"Wenn man mich fragt, warum ich diese Erzählungen geschrieben habe, kann ich nur antworten: um mir selber einmal eine Freude zu bereiten", so Marlen Haushofer in ihrer Nachbemerkung zu diesem schmalen Band von Erzählungen. Nachdem sie in den Jahren davor zwei Romane geschrieben hatte, kehrt die österreichische Autorin (1920-1970) zu der "Erholung" zurück, wieder einmal Erzählungen zu schreiben. Dass es letztendlich doch keine "Erholung" war, liegt vielleicht an dem düsteren und pessimistischen Charakter dieser Erzählungen. Da ist der Mann im mittleren Alter, der jeden zweiten Samstagnachmittag seine alte Mutter besucht, die niemals etwas von seinem skandalösen Lebenswandel erfuhr, da ist eine Frau, die von der scheinbar grundlosen Auflösung ihrer Ehe berichtet und da ist ein alter Mann, der sich mit seinem eigenen Verfall konfrontiert sieht. Marlen Haushofer schreibt über die Schattenseiten des menschlichen Daseins, doch sie tut das bei aller fast lupenhaften Genauigkeit mit einer menschlichen Wärme und Nachsicht, so dass immer noch ein Funken Hoffnung bleibt.