Ein junger Mann mit Rucksack und Kniebundhosen verabschiedet sich von den Seinen, wandert los in einen Bergsee, über dessen Grund - und kommt am Titicaca-See in Bolivien wieder ans Ufer. So erzählt in dem Roman von Stefanie Kremser (auch Drehbuch) und dessen Verfilmung die Legende, wie Alois (Florian Brückner/Luis Bredow) einst aus Fernweh nach Bolivien gekommen sei, sich dort in Elena (Agar Delos) verliebt habe.
Heute hält die betagte Elena Alois' Liebe in Ehren, zeigt ihrer Enkelin Alfonsina (Júlia Hernandez) Fotos, trägt das Dirndl, das Alois ihr einst geschenkt hat. Alfonsina ist vierzehn, ein Mädchen zwischen Schüchternheit und Neugier, bittet Touristen, ihr Postkarten aus deren Heimat zu schicken. Als der junge Bayer Daniel (Friedrich Mücke) auftaucht, entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die sehr der von Oma Elena ähnelt.
Eine bayrische Heimatgeschichte an den Titicaca-See zu verlegen, ist eine schöne Idee. Regisseur Thomas Kronthaler setzt sie oft bezaubernd um. Júlia Hernandez spielt einen fazettenreichen wie glaubhaften Teenager, langsame wunderschöne Landschaftsbilder, subtile Andenklänge und hübsche Details sorgen für eine beschwingte Stimmung und glaubhaftes Fernweh, in dem sich die Heimatliebe zeigt. Manche Handlungsstränge wie das Liebesleben von Alfonsinas Mutter Rosa (feurig: Carla Ortiz) versanden, doch insgesamt ist "Schreibe mir" sehr schöne, unkitschige Kinounterhaltung für's Herz.