Worum geht es in diesem gelungenen, sehr praxisorientierten Buch ? Es geht um das Wecken eines Schreib-Ich und darum, 'Schreiben als natürliche, kreative Kraft und Inspirationsquelle zu nutzen'. Dies kann auch gelingen für denjenigen oder diejenige, die die Ratschläge der Autorin und Medizinerin Silke Heimes in die Tat umzusetzen versuchen. Dabei verspricht Heimes jedoch nicht, dass es ein einfacher Weg werden wird. Viele Menschen setzten sich beim Schreiben zum ersten Mal wirklich mit ihrer Person und Biographie auseinander und erhielten Klarheit über eigene Denk-und Verhaltensmuster.
Dabei stellt Heimes das kreative Schreiben konsequent praktisch vor. Sie nimmt künftigen Autoren auch so manche Hemmung, wenn sie schreibt: 'Wir sitzen vor dem Papier und denken jeden Satz hundertfach durch. Keiner scheint gut genug, um als erster aufs Papier zu kommen. Da Sie es Ihrem inneren Perfektionisten ohnehin nicht recht machen können, können Sie ebenso gut schreiben, wie Sie wollen.' Sie macht dem Leser verständlich, wie sich ein Text entwickelt, wie man fremde Texte fortschreibt oder anderes. Vor allem empfiehlt sie, das Schreiben zu einer Gewohnheit zu machen. Was letzthin vollständig entlastet, ist Heimes Gedanke, der Alltag sei eine Ideen-Schatzkiste.
Wer das Buch 'Schreib es Dir von der Seele' in die Hand nimmt, der nutzt die Chance, sich dem eigenen Ich zu nähern und den Alltag auch auf eine sehr eigene Weise zu reflektieren. Und deshalb erteilt sie den Ideen einer Schreibblockade ein klares Nein. Heimes findet es legitim, auch einmal einen schlechten Text zu schreiben. Denn mit Schreiben liessen sich Blockaden lösen und man könne Gefühlen auf den Grund gehen.
Wichtig erscheint der Gedanke von Silke Heimes, dass Krisen mit dem Lesen und Schreiben bewältigt werden können. Diese Techniken sind dann als Innehalten und Luftholen zu verstehen, etwas, was in der Gegenwart allzu häufig vernachlässigt wird. Literatur könne Modellcharakter haben. Heimes: 'D.h. indem wir erfahren, wie andere mit Krisen umgehen, können wir selbst erste Hinweise erhalten, wie wir selbst damit zurechtkommen können.'
Es ist eine Vielzahl von Übungen, die Heimes dem interessierten und gespannten Leser vorstellt und die es sich zu versuchen lohnt. Und es ist einfach toll, wie sie den Alltag und das Leben als Anregung für das Schreiben sieht, so dass es schnell zu dem Selbstverständnis kommen sollte: 'Ich schreibe.'
Die Bücher von Silke Heimes sollte man ruhig lesen. Sie ergänzen einander, zeigen neue Facetten auf und zeigen auch, wie sich die sogenannte Expertin entwickelt zu haben scheint. So liegt die Hürde nicht ganz so hoch.