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Schreiben. Konkursbuch 44
 
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Schreiben. Konkursbuch 44 [Broschiert]

Claudia Gehrke , Regina Nössler
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

LesbenRing-Info-Brief Juni 2006

„Ein prall volles Buch übers Schreiben – lediglich ungezählte Rechtfertigungen derer, die glauben schreiben zu können? Ist so was überhaupt interessant, lesbar? In dürren Worten: Es ist!“

Siegessäule August 2006

„Ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen der Textproduktion.“

Kurzbeschreibung

Buchstaben, Poesiealben, Tagebücher, Spickzettel, Postkarten, Liebesbriefe... Was geschieht beim Schreiben in unserem Kopf – und warum tun wir uns diese oft mit Qualen verbundene „endlose Plackerei“ (Virginia Woolf) überhaupt an? Sind es denn Qualen – oder bedeutet Schreiben Lust? Und wenn ja, wie fühlt sich diese Lust an? Die Erotik des Schreibens – unterschiedliche Papiersorten und Schreibwerkzeuge. Vielfältigste Textsorten: von der Bedienungsanleitung über den Groschenromanen bis zu „Herzbluttexten“. Zettelwirtschaft und Schreibexzesse. Kritzeleien und Kalligraphie. Und über das literarische Schreiben...

Über den Autor

Claudia Gehrke, Verlegerin, Herausgeberin von „Mein heimliches Auge“, "Losgelegt hatte Claudia Gehrke mit einem großen Versprechen: die in unserer christlich determinierten Kultur gefesselt und geknebelt gehaltenen Ausdrucksformen der körperlichen Sinnlichkeit (wieder ein-) zu üben. Etwas Erstaunliches sollte geschehen: es ist ihr gelungen, mit Fotografie und Bildender Kunst, Prosa und Lyrik jedweder sexuellen Inszenierung Raum zu schaffen, ohne den Eros zu zerstören." (Stuttgarter Zeitung)

Regina Nössler studierte Germanistik, Film- und Fernsehwissenschaften in Bochum und lebt in Berlin als freie Autorin und Lektorin. Sie veröffentlichte u.a. die Romane »Strafe muss sein«, »Wahrheit oder Pflicht«, »Eifersüchtig durch den Winter« und die Erzählbände »Wie Elvira ihre Sexkrise verlor« und »Alltag tötet«. Mitherausgeberin der konkursbücher »Blut«, »Haare«, »Haut« und von »Mein Lesbisches Auge 1-4«

Auszug aus Schreiben von Regina Nössler, Claudia Gehrke. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Das Telefon klingelt. Es ist Uwe, mal wieder Gemütlichkeit in Person.
„Machst’n heute?“, gähnt er behaglich.
„Was soll ich schon machen! Arbeiten.“
Sage ich so. Tatsächlich starre ich seit drei Stunden apathisch auf das leere Dokument auf meinem Bildschirm. Fühle mich gelähmt, leblos, nutzlos, unfähig. Zudem muss mein Kopf voller Beton sein, denn meine Stirn droht immerfort auf die Tastatur zu knallen.
„Echt?“, fragt Uwe mit leichtem Unglauben. „Du willst arbeiten? Bei diesem Wetter? Kuck doch mal raus.“
Draußen ist ein wunderschöner Sommertag. Das kann ich an dem Kästchen mit dem blauen Himmel sehen, hoch oben überm Hinterhof. Uwe will zum See, baden. Sofort drängt sich mir der Gedanke auf: Ich schaffe heute eh nichts, soll ich nicht einfach mit dem Picknickkorb ...?
Faules Stück! Faules Stück!
Ich sage Uwe ab. Es kostet meine ganze Überzeugungskraft. Erschöpft blicke ich wieder aufs leere Dokument. Lausche auf eine Idee, auf Inspiration. Doch nichts.
Als nächstes ruft meine Mutter an.
„Das ist so schön, dass man dich immer erreichen kann ...“ Sie richtet sich auf ein ausführliches Gespräch ein. „Deine Geschwister haben ja nie die Zeit! Zwölf Stunden ist dein Bruder jeden Tag im Büro, das muss man sich mal vorstellen ... - Übrigens“, sagt sie irgendwann. „Deine Tante Margot kommt nächste Woche nach Berlin. Wo doch das Wetter so schön bleiben soll. Ich habe ihr gesagt, dass du ihr die Stadt zeigen wirst, sie soll sich keine Sorgen machen. Du weißt doch, sie ist allein so hilflos ...“
„Warte kurz, Mutter!“ Ich lege das Telefon ab und laufe zur Tür. Es ist der Postbote, er grinst mich an, heute mit vier Paketen unterm Arm. Er weiß inzwischen, dass ich vormittags immer anzutreffen bin und versucht es erst gar nicht woanders.
Für mich hatte er noch nie etwas dabei.
Nachdem die Paketsendung verstaut und das Telefonat beendet ist, kucke ich unglücklich auf den kleinen Fleck blauen Himmel. Ob ich mich doch kurz in den Park lege? Ich könne Stift und Zettel mitnehmen und ein paar Notizen zum aktuellen Kapitel machen ...
Faules Stück! Faules Stück!
Schon wieder das Telefon. Dieses Mal ist es mein Vater, meine Eltern werden nie lernen, sich abzusprechen. „Hab ich dich geweckt?“
Jetzt reicht es mir aber!
„Schon gut, schon gut“, sagt er. „Kann ich doch nicht wissen, dass du seit acht auf bist. Wegen des schönen Wetters, nicht wahr?“
Wieder einmal frage ich mich: Was denken die eigentlich alle von mir? Dass ich – Schriftsteller eben – nachts durch Clubs und Kneipen ziehe, Rotwein saufe, Männer aufreiße, die Tage dann im Bett verbringe? Und die Bücher schreiben sich von allein!?
Es ist ohnehin schwer genug, mit der täglichen Disziplin zu kämpfen, solche Querschüsse helfen wenig. Denn das eigentlich Ärgerliche an dieser Ignoranz ist – ich gestehe es ein – dass mein Umfeld mit dieser Einschätzung nicht alleine steht. Mein innerer Schweinehund denkt über das Leben eines Schriftstellers ganz ähnlich. Und fühlt sich wieder einmal bestärkt. Ich höre ihn schon flüstern: Siehst du, Stefan! Es glaubt dir ohnehin keiner! Gib’s doch endlich auf!
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