Mit dem Namen der Autorin Patricia Highsmith verbindet man elektrisierende Hochspannung und darin könnte der Grund liegen, dass der Film "Der Schrei der Eule" die Zuschauer spaltet. Wer einen Thriller erwartet, der die Welt in Gut und Böse einteilt und schnurstracks auf einen nervenaufreibenden Showdown zumaschiert, der wird hier enttäuscht werden.
Was nicht heißen soll, das der Film nicht spannend ist, im Gegenteil. Aber er nimmt sich Zeit für seine Charaktere, deren psychische Defizite der Auslöser sind für eine fatale Verkettung von Ereignissen, über die keiner der Protagonisten mehr die Kontrolle hat. Der Film ist modern und unterkühlt inszeniert, ohne eine Sekunde steril zu wirken. Er vermeidet Klischees und genau die daraus resultierende Uneindeutigkeit halte ich für eine der großen Stärken des Films, neben brillanten Schauspielern und den großartigen Bildern. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab und zeichnet ein komplexes Bild unseres Alltags, mit all seinen Irrungen und Lebenslügen.
Eine düstere Geschichte mit Sogwirkung, in der keine der Figuren glücklich ist. Ich mag auch, wie der Film feste Vorstellungen ins Wanken bringt, z. B. die, das ein Mann, der regelmäßig ein Haus aufsucht, um heimlich eine Frau zu beobachten, nur Böses um Schilde führen kann...
Die Blu-ray bringt die ausgesuchte Farbkomposition des Films wunderbar zur Geltung und gibt mit ihrem detaillierten Bild keinerlei Grund zur Beanstandung. Ich habe "Der Schrei der Eule" mittlerweile zum dritten Mal gesehen und das war bestimmt nicht das letzte Mal. Eine Empfehlung für alle, die auch mal über den Tellerrand des Genres hinwegschauen können.