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Anne Chaplet: "Schrei nach Stille, 27. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Schrei nach Stille (Gebundene Ausgabe)
40 Jahre nach dem "Summer of Love" 1968 wird die Dorfgemeinschaft des oberhessischen Dorfs Groß-Roda in Aufruhr versetzt und von den damaligen Geschehnissen eingeholt. Argwöhnisch wird die neu- bzw. wieder hinzugezogene Schriftstellerin Sophie Winter in ihrem alten verfallenen Fachwerkhaus von ihren spießigen Nachbarn beäugt. Noch dazu ist ein 12-jähriger Junge verschwunden. Es ist unklar, was vor sich geht in dem alten und unheimlichen Haus, was damals passiert ist, wer Sophie Winter ist und was es mit dem verschwundenen Jungen Luca auf sich hat. 1968 waren drei Hippies in das Dorf Klein-Roda gezogen, sie wurden feindselig empfangen. Das oberhessische Dorf war offenbar nicht reif für die freie Liebe und allem, was dazugehörte. Als Sophie Winter dort auftaucht, scheint sich die Geschichte zu wiederholen, alte Wunden werden wieder aufgerissen und es wird in Dingen herumgestochert, die die Dorfbewohner am liebsten für immer vergessen hätten. Die Geschichte wird hauptsächlich aus drei Perspektiven erzählt: aus Paul Bremers, der selbst hinzugezogen ist, aus Giorgio DeLanges, einem Polizisten, der mit dem Fall selbst und Klein-Roda eigentlich nur zufällige Berührungspunkte hat, und schließlich aus Sophie Winters Perspektive selbst, die sich anfangs etwas verrückt anfühlt. Seite für Seite kommt man so der Wahrheit über das Verbrechen, das 1968 im Sommer passiert ist, näher. Anne Chaplet schafft es, eine durchgehende Spannung vom Anfang bis zum Schluss aufzubauen. Fieberhaft versucht man, die Zusammenhänge zu erkennen. Ihr genauer Sprachstil und ihre Beschreibungen machen den Roman zu einer sehr angenehmen Lektüre. Durch ihre detaillierte Darstellung der Dorfgemeinschaft kann man sich regelrecht in das dörfliche, muffelige Spießbürgertum der späten 70er Jahre der BRD hineinfühlen. Für mich ein rundherum gelungener Kriminalroman, der mehr ist, als "nur" ein normaler Kriminalroman. Toll!
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4.0 von 5 Sternen
Mut, 26. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Schrei nach Stille (Gebundene Ausgabe)
gehört dazu, ein Buch so zu beginnen, beinahe schon philosophisch macht sich ein Tropfen auf den Weg. Damit werden sich viele schwer tun, wenn in der Buchhandlung kurz in ein Buch hineingelesen wird und man einen Krimi erwartet. Leider. Bemerkenswert, dass die Autorin es dennoch wagt und auf ihre Leser baut, ihnen zutraut, sich auf die Reise zu begeben an einen recht düsteren Ort, voll Vorurteile, voller Schicksale, voller Rätsel. "Vergessen ist Gefahr und Gnade zugleich." Dieses Schicksal ereilt auch den unaufmerksamen Leser, das Buch hat meine volle Konzentration gefordert und ich konnte nicht mal nebenbei ein paar Seiten lesen. Zu schnell geht eine Information, ein Detail flöten. Leider habe ich keinen der Vorgänger gelesen, sonst hätte ich mich wohl nicht über Seiten gehangelt, auf der Suche nach Brenner, der als eine der wenigen Figuren nicht groß eingeführt wurde. Sprachlich schwebt Chaplet über vielen ihrer Kollegen, der Titel ein Oxymoron, die Sätze nahezu durchgehend kurz, prägnant. Kaum ein Wort, das verschwendet wird, und dennoch eine unglaublich bilderreiche Sprache. Ein kriminalistisches Kunstwerk, das lange ohne "echte" Spannung in Form von Leichenfunden, Verfolgungsjagden oder ähnlichem auskommt und dennoch packt den Leser eine unterschwellige Ahnung, ein Raunen und fesselt. Dieser Stil fiel mir schwer, obwohl das Buch nicht viele Seiten füllt, erschien es mir lang - nicht aus Langeweile sondern aus dem Drang heraus mehr zu wollen, mehr Wissen, mehr Action... Dabei ist immer etwas los, die Handlungsstränge sind schön verwoben und wenn sich die Personen ändern, fängt meist ein neues Kapitel an, was bei den kurzen Absätzen eine große Hilfe ist, anders würde der Schwenk zwischen den Orten anstrengend. Alles in allem hat mir "Schrei nach Stille" gut gefallen, ein etwas anderer Krimi, keine "leichte" Kost. Wenn man sich darauf einlässt, wird das Buch einen in den Bann ziehen.
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4.0 von 5 Sternen
Von Blumenkindern, vom Dorfleben und vom Verschwinden, 3. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Schrei nach Stille (Gebundene Ausgabe)
Sophie Winter wohnt in einem renovierungsbedürftigen Haus in Klein-Rhoda im Oberhessischen. Ein von ihr veröffentlichter Roman, wird zum Bestseller und soll jetzt verfilmt werden. In ihm geht es um die Hippiebewegung und um drei jungen Leute, die ihren Sommer der Liebe in einem kleinen Dorf verleben und damit bei der einheimischen Bevölkerung auf keine große Gegenliebe stoßen. Damals im Jahr 1968 verschwand eine junge Frau und als 40 Jahre später ein Junge verschwindet, brechen alte Wunden auf. Es war mein erster Roman von Anne Chaplet und ich bin nicht abgeneigt, einen weiteren von ihr zu lesen. In den Kapiteln 2 bis 5 wird man mit vielen unterschiedlichen Personen konfrontiert und es war nicht einfach für mich sie auseinander halten zu können. Auch umfassen die Kapitel nicht allzu viele Seiten, so dass einem die Figuren vertraut werden könnten. Wenigstens sind sie so gut und mitreißend geschrieben, dass man dabei bleibt und gerne weiter liest. Nach einiger Zeit kam ich mit den relativ kurzen Kapiteln und dem Hin- und Herspringen zwischen den einzelnen Figuren besser zurecht und konnte mir langsam auch merken wer wer ist, obwohl ich mich mit Manchen schwer tat. Giorgio De Langes Privatleben wurde ein wenig zu ausführlich behandelt. Wenn der Roman mehr Seiten umfasst hätte, wäre es nicht weiter ins Gewicht gefallen, aber bei der Proportionierung der Kapitel fällt es auf. Es war sehr interessant über das Leben auf dem Lande zu lesen und welche Auswirkungen die drei Hippies in der Dorfgemeinschaft auslösten. Die Geschichte habe ich sehr gerne gelesen, obwohl es sich weniger um einen richtig guten, spannenden Krimi handelte und die Luft raus war, als bekannt war, was das Verschwinden der jungen Frau ausgelöst hatte. Wer hier mit einer richtig spannenden Kriminalgeschichte rechnet, wird enttäuscht werden, aber die Geschichte ist interessant genug, dass es sich lohnt sie zu lesen.
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