Rotwein und Langeweile. Wo er seinen Ärger hat, ist er zu Hause: in Solothurn, und das nun schon die grösste Zeit seines Lebens. Die Photographin Herlinde Koelbl hat ihn dort besucht und gefragt, womit und warum er schreibe und ob er nicht lieber tot wäre. Das hat sie noch andre gefragt, so unbefangen, und ist damit erstaunlich weit gekommen: 22 Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben ihr die Tür zu ihrem Heiligsten geöffnet; sogar Peter Handke hat seine Pariser Waldeinsamkeit stilvoll ins Bild rücken lassen. Von Jurek Becker bis Christoph Ransmayr, von Ernst Jünger bis Herta Müller, von Elfriede Jelinek bis Durs Grünbein, von der Dichterklause des Hermann Lenz bis zu Friederike Mayröckers «unvorstellbarer Zimmerumgebung»: ohne Scheu und meistens unprätentiös haben die Autorinnen und Autoren der Photographin ihre Hände, Haustiere und privaten Devotionalien vors Objektiv gerückt; nur Robert Schneider – «ich habe mir ein Zuhause für meinen Schmerz geschaffen» – posiert halbnackt in seidenen Kissen als Venus' Bruder.

Leere Räume und volle Aschenbecher, das Kirchlein vorm Fenster und die Steuerakten im Schrank – natürlich kann man sofort erkennen, dass Interieur und Schrift, Geschmack und Charakter, kurz: Text und Person sich mehr entsprechen, als vielen Schriftstellern lieb ist. Man sieht ja ohnehin sehr gerne, wie andere wohnen, und macht sich schnell einen Reim auf den Blumentopf und das Sofakissen, den Lampenschirm und die Bücherordnung, den Teddybären und seinen Besitzer. Bei Schriftstellern, die unsere Phantasie bewohnen, rückt der Blick ins Privatgemach den Dichter eher ein Stück in die Ferne – er wird nun ganz und gar Person: ein Fremder.

Herlinde Koelbl muss es anders gegangen sein; als Photographin ist sie diskret, als Gesprächspartnerin rückt sie den Porträtierten mit ihren Fragen ungeniert auf den Leib. Warum schreiben Sie, wer waren Ihre Vorbilder, haben Sie Angst vor dem Alter, wie steht's mit dem Tod, denken Sie, dass Frauen die Stärkeren sind, ist Ihr Schreiben autobiographisch geprägt, finden Sie den ersten Satz leicht, hassen Sie sich, sind Sie ein unverträglicher Mensch – wer so naiv und ohne Hemmungen fragt, bekommt weitreichende Antworten; nur Enzensberger blieb wortkarg und kühl wie sein Aktenschrank. Hans-Joachim Schädlich sagt gleich, es sei uninteressant, mit ihm zu reden, und Martin Walser schafft es trotz rhetorisch ausgefuchster «Mitteilungsabstinenz» doch nicht ganz, gar nichts von sich zu sagen – es ist eben «nichts ohne sein Gegenteil wahr». Wahr ist auch, was Peter Bichsel der Interviewerin mit auf den Weg gibt: «Das, was Sie an dem Gespräch interessiert, interessiert mich als Frage genauso. Nur möchte ich die Antwort nicht wissen.» Doch auch wenn Schriftsteller Leute sind, denen mehr an den Fragen als an den Antworten liegt, widerlegt dieser schön gestaltete Band auch ästhetisch Enzensbergers Bescheid: «Persönlich sind viele Autoren ausgemachte Langweiler.» Da muss Frau Koelbl Glück gehabt haben.


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Politbuch
Format:Gebundene Ausgabe
Sind wir nicht alle ein bisschen neugierig? Gönnen wir uns den Schlüssellochblick nicht mit gewissem Vergnügen?

