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Der Film kommt mit einem minimalen Plot aus.
Zwei Bergsteiger (einer aus der klassischen, der andere aus der Freeclimbing Schule) konkurrieren um Ruhm und um eine Frau, die zwischen beiden steht. Ein in die Handlung integrierter Beobachter (Donald Sutherland) führt den Zuschauer durch den Film. Eigentlich eine klassischer Stoff, aus dem ein guter Film hätte werden können. Wenn nicht, und in diesem Fall muß ich es auch zugeben, wenn nicht Herzog Regie geführt hätte. Das Drehbuch ist zu konventionell, als daß Herzog es erfolgreich hätte umsetzen können. Wo Hollywood mit viel Action, Herzschmerz und großen Gesten ein Feuerwerk des Popcorn Kinos draus gemacht hätte, bleibt Herzog nur seine Bildersprache. Die ist in vielen Augenblicken auch gar nicht so schlecht, wie sie von anderen Rezensionen gemacht wird, kann den Film aber nicht tragen. Weder trägt sie den zwischenmenschlichen Konflikt, den dieses Trio auszufechten hat, noch die Medienkritik, die sich eher schlecht als recht in diesen Film mogelt.
Beide Männer stehen in einem Wettkampf, den schwierigsten Berg der Welt - den Cerro Torre - zu bezwingen. Der eine möchte den Berg klassich besteigen, während der andere auf die neue Schule, das Freeclimbing setzt. Die erste Expedition endet eher mit einem Unentschieden. Während sich Roccia (der klassiche Bergsteiger) nicht zum Aufstieg durchringen kann, besteigt der Freeclimber (Martin) den Berg mit Hilfe von Hans (in einer kleinen Nebenrolle: Hans Kammerlander), Roccias Seilmann. Der Aufstieg endet im Fiasko. Martin kann gerade noch vor dem Erfrieren gerettet werden, während Hans in einer Lawine umkommt. Trotzdem beharrt Martin darauf, den Gipfel erklommen zu haben.
Während sich Roccia von der Außenwelt abschottet, sieht sich Martin den Anfeindungen der Presse und des Fernsehens konfrontiert. Niemand glaubt ihm das Kunststück. Aus Verzweifelung schlägt er vor, die Besteigung unter Beobachtung eines Fernsehteams zu wiederholen. Als Roccia von diesem Vorhaben erfährt, macht er sich ebenfalls auf den Weg zum Gipfel. Ein Wettrennen um Ruhm, verletzten Stolz und das Herz einer Frau beginnt ....
Das Ende soll hier nicht verraten werden, nur sei soviel gesagt: die letzten Minuten des Films sind, was Dramatik, Regie und Spannung betrifft, großartig. Wäre nur der Rest des Filmes von dieser Qualität. Doch leider lässt es das Drehbuch nicht zu. Die Schauspieler halten sich tapfer, vor allem Stefan Glowacz als Laie schlägt sich ganz gut; können sich aber des Eindrucks nicht erwehren, daß die Handbremse bei jedem von ihnen fest angezogen ist. Vor allem Matilda May zeigt nicht mehr als drei Gesichtsausdrücke, wobei zwei ohnehin identisch sind. Mezzogiorno versucht sich an der Darstellung des von Selbstzweifeln getriebenen Altvorderen, der den Staffelstab nicht an die junge Garde weiterreichen möchte. Alles in allem solide gespielt, mehr aber auch nicht.
Auch Herzog gibt im Audiokommentar zu, daß der Film "ein strukturelles Problem hat". Leichterhand schiebt er es auf den Einfluß seines Produktionsleiters Walter Saxer. Nun gut.
Fazit:
Ein Film, der vom Stoff besser sein könnte, aber nicht so schlecht ist, wie er oft hingestellt wird. Vor allem die Szenen am Berg heben ihn auf ein Niveau, das für vieles entschädigt. Und in der letzten halben Stunde brennt der Film ein wahres Feuerwerk an nie zuvor gesehenen Einstellungen ab.
Mit "Rad der Zeit" und "Glocken aus der Tiefe" sind auch hier wieder ein paar unterhaltsame Extras auf die DVD gepackt worden, was aber nicht von der Bewertung des Hauptfilmes ablenken soll. Alles in allem aber eher Durchschnittsware, was meines Erachtens daran liegt, daß der falsche Regisseur den falschen Stoff verfilmt hat.
Drei Sterne dank der letzten halben Stunde.
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