In diesem Fall dürfen wir es: Herlinde Koelbl, eine der besten deutschen Fotografinnen, hat ein sehr privates Buch über moderne deutsche Dichter und ihre Arbeitszimmer veröffentlicht. Da ist Peter Handkes einsame Dichterklause, die Hand, die den Stift führt, die Handschrift, die der Graphologe ohne weiteres erkunden kann, die Auskunft vieler Autoren auf neugierige Fragen Koelbls. Es macht Spaß, in diesem Buch zu blättern, Sarah Kirsch über die Schulter zu blicken, ihren altertümlichen Sekretär und die sieben Füller zu sehen, mit denen sie schreibt, Raoul Schrotts Notizbuch zu sehen, das fast so aussieht, wie mein eigenes, Friederike Mayröckers unglaubliche Unordnung in einem sagenhaften Durcheinandertal - genannt Arbeitszimmer - zu entdecken.

Kurzum: Herlinde Koelbl ist der wohl schönste Bildbände über deutsche Dichter gelungen. Großes Kompliment!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die berühmte Fotografin Herlinde Koelbl hat ein wunderbares Buch über Schriftsteller und ihre Schreibgewohnheiten herausgebracht. Nicht nur die Fotografie ist (wie bei ihr üblich) bemerkenswert, sondern herausragend gut sind ebenso ihre einfühlsamen Interviews mit den Literaten. Sie sind allesamt so angelegt, dass man am Ende die logische Kongruenz zwischen den fotografierten Arbeitsräumen und dem seelischen Innenleben der Schreibenden begreift. Den allervollgestopfesten, chaotischsten Arbeitsraum kann man auf Seite 139 sehen, er gehört Friederike Mayröcker, die von sich im Interview sagt (nach der Frage: "Ihr Zimmer wirkt ja ein bisschen wie ein Rückzugszimmer ..."): "Ja, und meine Haare sind wie eine Tarnkappe... Ich habe mich immer schon vor der Welt versteckt. Schon als Kind bin ich unter den Schreibtisch meines Vaters gekrochen ..." Durch großen Minimalismus fällt hingegen das Arbeitszimmer des Lyrikers Reiner Kunze auf (Seite 43). Natürlich klopft Herlinde Koelbl auf den entsprechenden Busch mit der Frage: "Ihr Arbeitszimmer ist sehr aufgeräumt und reduziert..." Kunze antwortet: "Vor einem Berg unerledigter Post kann ich mich nicht zum Schreiben hinsetzen ..." und etwas später: "Um zu überleben, brauchen Sie fast nur Brot und Wasser. Aber dann käme bei mir wohl das Schreiben..." - Das ist nun in der Tat minimalistisch nicht nur möbliert, sondern auch gelebt! Der Arbeitsraum des sympathischen Robert Gernhardt (Seite 176) birgt natürlich Staffelei und Zeichentisch, Schreibmaschinen-Eck und Sudelbücher-Ablage, perfekte Schubladenschränke für DIN A 0-Grafiken sowie eine Leiter nach oben (für Katzen?). Logisch fragt Koelbl nach den drei ICH's des Robert Gernhardt, der im sensibel geführten Gespräch dann allmählich zu der Einsicht gelangt, dass Wilhelm Busch auch erst als Maler, dann aber als Cartoonist und Dichter auf sich aufmerksam gemacht habe. Eine solche Dreiteilung der Begabung sei nun einmal ideal geeignet, sich niemals zu langweilen. Nun, möchte der Rezensent gerne hinzufügen: Auf den über 250 großflächigen Seiten dieses Koelbl-Werkes gibt es wahrlich auch nirgendwo die Möglichkeit, sich zu langweilen ...
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zu Besuch im Schreibzimmer 5. Oktober 2002
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
"Im Schreiben zu Haus" kommen verschieden Autorinnen und Autoren zu Wort. In den von Herlinde Koelbl geführten Gespräche erfährt der Lesende wenig über das Ringen mit Inhalten oder dem Schreiben als Prozess an sich. Dafür erhält man mittels wunderschöner schwarz/weiss Bilder einen Einblick über das das Wie (mit Laptop, Bleistift, Füllfeder ...) und Wo (Zuhause, im Café, im Zug ...) des Schreibens. Auch die Gespräche sind spannend - vor allem wenn die Schreibenden über ihre Stellung in der Gesellschaft sinnieren.
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